Speyer Zwischen Steuern und Musik

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Ein Leben im Spagat zwischen Broterwerb und Passion: Zwei Tage arbeitet Karlheinz Osche im Steuerberatungsbüro, den Rest der Woche ist er Musikmanager und veranstaltet mit dem Kulturverein Dudenhofen Konzerte. „Mit den Scorpions“, wie er sagt, hat Osche seine Diplomarbeit geschrieben. Über 40 Jahre hat er alle Rock- und Blues-Größen erlebt, etliche getroffen und kennengelernt. Alle, außer die Rolling Stones, was der 63-Jährige heute noch bedauert.

Geboren und aufgewachsen ist Karlheinz Osche in Edenkoben. Volksschule, Lehre, Abschluss als Maschinenschlosser. Mehr zufällig denn gewollt: „Es gab die große Fabrik im Ort, da war die Berufswahl naheliegend.“ 1974 kündigt er und wechselt für den zweiten Bildungsweg ans Speyer-Kolleg. Er betreut eine Band, ist Postangestellter, studiert 1990 Betriebswirtschaftslehre in Worms, Fachgebiet Steuerrecht und Bürgerliches Recht, und verfasst „am Beispiel der Scorpions“ seine Abschlussarbeit mit dem Titel: „Die Rechtsformwahl einer Musikgruppe und ertragssteuerliche Auswirkungen.“ 1980 zieht er „der Liebe wegen“ nach Dudenhofen. Mit 16 kauft er die erste Schallplatte: „Entweder war es T. Rex oder Golden Earring.“ Im Elternhaus läuft, wenn überhaupt, deutscher Schlager. Die Karte vom ersten Konzertbesuch hebt Osche auf. Beim Gespräch holt er sie aus der Schublade der Erinnerungen: „music house presents – open air monster concert – 29.5.1970 halbinsel speyer – 16 bis 24 Uhr, Eintritt 9 Mark“, steht auf der Karte. Die Band T. Rex war damals angekündigt, sagte aber ab. Aufgetreten sind Kraftwerk, Brian Auger und Family mit Roger Chapman. Osche, „von den 68ern, Rock, Blues, der Hippiezeit geprägt“, wollte als Jugendlicher „zumindest stunden- und tageweise der Enge der Provinz entkommen“ und fuhr deshalb mit anderen, „einer Clique von sechs, acht Jugendlichen“, zu Konzerten nach Frankfurt – mindestens zweimal im Monat. Die Frankfurter Agentur Lippmann/Rau war damals führend. Fritz Rau sollte Karlheinz Osche später begegnen und mit ihm in Kontakt bleiben. Jimi Hendrix „verpasste“ Osche. Ansonsten – die Namen sprudeln: Ten Years After, Led Zeppelin, Humble Pie, Emerson, Lake and Palmer, Jethro Tull, Pink Floyd ... 1984 in London das Konzert, Zusammentreffen mit Guns ’n’ Roses. Ein Teil der Jugendlichen, unter ihnen Osche, wollte „dann auch selbst was machen“, organisierte im Edenkobener Kurpfalzsaal ein Konzert mit der Gruppe Sun. Von Mitte der 70er- bis in die 80er-Jahre folgten etwa 40 Veranstaltungen. 20 Bands, keine hatte einen Plattenvertrag, bildeten ein Schneeball-System: Nach dem Auftritt der einen Band lagen die Demos und LPs der anderen 19 zum Verkauf aus. Osche betreute sie mit, engagierte sich im Vertrieb. Für Trance, eine Band aus Edenkoben, übernimmt Osche 1980 das Management. Sie haben „über Nacht“ Erfolg: „Wir verkauften mehr als 40.000 Platten.“ Fünf Jahre danach die Trennung: „Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf“, sagt Osche. Rückblickend sieht er es sportlich: „Wie beim Fußball ist der Trainerjob begrenzt.“ Von 1985 bis 1990 ist Osche bei der Post und verhilft nebenbei verschiedenen regionalen Formationen zu Auftritten und LP-Aufnahmen. Auf die Bühne, ins Rampenlicht, selbst Musik zu machen, drängt es ihn nicht, sagt er: „Dafür muss man geboren sein. Mein Platz war immer dahinter.“ Osche studiert, ist anschließend in Steuerberatungsbüros angestellt und „koordiniert“ nebenher Gruppen wie beispielsweise die Hamburg Blues Band und Stahl. Außerdem ist er Mitglied im deutschen Rock- und Popmusik-Verband, hält Seminare zu den Themen Booking und Management. Diese Tätigkeit versteht er als Bindeglied zwischen Band, Produzent, Vertrieb und Konzertveranstalter. Er blättert „im 968-Seiten-Handbuch der Musikwirtschaft“, spezialisiert sich auf Gema-Recht, betreut die Bands Guru-Guru, Lake, Birth Control, Epitaph und in England Chris Farlowe (Thunderbirds, Colosseum). Leo Lyons, mit Alvin Lee Gründer von Ten Years After, will mit Osche zusammenarbeiten, kommt deshalb nach Dudenhofen und spielt in der Festhalle. Hubert Kropp, er ist der Initiator, und Karlheinz Osche stellen zusammen mit der Gemeinde – sie ist Vertragspartner der Künstler – über drei Jahre Konzerte auf die Beine. „Um unabhängig zu sein“, gründet Osche mit anderen 2005 den Kulturverein Dudenhofen. Mittlerweile sind im Kalender rund 100 Veranstaltungen gelistet. Sechs bis acht pro Jahr, von Rock bis Kabarett. Er nennt es „Hobby, das mir, dem Team und den Besuchern Spaß machen soll“. Das Team sind Kulturvereins-Vorsitzender Willi Kannegießer, Osche ist der musikalische Leiter, „der Kern-Helfer“ von den momentan 26 Mitgliedern. Finanziell – im Schnitt kommen ins Bürgerhaus 80 bis 100 Zuhörer, in die Festhalle 200 bis 250 – schrieb der Verein am Ende der Jahre „eine Null“. Beim Blick in die Zukunft ist Karlheinz Osche nicht bange: „Jeden Tag bekommen wir Mails von Künstlern, die in Dudenhofen auftreten wollen.“

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