Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Zunftbaum-Premiere bei Wind und Wetter

Los geht’s: Der neue Zunftbaum wird in die Höhe gezogen.
Los geht’s: Der neue Zunftbaum wird in die Höhe gezogen.

Der Zunftbaum steht. Früher als sonst, weil es wegen der Pandemie kein Zunftbaumfest Ende April geben kann. Der Verein Speyerer Handwerkstradition hat ihn am Donnerstag zwischen Dom und Alter Münze verankert. Nicht nur der Termin ist eine Premiere, sondern auch der Baum selbst: ein völlig neues Exemplar, maßangefertigt für die Domstadt. Das dritte Novum soll bei der Standdauer folgen.

Das gute Dutzend Männer mit Masken meistert seine Aufgabe souverän. Nur wenige Minuten schwebt der neue Zunftbaum kurz vor der Mittagstunde am Kran der Firma Jester, dann wird er in der für ihn zwischen Wirtshaus am Dom und Eiscafé Caesar vorbereiteten Öffnung fixiert. Es ist ein Prachtexemplar, das schon im vergangenen Jahr in einer Allgäuer Manufaktur hergestellt und für 6600 Euro an die Speyerer verkauft wurde. Lärchen-Schichtholz, 16,50 Meter lang, unten 32, oben 22 Zentimeter Durchmesser, rund 1,5 Tonnen Gewicht, so lauten die Kennwerte.

Einen ordentlichen Zunftbaum aus dem Rohling haben die Speyerer Vereinsvertreter – vor allem aus den Firmen Kleinböhl, Jester, Merz, Schenk, Rolli, Oppinger und Merckel – gemacht. Er erstrahlt in den Stadtfarben weiß und rot und ist mit Kranz und Bändern geschmückt, von der traditionellen vergoldeten Spitze gekrönt und mit einer neuen LED-Beleuchtung versehen. Diese führt erstmals komplett an den Aufhängungsarmen der 26 Wappenschilder entlang, wie der Vereinsvorsitzende Thomas Kleinböhl berichtet. Vor Ort wurde die Verkabelung fertiggestellt.

19,50 Meter hoch

19,50 Meter hoch sei der Zunftbaum insgesamt, betonen die Handwerker, die am Donnerstag von 8 Uhr bis in den frühen Nachmittag im Einsatz waren. „Haben wir heute nachgemessen.“ Kleinböhl garniert das mit dem Handwerkerwitz, ob sie dabei „den Meter für die Rechnungen“ genutzt hätten, und erklärt dann, dass das Nieselwetter mit aufziehenden Winden für die Aufstellung alles andere als optimal gewesen sei. Es habe aber gerade noch geklappt, und auch wenn tatsächlich der angekündigte Sturm aufzöge, wäre der Stamm sicher, weil seine Schilderarme nicht starr, sondern beweglich sind.

Fast einen Meter tief versinkt das 1982 etablierte Symbol für den Zusammenhalt sowie das Traditionsbewusstsein des Speyerer Handwerks im Boden. Die Männer betrachten es stolz. Eigentlich hätten sie sich jetzt ein Weizenbier verdient, sagt einer – aber das ist unter Corona-Bedingungen nicht drin. Auch die Bevölkerung kann nicht mit ihnen feiern. Wie vergangenes Jahr, wird auch 2021 das Zunftbaumfest ausfallen. Im Vorjahr war der Baum wegen Corona gar nicht aufgestellt worden, diesmal sollte aber ein Zeichen gesetzt werden. Kleinböhl: „Wir brauchen keinen neuen Baum, wenn wir ihn das zweite Jahr in Folge im Lager lassen.“

Gespannt auf Beleuchtung

Die Aufstellung ohne größere Ankündigung und ohne jegliches Brimborium schon im März habe auch den Vorteil, dass die Handwerker noch nicht so gestresst seien wie im Sommerhalbjahr und dass die Außengastronomie nicht bewirtschaftet sei. So „stören“ nur einige verwunderte Passanten, die zur Seite dirigiert werden, als der Kran das Monument hochzieht. Die Helfer wollen am Abend wiederkommen: „Wir sind gespannt, wie er beleuchtet aussieht.“

Ein Zunftbaumfest ist 2022 wieder geplant. Ob es mit der Aufstellung des Baumes verbunden wird, ist offen: Der Verein würde diesen nämlich gerne ganzjährig stehen lassen, erklärt Kleinböhl. Die Beleuchtung an der Spitze sei eigens so ergänzt worden, dass sie den städtischen Lichterglanz im Advent effektvoll ergänzen würde. Zu diesem Plan stünden aber noch Gespräche mit der Verwaltung aus.

Fast oben: Arbeiten an prominentem Maximilianstraßen-Standort.
Fast oben: Arbeiten an prominentem Maximilianstraßen-Standort.
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