Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sammler kauft historisches Siegel von St. German

Das Siegel: Frankenkönig Dagobert übergibt die Speyerer Germanskirche als Geschenk.
Das Siegel: Frankenkönig Dagobert übergibt die Speyerer Germanskirche als Geschenk.

Das St.-German-Stift war neben dem Dom Speyers älteste christliche Kultstätte. Bauliche Überreste sind nicht mehr zu sehen. Eine historische Spur führt in die Niederlande.

„Tadaa!“ Stolz zieht Jaap de Munnik das Siegel aus seiner Jackentasche. Ungefähr vier Zentimeter beträgt der Durchmesser des Bronzegusses, dessen Rückseite mit einer Öse versehen ist. Er ist womöglich mehrere 100 Jahre alt. Der Stempel ist handwerklich fein gearbeitet. Darauf zu sehen: Ein lächelnder Würdenträger, eine Kirche, ein Wappen – und am Rand die kreisrunde gotische Beschriftung. „Das Geheimsiegel des Abts vom Stift St. German in Speyer“, sagt de Munnik. Der 63-jährige Niederländer hat es vor zehn Jahren bei einer Auktion in seinem Heimatland erworben. Ein halbes Dutzend historischer Stempel und Siegel gehörte zu dem Los, für das er wenige hundert Euro hinblätterte. Ein Stadtsiegel Hamburgs und ein Poststempel aus Ost-Berlin in DDR-Zeiten gehörten auch noch dazu.

Der Sammler wusste zunächst nicht, was genau er erworben hatte. Später habe er Experten der Königlichen Bibliothek in Den Haag kennengelernt, dazu befragt und die Spur nach Speyer aufgenommen. In die Domstadt hat er seinen Besitz jetzt erstmals gebracht, um ihn der RHEINPFALZ vorzustellen und seine prinzipielle Bereitschaft zum Verkauf mitzuteilen: „Das ist etwas Besonderes. Es soll nicht in die Hand von Spekulanten fallen und am liebsten nach Speyer zurückkehren.“ Er könne seine Privatsammlung nicht immer weiter ausbauen und trenne sich gelegentlich von Stücken, ohne sich daran bereichern zu wollen. „Ich sammle Raritäten, wenn sie Geschichte haben, denn ich liebe Geschichte“, sagt der 63-jährige Familienvater, der Kulturanthropologie studiert hat und heute als Experte für Informationssicherheit für eine Saatgut-Firma tätig ist.

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Hort wichtiger Diplomaten

Viel Zeit, um sich tief in die Historie seiner Schätze einzugraben, habe er nicht, sagt de Munnik. Er habe keine Abdrucke des Siegels gefunden, aber einiges über das St.-German-Stift in Erfahrung gebracht, das in Speyer zunächst am Germansberg und dann bis zu seiner Auflösung 1649 am heutigen Königsplatz angesiedelt war. Die kirchliche Anstalt habe immer wieder hochrangige Diplomaten für den Herrscherhof hervorgebracht. Auch deshalb könnten seine Würdenträger mit sogenannten Sekretsiegeln ausgestattet gewesen sein. Diese wurden im Mittelalter meist auf die Rückseite des Hauptsiegels als nochmalige Echtheitsbestätigung geprägt.

Die Hoffnung des niederländischen Sammlers, es könne nur ein solches Siegel geben, hat sich indes zerschlagen: Im Zuge der RHEINPFALZ-Recherchen hat das Historische Museum der Pfalz festgestellt, ein fast identisches Motiv in seinem Depot zu haben, und auch einen Abdruck gibt es. De Munnik ist sich aber sicher, dass sein Siegel ein Original und keine Fälschung ist. Ein wichtiges Indiz aus seiner Sicht: „Es wäre eine viel zu große Mühe, ein solches Top-Stück aus einem heute kaum noch bekannten Stift zu fälschen.“

Erfahrung aus Amsterdam

De Munnik urteilt mit der Erfahrung aus fünf Jahrzehnten: „Ich sammle Antiquitäten und Raritäten, seit ich sieben Jahre alt bin.“ Er sei in Amsterdam aufgewachsen und im für entsprechende Galerien bekannten Spiegel-Quartier ein- und ausgegangen. Er habe bei Antiquitätenhändlern mitgearbeitet und von ihnen viel gelernt. Flohmärkte und Auktionen seien seine wichtigsten Bezugsquellen.

De Munnik erinnert sich gerne an die 1970er-Jahre zurück, als etwa ägyptische oder römische Funde noch ganz günstig zu haben gewesen seien. Auch heute könne man aber auf Flohmärkten „richtige Schnäppchen“ etwa aus Wohnungsauflösungen finden, wenn man gleich morgens um 7 Uhr komme. Ein Beispiel: Für 20 Euro habe er eine ägyptische Figur auf einem Flohmarkt gekauft und später für 30.000 Euro beim Auktionshaus Christie’s in New York veräußert.

Er sei gespannt, ob sich wegen des Siegels weitere Kontakte nach Speyer ergeben, sagt de Munnik. Er ist privat gerne in Rheinland-Pfalz in Urlaub (Oberwesel). Auch beruflich kommt er hin und wieder in die Pfalz. Sein Speyer-Besuch, mit dem ein Gang ins Historische Museum der Pfalz verbunden war, hatte mit einem Seminar im Gemüsebau zu tun: De Munnik war in Dannstadt-Schauernheim für ein Seminar zur IT-Sicherheit gebucht.

Der Sammler: Jaap de Munnik am Königsplatz, einst Standort des Stifts, heute Parkplatz.
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