Worms Domsanierung und Domquartier: Es geht auf die Zielgerade
Grünes Licht gab es Ende Juni für die Entwicklung des Projekts Domquartier in Worms. In zehn Jahren sollen 19 Hektar Fläche zwischen Stephansgasse im Norden und Willy-Brandt-Ring im Süden als lebens- und wohnfreundliche grüne Oase erblühen. Das Besondere: Es handelt sich dabei um ein Innenstadtgebiet mit vielen wertvollen historischen Zeugnissen. Aber auch der Namensgeber Dom soll dann schmuck und frisch dastehen. Für die abschließenden, seit 2002 andauernden Sanierungsarbeiten fiel jetzt der Startschuss.
Stück um Stück verschwindet die Südseite des Wormser Doms hinter Gerüsten – inklusive dem Südportal, einem der Glanzlichter für Touristen. Jedoch müssten nach einer rund 30 Jahre zurückliegenden aufwendigen Sanierung des Südportals „der filigrane Figurenschmuck und die Ornamente begutachtet und an der einen oder anderen Stelle wieder ausgebessert werden“ berichtet Dompropst Tobias Schäfer.
Reicher Figurenschmuck
Um Besuchern dennoch einen Eindruck von der Pracht der Steinmetzarbeiten zu vermitteln, wolle die Domgemeinde das Baugerüst vor dem Portal mit einer fotorealistischen Darstellung kaschieren, heißt es in einer Pressemitteilung Schäfers weiter. Und damit auch einen Eindruck von dem reichen Figurenschmuck geben. Der bezieht sich auf Geschichten aus Bibel und Neuem Testament oder greift Weisheiten auf. Bekannt ist etwa „Frau Welt“, die von vorne lieblich und schön aussieht. Ihre Rückansicht ist jedoch von Kröten, Schlangen und Unrat verunstaltet. Eben: „Vorne hui, hinten pfui.“
Hervorstechende Merkmale der Südseite des Wormser Petersdoms sind die beidseits des Portals angeordneten gotischen Nikolaus- sowie die Annen- und Georgskapellen. Hier seien zusätzlich die Glasfenster des Künstlers Heinz Hindorf auszubauen, um die Schutzverglasung an einigen Stellen zu erneuern, erläutert der Pfarrer und Dompropst.
Rund zehn Jahre für die Südfassade
Zwei Jahre soll allein die Sanierung des Südportals dauern, für die gesamte Südfassade schätzt Schäfer rund zehn Jahre Arbeit. Alles in allem dürfte dann 2035 eine rund 30 Jahre andauernde, aufwendige Sanierung zu Ende gehen und der Petersdom wieder in altem Glanz erstrahlen.
Start für das Mammutprojekt war nach Voruntersuchungen und Planungen 2002. Bis 2018 befreiten die Experten das Bauwerk von Schmutz und besserten Schäden an allen vier Türmen sowie Ost-, West- und Nordfassade aus. Die Kosten von rund 15 Millionen Euro trug mit einem Zuschuss der Deutschen Stiftung Denkmalpflege und Bundesmitteln das Bistum Mainz, wie es auf seiner Internetseite mitteilt.
Über zwölf Millionen Euro Kosten
Von 2018 – Worms feierte das Jubiläum „1000 Jahre Wormser Dom“ – bis 2023 ruhten die Arbeiten, neue Planungen standen an. Weiter ging es nach Förderzusagen mit der sogenannten Silberkammer, einem im Nordosten im 12. Jahrhundert angebauten Sakristeiraum und dem Südquerhaus. Nun stehen also die komplette Südfassade, aber auch der Brandschutz und ein barrierefreier Zugang im Blick der Fachleute. Die Kosten werden auf 12,3 Millionen Euro geschätzt, 5,75 Millionen Euro steuere der Bund bei, so das Bistum Mainz.
Wenn die Arbeiten am Petersdom 2035 abgeschlossen sind, dann hat sich nach dem Willen der Stadt Worms auch das komplette Domumfeld vom Heylshof und dem Schlossplatz bis zum jüdischen Friedhof Heiliger Sand und dem ehemaligen Hochstiftkrankenhaus gewandelt (wir berichteten). Laut Stadt hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) das Projekt Domquartier genehmigt. Es umfasst rund 19 Hektar Fläche und soll nach dem Wunsch von Stadt und Stadtplaner Torsten Becker dem Klimawandel angepasst, verkehrsberuhigt und lebenswert sein sowie Raum für Wohnen, Bildung, Arbeit, Kultur und Tourismus bieten. Die geschätzten Kosten sollen 23,5 Millionen Euro betragen. 16,5 Millionen Euro (das entspricht 90 Prozent Förderung) fließen aus Städtebaufördermitteln in das Projekt, rund 1,8 Millionen Euro muss dann die Stadt beisteuern. Für die Bereiche Hochstift und Andreasquartier (ehemaliges Gesundheitsamt) wollen die Planer Investoren mit ins Boot holen.