Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wurzelschäden bremsen auf Rad- und Gehwegen aus

Holprig: Warnung in der Bahnhofstraße.
Holprig: Warnung in der Bahnhofstraße.

Fettes Ausrufezeichen im roten Dreieck – Warnschilder dieser Art stehen viele in Speyer. Darunter gibt’s teilweise die Erläuterung. In einem Fall in der Bahnhofstraße sind laut Zusatzschild „Wurzelschäden“ die Ursache. Diese Stolperfallen bereiten (nicht nur) der Stadtverwaltung mächtig Probleme.

Wenn ein Passant über eine Wurzel stürzte, sich verletzte und gegebenenfalls Schadensersatz forderte, kämen die Juristen ins Spiel. Deshalb sind bei diesem Thema viele Formulierungen juristisch: „Die Stadt Speyer als Straßenbaulastträger ist verkehrssicherungspflichtig und muss entsprechende Maßnahmen treffen, um dieser Pflicht nachzukommen“, informiert Verwaltungssprecherin Lisa Eschenbach auf Anfrage. Das beschert ihrem Personal angesichts des dichten Straßen-, Rad- und Gehwegnetzes in der Domstadt viel Arbeit.

Zuletzt standen entsprechende Warnschilder unter anderem vor der Aral-Tankstelle in der Bahnhofstraße, aber auch ein Radweg in der Fritz-Ober-Straße auf Höhe der Integrierten Gesamtschule war gesperrt, weil Wurzelschäden am Bodenbelag für Unfallgefahr sorgten. Dabei spielt der Radweg gerade für die Schüler eine wichtige Rolle. „Die Verwaltung ist bemüht, Wurzelschäden so schnell wie möglich zu beseitigen“, betont die Sprecherin. Dies sei jedoch „nicht so einfach“: Es fehle an städtischem Personal, das die Schäden systematisch aufnehmen und beseitigen könne, und auch Fachfirmen seien dafür nicht immer gleich bei der Hand oder finanzierbar. Eschenbach: „Es müssen oft größere Flächen instandgesetzt werden, was mit entsprechenden Kosten einhergeht.“ So bleibe in einigen Fällen vorerst nur das Aufstellen der besagten Warnschilder, zumal auch nicht jeder Weg komplett gesperrt werden könne.

Pflanz-Praxis ändert sich

Wurzelschäden gebe es in nahezu allen Straßen, in denen Bäume oder das sogenannte Straßenbegleitgrün nicht ausreichend Abstand zum Rad- oder Gehweg haben. Das sei vor allem an älteren Verkehrswegen der Fall, weil zur Zeit von deren Erbauung oder Sanierung noch keine Mindestabstände gegolten hätten. Die Bäume wachsen dort nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Verwaltungssprecherin Eschenbach: „Ist die vorhandene Baumscheibe dann irgendwie zu klein, sucht sich die Wurzel den einfachsten Weg, indem sie den Untergrund und somit auch das Pflaster oder den Asphalt hochdrückt.“

Bei neuangelegten Straßen sollte das Problem indes nicht mehr auftreten, betont die Verwaltung: Zum einen gebe es für die Auswahl der geeigneten Baumarten neue Erkenntnisse. „Arten, von denen bekannt ist, dass sie ein extremes Wurzelwachstum aufweisen, werden nur noch in Grünanlagen verwendet“, erläutert Eschenbach. Zum anderen werde bei Neupflanzungen an Rad- und Gehwegen inzwischen darauf geachtet, dass die ausgesparten Baumscheiben groß genug sind, um Wurzelschäden von vornherein zu vermeiden.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Schnell abhelfen

Baumwurzeln drücken sich in Verkehrswege, reißen den Asphalt auf und werden für Radler und Fußgänger gefährlich. Natürlich ist das ein Stück weit ein Fass ohne Boden, weil in Speyer die Pflanzen an vielen Stellen größer geworden sind, als man sich das früher offenbar vorgestellt hat. Für Experten, die sich mit dem Zustand der städtischen Radwege genauer befassen und diesen zum Teil schon länger kritisieren, ist das natürlich nicht befriedigend. Wenn der Radverkehr weiter an Bedeutung gewinnen soll, sind gute, glatte Radwege nötig – und mithin schnelle Reparaturen etwaiger Schadstellen. Fußwege sind davon genauso betroffen. Dass zum Beispiel Jogger in den dunklen Morgenstunden teils lieber auf die Straße ausweichen als den Bürgersteig zu nutzen, ist ebenfalls bezeichnend.

Gesperrt: Wurzel-durchzogener Radweg in der Fritz-Ober-Straße.
Gesperrt: Wurzel-durchzogener Radweg in der Fritz-Ober-Straße.
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