Speyer Zur Sache: Flexibilität gefragt im Umgang mit ausländischen Schwangeren

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Babys kündigen sich oft in der Nacht oder an Wochenenden an. Darauf ist die Geburtshilfe im Speyerer Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus vorbereitet. Längst stehen dem Chefgynäkologen und -geburtshelfer Dr. Uwe Eissler zufolge Schwangere aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Ägypten oder Somalia im Zwei-Wochen-Rhythmus vor der Kreißsaaltür. Die Flüchtlingsfrauen sprächen in den meisten Fällen kein Deutsch, kämen häufig alleine und hätten Angst. „Mit ihrer Versorgung und ihrer Betreuung betreten wir absolutes Neuland“, so Kreißsaalleiterin Christina Müncker-Fuchs auf Anfrage. Das Projekt für Flüchtlingsfrauen, das Hebammen, Hebammenschule und die Diakonissen Speyer-Mannheim ins Leben gerufen haben (wir berichteten), erleichtere diese Arbeit. Es gibt Sprechstunden, in denen Schwangere auf die Geburt vorbereitet und danach betreut werden. „Wir sind es nicht gewohnt, unsere Anweisungen mit Händen und Füßen zu geben“, beschreibt Müncker-Fuchs Herausforderungen, vor denen Geburtshelfer, Gynäkologen, Hebammen und Pflegekräfte stehen. Häufig lägen keine Mutterpässe vor oder sie seien unvollständig. Nicht jede werdende Mutter komme mit der Abgeschiedenheit eines Kreißsaals zurecht, beschreibt Müncker-Fuchs Unsicherheiten. Lehrerin Mareike Kast berichtet von intensiver Auseinandersetzung der Speyerer Hebammenschülerinnen mit anderen Sprachen und Mentalitäten. „Wir improvisieren“, spricht Eissler von Umfragen beim Klinikpersonal über Sprachfähigkeiten. „Da ist mehr Potenzial als wir dachten.“ Vor allem an Wochenenden und nachts fehlten aber Übersetzer. Jeweils 40 Hebammen und Pflegekräfte sowie 28 Mediziner zeitgleich für den Umgang mit Flüchtlingsfamilien zu qualifizieren sei schlichtweg unmöglich, betont Eissler. „Wir haben es mit traumatisierten Frauen zu tun, die oft weder Deutsch noch Englisch sprechen und auf die Geburt nur unzulänglich vorbereitet sind“, berichtet der Chefarzt. So komme es zu Stresssituationen auf beiden Seiten. Darüber hinaus seien einige der Frauen beschnitten – „für uns ein absolutes Novum.“ Eine besondere Herausforderung sieht Eissler im Umgang mit dem traditionellen Frauenbild einiger Herkunftsländer. „Das steht oft im Kontrast zu allem, was wir seit vielen Jahren vertreten“, betont er. Beispielsweise wollten Väter in die Versorgung und Betreuung von Mutter und Kind eingreifen, schildert Müncker-Fuchs Situationen, die eine klare Haltung und gleichzeitig viel Fingerspitzengefühl erforderten. Auch das Pflegepersonal müsse sich in dieser Hinsicht auf neue Gegebenheiten einrichten, so die Hebamme. „Flüchtlingsfrauen haben das gleiche Recht auf Sicherheit, Gesundheit, Versorgung und Betreuung wie wir“: Das steht für die Geburtshelfer, Gynäkologen, Hebammen und Pflegekräfte in der großen Geburtsklinik fest. Dafür setzen sie sich ein. Flexibel und sensibel. (kya)

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