Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Zimmerei Ackermann steht vor großen Herausforderungen

 Montage für einen Anbau: Holger Jager (links) und Felix Klein.
Montage für einen Anbau: Holger Jager (links) und Felix Klein.

Für die Zimmerei Ackermann mit Sitz in Haßloch und Standort in Dudenhofen ging es bis heute besser durch die Corona-Krise als gedacht. Trotzdem steht sie vor großen Herausforderungen.

Über ein Jahr ist er nun schon her, der erste Lockdown. Wenn er über seine Erfahrungen mit seiner Zimmerei in der Corona-Pandemie erzählt, muss Marcus Ackermann inzwischen schon dazusagen, welches Jahr gemeint ist. „Das ist alles noch immer so irreal“, sagt er. Und meint März 2020, wenn er erzählt: „Zu Beginn hatten viele plötzlich Angst, die Handwerker in ihr Zuhause zu holen. Aber das hat sich zum Glück stark verbessert.“

Dass Hygienekonzepte den Kunden die Sorge vor „Fremden“ auf ihrem Gelände nehmen konnten, hat den Familienbetrieb bis heute vor der gefürchteten Kurzarbeit bewahrt. „Bei den großen Firmenkunden blieben alle Aufträge bestehen“, sagt Ackermann. In der gesamten Zeit habe es bei ihm „keinen einzigen Krankheitsfall wegen Corona“ gegeben.

Trotzdem weiß der 43-Jährige nur zu gut, wie anstrengend es ist, einen großen Handwerksbetrieb mit mehreren Standorten unter stetig wechselnden Corona-Bedingungen durch den Sturm zu bringen. „Wir haben unseren Vätern im Betrieb die doppelte Menge an medizinischen Masken ausgehändigt, auch für die Familie zuhause“, erläutert der Firmeninhaber. „Denn das kostet Familien sonst viel Geld. Und wir wissen: Wenn das private Umfeld gut geschützt ist, bleiben wir alle hoffentlich eher gesund, und unsere Kunden dann genauso.“ Obwohl seine Leute und er sogar das Tragen von FFP3-Masken aus der Asbestentsorgung kennen, sei eine solche Maske „bei körperlich anstrengender, stundenlanger Arbeit und Hitze nicht leicht“.

Dass die 19 Mitarbeiter – darunter drei männliche und eine weibliche Auszubildende als Zimmerer – sich „wirklich immer vorbildlich an die Vorschriften wegen Corona halten“, das macht Ackermann den Tag schon etwas einfacher. „Klar, man hat trotzdem auch mal Ausfälle durch andere Krankheiten.“ Auch Quarantänefälle habe es gegeben. Aber: „Zum Glück ist am Ende nie etwas passiert.“

Vor knapp 19 Jahren gründet Marcus Ackermann seinen Betrieb in Haßloch, 2019 fusioniert er mit der Firma Gerhard Mayer. Die Übernahme bringt zwei weitere Standorte in Geinsheim und in Dudenhofen am Gewerbering mit sich. Es ist das Jahr vor Corona: „Wir hatten gerade unser Büro nur noch zentral betreiben wollen“, so der Firmenchef. Dann kam die Pandemie. „Jetzt konnte man nichts mehr bündeln“, resümiert Ackermann. Deswegen sei es „logischerweise besser geworden, wieder alles zu verteilen und den Vorteil der drei Standorte zu nutzen“. Weil so auch mehrere Wagen im Fuhrpark stehen, sei die Aufteilung in Gruppen einfacher. In Dudenhofen liege derzeit der Schwerpunkt auf der Verwaltung.

Ackermann betont: „Unser wohl größtes Problem im Handwerk heißt Materialbeschaffung.“ Da sei zum einen das Schnittholz, von dessen heimischer Produktion inzwischen immer mehr auch in die USA exportiert werde. Folge: die in Deutschland und der restlichen EU verfügbare Menge werde knapper und teurer. Zudem habe die Angst vor der Corona-Krise Forstwirtschaft und Holzindustrie in die Kurzarbeit getrieben: Jetzt gebe es aber doch viele Aufträge, die ausreichend viel Material erfordern, auch Befestigungsmaterialien und so genannte Holznebenprodukte wie Dämmplatten. „Also machen wir uns die Lager voll“, sagt Ackermann.

Die Zimmerer stehen jedoch nicht nur auf der klassischen Baustelle. Firma Ackermann hat sogar eine Supermarktkette zum Kunden: „Als mal ein Lkw in eine Ladenfront fuhr, mussten wir zur Reparatur eilen.“ Aber auch „Corona-typische“ Einsätze waren zu bewältigen. Verkaufsräume wurden mit Plexiglas-Konstrukten ausgestattet. Trennwände für ein Großraumbüro gehörten dazu. „Und Ausgangssperren wie in Dudenhofen und Speyer haben dazu geführt, dass einige Großkunden uns eine Bescheinigung ausstellen mussten, dass wir systemrelevant sind und fahren dürfen.“

Aufträge mit einem Vorlauf von vier bis fünf Monaten bieten dem Betrieb Sicherheit. Der Schreiner und Zimmerermeister überlegt: „Ich denke, das Handwerk hat allgemein derzeit eine höhere Auslastung.“ Denn auch die Privatkunden hätten, seit ihre Angst verflogen sei, eher mehr in Auftrag gegeben. „Viele sind im Homeoffice vor Ort. Oder es sind, weil der Urlaub gerade ausfällt, öfter aufgeschobene Arbeiten am Haus dran.“

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