Speyer Zum Finale die Höchstleistung
„Stimmt. Gut.“ Es ist Punkt 19 Uhr, als Sabine Voljanek in der Turnhalle der Zeppelinschule das sagt. Die Schriftführerin hat die Zahlen gerade noch mal überprüft. Aus allen Listen, die der Erststimmen, die der Zweitstimmen, die der unterschiedlich angekreuzten Stimmzettel, kommt sie in Summe immer auf 369. So viele Wähler waren gestern da, der erste schon eine Minute vor 8 Uhr, die letzte zwei Minuten vor Schließen des Wahllokals. Den Stimmbezirk holt SPD-Kandidatin Isabel Mackensen. Mit einer Stimme Vorsprung vor Johannes Steiniger (CDU) – 111 zu 110.
Mit Voljanek atmen in dieser Sekunde auch alle anderen Wahlhelfer hörbar auf: Vorstand Bernhard Steegmüller („Zu dem Amt wird man ernannt vom Wahlamt.“), sein Vize Enzo di Naro („Du kannst dich nicht dagegen wehren.“), Johannes Jaberg, Beisitzerin Jessica Simon, wie Voljanek Mitarbeiterin der Stadt. Hinter allen liegen fast 14 Stunden Dienst, mit nur eineinhalb Stunden Pause. Am Schluss ist noch mal höchste Konzentration nötig. Um 18.01 wird die Urne geleert, dann werden die Zettel in 20er-Stapeln sortiert und – erstmals – durchgezählt: 369. Es geht ans Auszählen. Zunächst die, bei denen Erst- und Zweitstimme identisch vergeben sind. Dann die gesplitteten. Drei Aufreger gibt es. Ein Wahlzettel liegt auf dem Boden, einmal ist einer ungültig, einmal werden drei Stimmen vermisst. Die bereits in Umschlägen zum Abtransport verpackten Wahlzettel müssen noch einmal auf den Tisch und gezählt werden. Jetzt sind es 75 statt 72 für die CDU. In Summe 369. Stimmt. Erleichterung. Das ist auch ein spannender Moment für Claudia Behnecke. Die AfD-Sympathisantin und -Wählerin ist als Wahlbeobachterin in der Halle. „Es interessiert mich, wie ausgezählt wird. Ich habe mich freiwillig dazu gemeldet“, sagt sie und macht sich Notizen. Am Abend wird sie noch ein Feedback an die Partei in Speyer geben. „Ich muss gleich mal telefonieren. Ich glaube, die feiern noch.“ „Ihre“ Partei holt in diesem Stimmbezirk 36 Zweit- und vier Erststimmen, legt damit ein Mosaiksteinchen für das Bundesergebnis. Bei den Zweitstimmen liegt die CDU mit 92 Stimmen vor der SPD (84), Grüne (63), FDP (34) und Linke (38). Auch NPD (2), V-Partei (4) und Die Partei (3) sowie die Freien Wähler (4), sogar die Piraten (4) holen Stimmen. Alles dabei. Viel zu berichten an die Zentrale. Von den 806 Wahlberechtigten im Bezirk hatten 282 Briefwahl gemacht, 524 hätten gestern votieren können. Die Wahlbeteiligung – mit Briefwahl – liegt bei 80,6 Prozent, über Bundesschnitt. Auch Maximilian Veregge ist gekommen zum Beobachten. Er wundert sich über AfD und SPD bundesweit und bewundert den Einsatz der Wahlhelfer. Ehrenamt ist wichtig. „Zufrieden, Fehler gefunden, nach einer Stunde fertig“, lautet Steegmüllers Bilanz. Er will jetzt nach Hause. Wie der Rest der Truppe. Die 25 Euro „Erfrischungsgeld“ hat sich jeder hart verdient. Im Dienst der Demokratie.