Speyer Zeitvertreib jenseits von Karussellfahrten

Zu ersten Mal beim Waldweihnachtsbasar dabei: die Kindertagesstätte Sandhase.
Zu ersten Mal beim Waldweihnachtsbasar dabei: die Kindertagesstätte Sandhase.

«DUDENHOFEN.»Der Standort des Waldweihnachtsbasars hat im Laufe der Jahre gewechselt. Die Zahl der Beschicker ist dabei stetig gestiegen, parallel zum Zustrom der Besucher. Schwierig gestaltet sich daher die Parkplatzsuche und das schon kurz nach dem Auftakt. Die Autokennzeichen verraten den großen Einzugsbereich, der bis ins Badische reicht. Wer es in den Wald geschafft hat, wird überhäuft von kreativen Eindrücken. Bemerkenswert abwechslungsreich ist das Sortiment und handgemacht noch dazu. In ihrer Ideenwerkstatt gewerkelt haben die Jugendlichen der evangelischen Kirchengemeinde. Das Ergebnis: Backmischungen im Glas. Die Behältnisse, aus denen nach der Verarbeitung des Inhalts Brownies oder Müsliriegel entstehen sollen, sind ein Hingucker. „Wir treffen uns ohnehin regelmäßig und machen kreative Sachen. Jetzt haben wir uns etwas einfallen lassen, was die Leute interessieren könnte“, berichtet die 18-jährige Yasmin Franz. Rund 25 junge Menschen seien am Freitagabend im Jugendtreff mit dem Befüllen der Gläser beschäftigt gewesen, ergänzt die 15 Jahre alte Maja Uhl. Sie selbst mag den Weihnachtswaldbasar sehr, allein der Stimmung wegen. Doris Eichhorn, in Dudenhofen geboren, aber mittlerweile in Venningen lebend, kann das nur bestätigen: „Die Veranstaltung ist originell, die Stände sind schön, und es werden nur selbstgemachte Sachen angeboten.“ Ihre Enkel konzentrieren sich derweil mit Inbrunst auf die Armbrust, die von Naturrangerin Anne Aures gespannt worden ist. Auf hölzerne Tierschilder wird gezielt. „Beinahe hat es geklappt mit dem Schützenkönig“, kommentiert sie gerade vier von fünf gelungenen Treffern. Ein Bonbon hat der Mini-Schütze dafür sicher. Herzerfrischend, erholsam und gleichzeitig spannend ist es, an den rund 75 Ständen entlang zu flanieren. Gallische Misteln sind zum Probeküssen für Verliebte aufgehängt. Barbarazweige gibt es eine Ecke weiter. Drehorgelspieler Heinrich Cuntz ruft dazu auf, „froh und munter“ zu sein und die Dudenhofener Jagdhornbläser kommentieren das Treiben mit warmem, hellem Ton, bevor das Kurpfälzer Alphornbläser-Quintett und die Blaskapelle Dudenhofen die musikalische Regie übernehmen. Der 15-jährige Konstantin Pückler hat einen warmen Platz in der Nähe des Flammkuchenofens. Seit drei Jahren ist er Pfadfinder im Speyerer Stamm und hat die Nacht mit seinen Kollegen vor Ort verbracht. „Das ist eine schöne Gemeinschaftsaktion“, betont er. Spaß mache es, in der Gruppe was zum Gelingen des Marktes beizutragen, und obendrein könne der Erlös in weitere Aktivitäten gesteckt werden. Premiere feiert die Kindertagesstätte Sandhasen beim Basar. Vier Tage lang wurde im Vorfeld mit den Eltern gebacken, berichtet Leiterin Nicole Seitz. Dabei heraus gekommen sind Spekulatius in Form der vier Gruppentiere: Hasen, Füchse, Eichhörnchen und Eulen. Über mangelnden Absatz kann sich das Team nicht beklagen. Der soziale Gedanke steckt hinter vielen Einsätzen Ehrenamtlicher, vor allem derjenigen an den Versorgungsständen. Kinderhospiz und Lebenshilfe, Naturspur-Verein und Tschernobyl-Freunde – Gutes kann vielfach getan werden. Sympathisch: Dopplungen bei Speisen und Getränke gibt es nicht – höchstens die Qual der Wahl, wenn die Wildgulaschsuppe linker Hand ebenso lockt wie die Kartoffelsuppe rechts. Einen weiteren Aspekt lobt Anett Siemoneit aus Böhl-Iggelheim: „Mir gefällt, dass die Kinder hier was zu tun haben. Normalerweise ist das bei Weihnachtsmärkten aufs Karussellfahren beschränkt.“ Ihr Nachwuchs hat gerade Christbaumkugeln eingefärbt. Siemoneits Freundin Alice Albrecht aus Heidelberg freut sich ebenfalls über die Möglichkeiten für Kinder, sich die Zeit zu vertreiben. Generell gebe es für alle etwas und genau das ist der Reiz am Waldbasar, wie Siemoneit zusammenfasst: „Für mich ist das ein richtig schönes Familienweihnachtsfest.“

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