Speyer Zur Sache: Geschichte des Klosters und des Siegels
Den Germansberg gibt es in Speyer heute noch: In diesem Namen lebt das St.-German-Stift weiter, das sich bis ins 15. Jahrhundert im Bereich des nach ihm benannten heutigen Priesterseminars befand. Es wurde jedoch mehrfach zerstört. Matthias Köller vom Bistumsarchiv berichtet: „Es war den Bürgern der Stadt ein Dorn im Auge, da es Belagerern einen günstigen Standort bot. Die letzte Zerstörung datiert 1462. Im Jahr darauf wurde der Platztausch beschlossen, das Stift aus dem freien Feld in die Stadt verlegt.“ Standort wurde der heutige Königsplatz, unter dessen Parkplatz sich die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts freigelegten Fundamente einer gotischen Kirche befinden.
Das Kloster ist von Anfang an dem Heiligen German, Bischof des französischen Auxerre geweiht, der von 378 bis 448 lebte. Am neuen Standort in der Innenstadt gab es im 15. Jahrhundert ebenfalls kritische Stimmen. Der damalige Bischof Matthias von Rammung holte sich aber das päpstliche Okay, das Stift der dort schon stehenden Pfarrkirche St. Moritz anzugliedern. „Nach der Übersiedlung blühte das Stift in gewisser Zeit wieder auf“, heißt es in Band 4 des „Pfälzischen Klosterlexikons“, das ausführlich auf die Geschichte des Klosters eingeht. Dazu gehört das traurige Ende: Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689, danach noch ein gutes Jahrhundert Betrieb in und um die Kirchenruine, Säkularisierung nach erneuter französischer Eroberung 1803.
Fundstück als Irland im Museum
Im Klosterlexikon ist auch das Siegel aufgeführt, von dem der niederländische Sammler Jaap de Munnik ein Exemplar präsentiert hat. Demnach ist es kein Unikat, sondern mit kleineren Abweichungen und etwas stärker angegriffen schon in Speyer lagernd – und zwar im Depot des Historischen Museums der Pfalz. Das Haus hat es 1973 als Fundstück aus einem irischen Kloster erworben und beschreibt es in seiner Datenbank als „kreisrunde Siegelplatte mit vertiefter Siegelfläche, die mit Siegellack verklebt ist“. Der Zustand der Kupferplatte wird als „sehr gut; nur Rand etwas ausgebrochen“ bezeichnet.
Der Fachausdruck für den Stempel ist Petschaft. Dessen spiegelverkehrt gravierte Fläche wurde üblicherweise in eine weiche und erhärtende Masse gedrückt, um Rechtsgeschäfte fälschungssicher zu bestätigen, wie Julius Gerbracht vom Landesarchiv Speyer erklärt. Die Darstellung des knienden Königs Dagobert zeige die doppeltürmige Germanskirche, das darunter dargestellte Wappen mit Adler und Lilien werde „Karlsschild“ genannt. „Ich würde nicht sagen, dass es vom Abt geführt wurde“, sagt Gerbracht über das bis zu 600 Jahre alte Siegel. Laut Klosterlexikon verfügten auch Pröpste, Dechanten und Kanoniker von St. German über Stempel.
