Speyer Zwist rund ums Geläut
«DUDENHOFEN.»Die Diskussion um die sogenannten „Hitler-Glocken“ in Kirchtürmen hat über die Grenzen der Pfalz hinaus Wellen geschlagen. Auch wenn es im Speyerer Umland wohl keinen vergleichbaren Fall gibt, haben die Glocken oft bewegte Zeiten erlebt. Ihre Geschichten sollen in dieser Serie erzählt werden. Heute: die Kirchenglocken in Dudenhofen.
Das Glockenläuten war im Jahr 1868 in Dudenhofen anlass eines Streits: Der Bürgermeister maßte sich in diesem Jahr eigenmächtig das Recht an, das Läuten zu ändern. Bei dem Betglockläuten sollte das letzte Zeichen mit der kleinen Glocke unterbleiben und so genannte Verschiedgeläute (bei Sterbefällen) am Donnerstagabend und Freitag um 11 Uhr sollte es gar nicht mehr geben. Daraufhin ermahnte der Pfarrer den Lehrer Eyer, der die Glocken läutete. Der wiederum berief sich auf die Anordnungen des Bürgermeisters und des Gemeinderats. Der Pfarrer machte beim königlichen Bezirksamt in Speyer Meldung. Im gleichen Jahr wurde eine Läute-Ordnung erlassen, in der genau festgelegte wurde, wie und wann an Sonn- und Feiertagen, an Werktagen, bei Andachten, bei Prozessionen sowie bei Sterbefällen und Beerdigungen zu läuten sei. Ein Glöckner in Dudenhofen ist bereits im Visitationsprotokoll des Jahres 1583 erwähnt. Im Protokoll von 1683 erscheint er unter der Bezeichnung: „director horologii“ (Glöckner). 1776 sollte der Schulmeister vor Beginn einer gestifteten Frühmesse „zweimal vorläuten und einmal zusammenläuten“. Dafür erhielt er eine Entschädigung. 1801 heißt es, dass neben dem Unterricht zudem der Schulmeister „das Morgen- und Abendläuten, das Läuten zu den Gottesdiensten, die Uhr aufziehen und den Kirchengesang besorgen“ muss. Als 1837 eine Glocke zersprang, schaffte die Gemeinde eine neue an. Sie wurde von dem Glockengießer Springkorn in Frankenthal gegossen, kostete 167 Gulden und wurde am 15. September 1837 durch Dekan Brückner von Harthausen geweiht. Drei neue Glocken erhielt die Pfarrkirche St. Gangolf 1851. Sie waren von den Gebrüdern Hamm in Frankenthal zum Preis von 2327 Gulden gegossen worden. Dieses Geläut wurde im Ersten Weltkrieg am 21. September 1917 zum Einschmelzen abtransportiert. Nach dem Krieg erhielt die Pfarrkirche vier neue Glocken, die der Bischof 1923 auf die Namen St. Gangolf, St. Sebastian, St. Pius und St. Ludwig weihte. Über diese Glockenweihe ist im Pfarrgedenkbuch zu lesen: „Am 9. Juni wurden Glocken nebst Stuhl auf 3 geschmückten Wagen abgeholt am Wachtturm bei Speyer von dreißig Radfahrern unter Anton Ramge und dreißig Reitern unter Sebastian Kinscherff geleitet, ein überaus malerisches Bild.“ Am Kreuz vor dem Dorf wurden die Glocken abgeholt. Vor dem Schulschwesternhaus übergab Bürgermeister Eugen Grundhöfer sie an den Pfarrer. Auch diese Glocken fielen einem Krieg zum Opfer und wurden während des Zweiten Weltkriegs zum Einschmelzen abgeholt. Nur die kleine Glocke, St. Ludwig, blieb erhalten. Allerdings konnte sie später nicht mehr in der Kirche verwendet werden, da die Klangharmonie mit den neuen Glocken nicht übereinstimmte. Heute hängt sie im Turm der Friedhofshalle und gibt allen Verstorbenen das letzte Geläute. Nach dem Krieg wurden wieder vier Glocken angeschafft, die am 23. Juli 1950 von Bischof Josef Wendel geweiht wurden. Gegossen wurden sie von der Firma Juncker im Sauerland. Ihre Namen sind: St. Gangolf (1490 Kilogramm, Ton d), St. Sebastian (880 kg, Ton f), St. Maria (610 kg, Ton g) und St. Joseph (370 kg, Ton b). Bevor im Jahr 1950 die elektrische Glocken-Läuteeinrichtung in Betrieb genommen wurde, sind die Glocken durch Seilantrieb bewegt worden. Besonders an Sonn- und Feiertagen, an denen mehrmals zu läuten war, war der Glöckner – meist der örtliche Schulmeister – mit seinen Familienangehörigen von morgens bis abends für die Pfarrgemeinde tätig. An hohen Feiertagen, wie an Pfingsten, war dies 15 Mal der Fall.