Worms
Nibelungen-Festspiele: Das Geheimnis des Wassers
Wasser spielt im Nibelungenlied und dem Mythos, den es erzählt, eine sehr große Rolle. Mit Wasser als Urelement beginnt erst recht die berühmteste Bearbeitung des Stoffes im 19. Jahrhundert: Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“, der übrigens heuer zeitgleich mit den Wormer Nibelungen-Festspielen am Mannheimer Nationaltheater in einer neuen Version Premiere hat. Denn zu Beginn des „Rheingolds“ wogen aus dem Urnichts allmählich die Wogen des Rheins empor. Eine andere Wasseroper Wagners, „Der fliegende Holländer“, hatte vor einigen Monaten in Mannheim auch Premiere – und da war Roger Vontobel der Regisseur.
Vontobel setzt nun „hildensaga. ein königinnendrama“ bei den Wormser Nibelungen-Festspielen in Szene – und wieder spielt Wasser eine ganz wichtige Rolle. Das Bühnenbild steht nämlich unter Wasser beziehungsweise ist eine Art Wasserlandschaft.
Das Bühnenbild als Mitspieler
Vor dem Nordportal, dem Originalschauplatz der zentralen Szene der Königinnen Krimhild und Brünhild, öffnet sich ein kleiner See, der wie sein Schöpfer, der Bühnenbildner Palle Steen Christensen sagt, durchaus eine Art Co-Akteur, also ein Mitspieler im diesjährigen Stück sein wird. Mehrere Monate habe die Planung für das ungewöhnliche Ambiente zu Ferdinand Schmalz’ Stück gedauert, so der dänische Bühnenbildner.
Seit Ende Mai wurde das Bühnenbild aufgebaut, nun ist es fertig und wurde zu Beginn der Woche den Medien präsentiert. 20 mal zwölf Meter ist der Bühnensee groß, 1,50 Meter tief. Das Wasser wird wie in einem Schwimmbad ständig ausgetauscht und kann auf 28 Grad erwärmt werden. Bei der angesagten Hitze wird es aber eher Abkühlung verheißen. Natürlich nur für die Akteure. Wie diese sich in, auf und unter dem Wasser bewegen, ist ein streng gehütetes Geheimnis bis zur Premiere am 15. Juli.
Undurchsichtiges Wasser
Das Wasser wird deshalb auch eingefärbt und undurchsichtig gemacht, damit seine ausgeklügelte technische Struktur nicht erkennbar sein wird. Man darf also sehr gespannt sein, wie Regisseur Vontobel das feuchte Element in seiner Inszenierung einsetzt.
Ein kleiner Film auf der Internetseite der Festspiele (Adresse siehe unten) gibt zumindest eine kurze Vorstellung, wie die Optik der Aufführung werden wird. Zwei Videowände rechts und links auf der Bühne werden ebenso für filmische Effekte sorgte wie Projektionen auf die Nordseite des Wormser Doms.
Gebaut hat den schwimmenden Teil des Bühnenbildes als Sachsponsoring die Firma Well Solutions GmbH von Christina und Christian Augel aus Eich in Rheinhessen, die im Schwimmbad- und Saunabau aktiv ist. Das mittelständische Unternehmen bringt sich mit Absicht bei den Nibelungen-Festspielen ein, um die Kultur als „Spiegel der Gesellschaft“ vor Ort zu unterstützen, wie Christian Augel es ausdrückt. In der Konstruktion der spektakulären Kulisse steckt mithin regionales Know-how.
Nur im Freien möglich
In einem Theater wäre ein solches Bühnenbild gar nicht möglich, weil viel zu schwer. Nur im Freien auf festem Boden ist es realisierbar.
Um nochmals auf Wagner und seinen Nibelungen-Ring zurückzukommen: Dort gab es etwa 1983 bis 1986 in Bayreuth auch kleinere Bühnenteile mit Wasser für drei nackte Rheintöchter. Die gibt es bei Ferdinand Schmalz nicht, wohl aber neben den drei Nornen den Göttervater Wotan, der zwar im mittelalterlichen Nibelungenlied nicht zum Personal gehört, wohl aber bei Wagner eine zentrale Rolle einnimmt.
Noch Fragen?
Karten gibt es unter www.nibelungenfestspiele.de oder unter Telefon 01805 337171. Die Festspiele laufen vom 15. bis 31. Juli. „hildensaga. ein königinnendrama“ läuft täglich außer dem 25. Juli um 20.30 Uhr. Im begleitenden Kulturprogramm gibt es unter anderem ein Konzert mit Jasmin Tabatabei und eine Matinee mit dem Festspiel-Autor Ferdinand Schmalz.