Worms RHEINPFALZ Plus Artikel Backfischbraut: Fest liegt in der Familie

Backfischbraut Hanna Reuther öffnet die Tür zur Bojemääschterei. Hier ist heute ein Museum zur Zunftgeschichte untergebracht.
Backfischbraut Hanna Reuther öffnet die Tür zur Bojemääschterei. Hier ist heute ein Museum zur Zunftgeschichte untergebracht.

Weinfeste haben derzeit in Rheinhessen und anderswo wieder Hochkonjunktur. Das bedeutet prall gefüllte Terminkalender für die beiden Gallionsfiguren von einem der größten Volksfeste am Rhein, dem Wormser Backfischfest: Hanna Reuther, die Backfischbraut 2023, und der Bojemääschter vun de Fischerwääd, Markus Trapp.

Jedes Jahr darf sich der Bojemääschter eine neue Backfischbraut aussuchen. Die „Neue“ im Jahr 2023 zum 90. Backfischfest heißt Hanna Reuther, ist 22 Jahre jung und eine echte Wormserin, auch wenn man das nicht hört. „Meine Eltern haben sich Mühe gegeben“, erklärt Reuther ihr sauberes Schriftdeutsch. Vom Dialekt hat sie zwar sehr wenig mitbekommen, „aber ich verstehe alles“, betont sie.

Auch wenn sie und ihre Eltern keine Fischerwääder sind, ihre Wurzeln liegen dennoch im Quartier: „Meine Urgroßmutter und meine Großmutter lebten dort, meine Tante noch bis heute.“ Auch die ganze Familie einschließlich der Eltern ist im Fischerwääder Verein zur Brauchtumspflege aktiv. Das heißt natürlich, dass Hanna Reuther von klein auf Quartier und Backfischfest nebst der parallelen Fischerwääder Kerb kennt – und wie es sich gehört, auch täglich mittendrin war.

Dynastie an Bräuten

Mehr noch: Sie ist in der Familie die sechste Backfischbraut, und mit Frank Schlereth hat es auch schon einen Bojemääschter gegeben. Der Bojemääschter vun de Fischerwääd ist heute nur noch Symbol einer der ältesten Zünfte Deutschlands – 1106 erstmals erwähnt – und zusammen mit seiner Braut Repräsentant des Backfischfestes.

Er wird für eine längere Amtszeit gewählt. Markus Trapp ist sogar schon 15 Jahre im Amt. Wurde die Zunft unter Napoleon aufgelöst, gab es in Worms Berufsfischer bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie lebten in ihrem Quartier, der Fischerweide – im rheinhessischen Dialekt „Fischerwääd“.

„Einmal die schöne Tracht tragen“

Bei fünf Bräuten und einem Bojemääschter in der Familie war es Hanna Reuthers Kindheitstraum, auch einmal Backfischbraut zu werden und die „schöne Tracht“ tragen zu dürfen. Deswegen habe sie, als Markus Trapp sie fragte, spontan und ohne langes Zögern „Ja“ gesagt, erzählt sie. Sie habe sich total gefreut, dass sie das Fest und die Stadt repräsentieren darf, gerade auch vor dem Hintergrund des besonderen Jubiläums, des 90. Backfischfestes.

Aber auch die Familie sei total aus dem Häuschen gewesen, „alle waren sofort Feuer und Flamme, weil es halt auch zu unserer Familie gehört. Wir schauen auch jedes Jahr, dass wir viel Zeit haben, aufs Backfischfest zu kommen“.

Trockene Weine bevorzugt

Selbstverständlich freue sich auch ihr Partner mit ihr, wisse er doch, wie wichtig ihr dieses Amt sei. „Und er wird mich überallhin begleiten“, sagt sie. Unter den Weinen bevorzugt Hanna Reuther einen trockenen Riesling, ob pur oder als Schorle. Als Höhepunkt ihrer Amtszeit sieht sie natürlich das Backfischfest, ihr persönlich wichtigster Auftritt sei der beim Umzug, sagt sie. „Gerade wenn man selbst dabei ist, ist das noch viel schöner.“

Ihr Beruf wird gewiss kein Hindernis bei Terminen oder dem Volksfest sein. Reuther ist Pflegefachkraft, ihr Arbeitgeber ist das Wormser Klinikum. Das habe bereits signalisiert, kulant zu sein. So habe sie die Möglichkeit, entweder freigestellt zu werden, oder könne mit Kollegen Dienste tauschen. Etwas zu kurz kommen werden vielleicht ihre Hobbys. Hanna Reuther ist begeisterte Reiterin und spielt gerne Klavier. Aber jetzt gelte es eben zu feiern, Worms und das höchste Wormser Fest, das Backfischfdest zu repräsentieren. Darauf freue sie sich riesig.

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