Speyer
Zweites Nachtkonzert bei den Internationalen Musiktagen
Werke der 1958 in Moskau geborenen und heute in Ketsch lebenden russischen Komponistin Tamara Ibragimowa waren in den vergangenen Jahren mehrfach in Speyer zu hören gewesen, vor allem bei Konzerten in der Synagoge. Für den Geiger Daniel Spektor hat sie schon mehrere Stücke komponiert.
Das nun in der Klosterkirche St. Magdalena uraufgeführte Stück für Solovioline „Azerbajcan noyabr 2020“ (Aserbaidschan November 2020) bezieht sich auf den Krieg im Herbst 2020 um die Region Bergkarabach zwischen Armenien beziehungsweise der Republik Arzach und Aserbaidschan. Es ist den Opfern dieses militärischen Konflikts gewidmet und greift gezielt Volksmusik aus Aserbaidschan auf. Die Komponistin verbindet in ihrer Musik diese Motive zu einer bewegenden Elegie, die meist getragen in der Bewegung und melancholisch gestimmt ist, aber auch schroffe, motorische Passagen kennt.
Daniel Spektor war ein ausdrucksvoller Interpret dieses Werks und brachte deren Poesie und Klageton nachdrücklich zur Wirkung.
Cellosuite auf der Geige
War eine Woche zuvor die sechste Cellosuite von Bach erklungen, so war es diesmal für fünfte. Die sechste ist ja eigentlich gar nicht für das heute übliche Cello, sondern für ein ungewöhnliches Instrument namens Viola pomposa geschrieben. Da passte es gut, dass die c-moll-Suite in einer Violinfassung in g-moll erklang. Die englische Geigern Rachel Podger hat eine Umarbeitung (eben in anderen Tonarten) erstellt.
Daniel Spektor spielte die Violinversion der Cello-Suite nicht zum ersten Mal in Speyer. Wieder überzeugte er auf seiner Barockgeige durch einen ausgefeilten und beredten Vortrag, der von plastischer Artikulation, einem subtilen Umgang mit dem Tempo und einer deutlichen Profilierung der Tanzcharaktere gekennzeichnet war. Er musizierte mit vielen ausdrucksvollen Nuancen und fand in den Wiederholungen immer wieder Raum für gefällige Auszierungen. Sein Bach-Spiel ist uneitel und ohne Übertreibungen, aber nie unverbindlich.
Die empfindungsreiche Sarabande spielte er besonders delikat – und bot als Zugabe denn auch noch eine weitere Ausprägung dieses würdevollen Tanzes von Bach.