Schwetzingen / Mannheim
Zum 222. Todestag von Kurfürst Carl Theodor
Er starb in München, wo er seit 1778 residierte, und ist in der dortigen Theatinerkirche bestattet (sein Herz allerdings liegt in Gnadenkapelle in Altötting). Doch verbunden ist sein Name mit der Blütezeit der Kurpfalz, wo er winters im Barockschloss Mannheim Hof hielt und die warmen Jahreszeiten in seiner Sommerresidenz in Schloss Schwetzingen verbrachte. Heute vor 222 Jahren, am 16. Februar 1799, starb Kurfürst Carl Theodor an den Folgen eines Schlaganfalls, den er vier Tage zuvor beim Kartenspiel erlitten hatte. Er war ein populärer Regent und aufgeklärter Landesherr, bekannt für seine Wissbegierde und Toleranz.
Carl Theodor wurde am 10. Dezember 1724 in Schloss Drogenbusch bei Brüssel geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters, Herzog Johann Christian von Pfalz-Sulzbach, ließ der regierende Kurfürst Carl Philipp seinen Großneffen 1734 zur Erziehung nach Mannheim kommen.
Kinderbild im Schloss Mannheim zu sehen
Mit großer Wahrscheinlichkeit gab Kurfürst Carl Philipp um 1730 zusammen mit den Porträtbildern für den Rittersaal im Mannheimer Schloss auch das Kinderporträt Carl Theodors in Auftrag, um dessen künftige Rolle als Kurfürst für jeden sichtbar zu machen. Die Fachleute der Staatlichen Schlösser und Gärten können die Details auch heute noch dechiffrieren: Die herrschaftliche Architektur im Hintergrund, der Helm mit den Verzierungen, die einer Krone gleichen, das rote Samttuch – Attribute, die Fürsten vorbehalten sind. Das Bild ist nicht signiert, doch die große Ähnlichkeit zu anderen Porträts spricht dafür, dass Jan Philips van der Schlichten als damaliger Hofmaler in Mannheim die Arbeit ausführte. Das Bildnis, 2017 von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg erworben, wurde restauriert und ist seit 2019 wieder in Schloss Mannheim zu sehen.
Am 17. Januar 1742 feierte man die prunkvolle Hochzeit von Carl Theodor und seiner Cousine Elisabeth Auguste (1721-1794) im Mannheimer Schloss. In der Silvesternacht des gleichen Jahres verstarb Carl Philipp und Carl Theodor wurde im Alter von 18 Jahren Kurfürst. 1777 erbte er als Nachfolger des Wittelsbachers Maximilian III. Joseph das Kurfürstentum Bayern und siedelte mit seinem Hofstaat nach München über.
Freund der Wissenschaft und Kunst
Wissenschaft und Kunst förderte Kurfürst Carl Theodor weit über das übliche Maß hinaus. Die von ihm gegründete Mannheimer Akademie der Wissenschaften brachte bedeutende naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervor. Die kurfürstlichen Sammlungen wie Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett, Naturalienkabinett, Münzsammlung, Schatzkammer und Hofbibliothek wurden für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht – eine ungewöhnliche Neuerung am Hof.
Unter der Herrschaft von Kurfürst Carl Theodor spielte eine der größten, besten und innovativsten Hofkapellen Europas in der Kurpfalz. Musikliebhaber aus ganz Europa kamen damals nach Mannheim, um die Aufführungen des Hoforchesters mitzuerleben. Um einen annähernd authentischen Höreindruck des 18. Jahrhunderts wieder erlebbar zu machen, konzipierten die Staatlichen Schlösser und Gärten den „Hofmusikraum“, der zur Zeit im sogenannten Trabantensaal des Kurfürstlichen Appartements eingerichtet wird. Neben neun kostbaren originalen Streichinstrumenten der Hofkapelle werden Gemälde, Grafiken und ein Bühnenmodell der Hofoper zu sehen sein.
Mozart und Carl Theodor
Es gab in Mannheim ein nicht mehr vorhandenes Theater – und seit 1753 das noch heute bespielte im Schwetzinger Schloss. Das wurde mit einer Oper von Ignaz Holzbauer eröffnet, dessen „Günther von Schwarzburg“ eine der ersten bedeutenden Opern in deutscher Sprache ist. Mozart schätzte sie sehr. Und es war Mozart, der 1781, also vor 280 Jahren, im Carneval für den Hof von Carl Theodor seine längste und ambitionierteste Oper schreib, den „Idomeneo“. Das war dann aber auch schon in München.
Angestellt wurde das Genie aus Salzburg aber weder in Mannheim noch in München.
Privater Rückzugsort
Zurück nach Schwetzingen: Carl Theodor liebte seine Sommerresidenz besonders. Hier war das Hofzeremoniell weniger stark ausgeprägt wie in seiner Hauptresidenz. Als ganz privaten Rückzugsort für sich selbst und seine Gäste ließ der Kurfürst das durch Hecken abgeschirmte Badhaus anlegen. Die Verlegung der Residenz nach München 1778 hielt Carl Theodor nicht davon ab, den Garten in Schwetzingen weiter ausgestalten zu lassen und auch weiter hierher zu kommen. Der Schlossgarten war für ihn ein „kurpfälzisches Monument“, das es zu bewahren galt.