Dudenhofen
Wolfgang Hail beim Kulturverein
Es gibt künstlerische Konzepte, die sind so ungewöhnlich, dass eine Erklärung notwendig ist, weil der Referenzrahmen fehlt. Sprich: Man hat so etwas noch nie gesehen oder gehört. Ein Konzertprogramm nur für Bass und Gesang gehört sicherlich dazu. Es gibt auf der Welt nicht viele Musiker, die das überhaupt machen. Wolfgang Hail ist einer von ihnen. Vor etwa zehn Jahren schlief die Konzertreihe dann etwas ein, da er bei diversen Bands so viel gebucht war, dass schlicht keine Zeit mehr für Solokonzerte blieb. Bis jetzt, denn am 20. Februar gastiert er im Bürgerhaus Dudenhofen mit „Bass& Voice“.
„Ursprünglich hieß das Programm vor zehn Jahren „Bass Affair“, weil mich die meisten nur als Schlagzeuger kannten, mit den Drums war ich sozusagen in einer festen Beziehung. Der Bass war meine heimliche Geliebte, wenn man so will - daher der Name Bass Affair“ Aus dem „Saitensprung“ von damals wurde aber längst ebenfalls eine ernste Sache, denn in den letzten zehn Jahren war er bei diversen großen Tribute Bands als Bassist und Bandchef fest dabei.
„Das ist so gewachsen“
Weil er mit dem Tieftönern genauso viel Zeit verbringt wie mit dem Schlagwerk, kann man schon von einer polyamoren Beziehung sprechen. Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, den Bass als Soloinstrument in den Mittelpunkt einer Show zu stellen?
„Das ist damals so gewachsen, ich habe mich so um 2011 herum richtig in den Bass verliebt und angefangen, zu experimentieren. Ich habe vieles anders gemacht, als es im Lehrbuch steht. Dabei habe ich gemerkt, dass dabei ein konzertantes Programm entsteht, mit selbst geschriebenen Stücken, aber auch für Bass umarrangierten Sachen. Zu Anfang habe ich öfter mal Schlagzeuger dabei gehabt, aber mittlerweile ist das Material so weit gereift, dass ich damit einen Abend solo gut bestreiten kann. Aber da steckt jede Menge Übung drin. Um das zwei Stunden durchzuhalten, muss man die Muskeln in den Fingern kräftigen, auch die Spannweite beim Greifen ist teilweise sehr groß. Ich hatte ohnehin wieder Lust bekommen, das Programm zu machen, da kam die Anfrage aus Dudenhofen genau richtig. Ich habe wieder die Zeit, mal sechs oder sieben Stunden zu üben – ich kann das richtig genießen“
Viel Erfolg
Mit dem Bass schaffte Hail auch, was wenige andere schafften, nicht nur auf Anhieb als Solokünstler am Bass den deutschen Rock und Pop-Preis zweimal zu gewinnen, sondern auch einen Plattenvertrag samt Endorsement zu ergattern. Dass die Geschichte dann zunächst endete, lag am Erfolg.
Durch diese Erfolge wurde er stärker als Bassist denn als Schlagzeuger wahrgenommen und so kamen Engagements bei Bands dazu, die Mittelalterrocker „Faey“ aus Franken sicherten sich seine Dienste, dann kam mit Barock und nach dem Austritt mit „We Salute You“ noch zwei überregional aktive AC/DC-Tribute Acts neben diversen Jobs als Aushilfsmusiker.
„Das hat aber auch dazu geführt, weil ich da überall Bass gespielt habe, dass aus der Affäre eine feste Beziehung wurde, daher auch der Namenswechsel zu „Bass & Voice“, lacht der gut aufgelegte Multiinstrumentalist.
Es soll nicht langweilig werden
„Nachdem ich da ausgestiegen bin, habe ich öfters wieder den Bass auf den Schoß genommen, dann kam der Anruf vom Kulturverein gerade recht. Ich werde da auch ein wenig zu den einzelnen Stücken und den Besonderheiten der Spielweise erzählen. Ich kann versprechen, dass keinem langweilig wird. Überall, wo ich das Programm gespielt habe, waren die Besucher hinterher völlig aus dem Häuschen“, ist der Rheinhesse zuversichtlich. Neben den Eigenkompositionen finden auch beliebte Ohrwürmer wie Fever, Stand by me oder Sitting on a dog of the bay, aber auch etwas komplexere Songs von Jimi Hedrix, The Police und Leonard Cohen.
Er hat zwar vor vielen Jahren einmal Schlagzeug und Klavier studiert und spielte als Multinstrumentalist und Sänger mit verschiedenen Bands weltweit bereits weit über 4000 Konzerte, aber in sein Soloprogramm „Bass Affair“ widmet er sich ganz leidenschaftlich und sehr intensiv seinem viersaitigen E-Bass.
Info
„Bass&Voice“, 20. Februar, 20 Uhr im Bürgerhaus Dudenhofen (Einlass 19 Uhr). www.hailewelt.com. Tickets bei Reservix.
Termine
Genau vier Wochen nach „Brass Affair“ gibt es beim Kulturverein Dudenhofen im Bürgerhaus am 20. März das Internationale Dudenhofener Bluesfestival mit der Aynsley Lister Band und der Hamburg Blues Band feat. Vanja Sky. Der britische Gitarrist, Sänger und Songwriter Aynsley Lister hat sich in der Blues- und Rock-Szene in den letzten Jahren einen exzellenten Ruf erspielt und konnte für vor allem für sein Album „Home“ seiner mehr als ansehnlichen Sammlung von Auszeichnungen neue hinzufügen. Die Hamburg Blues Band präsentiert mit dem Hamburger Rockshouter Gert Lange, Reggie Worthy (Ike & Tina Turner, Eric Burdon), Drummer Eddie Filipp (Sweet, Inga Rumpf), dem erst 30-jährigen Ausnahmegitarristen Krissy Matthews, Songs aus über vier Jahrzehnten HBB. Special guest ist Vanja Sky, Kroatiens Antwort auf Sheryl Crow und Nora Jones.
Am 17. April kommt Miller Anderson auf seiner Woodstock 55th Anniversary Tour. Nach über 60 Jahren auf den kleinen und großen Bühnen dieser Welt zieht er sich auf sein verdientes „Altenteil“ zurück. Miller Anderson ist der Gitarrist, der schon seit den 60ern mit allen Top Bands spielte. Im Vorprogramm spielen Keyboarder Frank Tischer und Drummer Tommy Fischer in Duo unter dem Namen „Sound on Purpose“.
Am 22. Mai spielen Jacques Stotzem und Christian Straubes Klangzauber Manufaktur. Jacques Stotzem ist einer der vielseitigsten Fingerstyle-Gitarristen der aktuellen Gitarrenszene. Christian Straubes Klangzauber Manufaktur kommt mit Christian Straube, akustische Gitarre, Laurance Mahady, Waldhorn, und Daniel Fleischmann, Percussion. Der Gitarrist Christian Straube ist bekannt für seine kreativen Kompositionen, die wie gespielte Lyrik daherkommen. Karten unter Reservix.