Speyer
Wolf Maahn kommt zum „Kulturbeutel“
Herr Maahn, fünf Jahrzehnte Deutschrock, genauso lange politisch kritisch: Was überwiegt?
Die Songs, die Songs! Musik kann viel stärker berühren als Worte. Aber politische und gesellschaftliche Entwicklungen bewegen mich immer wieder. Die Wertschätzung, die zu sehr auf der Strecke bleibt. Wir leben in einem System, das die Schöpfung behandelt wie ein Kutscher, der permanent sein Pferd peitscht. Wie wehrt sich die Seele dagegen? Sowas beschäftigt mich. Es fließt ein in manche Lieder, genauso emotional wie bei den Love Songs. Weil es gerade passt, und weil es raus muss.
Sie haben mit ihren Liedern deutsche Rockgeschichte mit geprägt, aber nicht – wie Kollegen – die ganz großen Hallen gefüllt. Wie erklären Sie sich das?
Mmh, die besseren Filme laufen ja oft in den kleineren Kinos, finden Sie nicht? Gute Filme sind oft wirklichkeitsnah und haben dennoch Hoffnungsblitze. Genau wie viele meiner Texte. Oft zu wirklichkeitsnah für das Format Radio. Vielleicht bin ich auch musikalisch zu verspielt. Meine Eigenwilligkeit ist aber längst Teil meines Markenzeichens, und bei so vielen treuen Fans möchte ich mich gar nicht beschweren.
München oder Köln, wo ist Heimat?
Sie haben Berlin vergessen, meine Geburtsstadt! Aber ok, nach 40 Jahren ist Heimat dann schon Köln. Allerdings fühle ich mich nach jahrelangem Touring in so einigen Städten zu Hause.
Sie sind mit Joseph Beuys und vor Bob Marley, Bob Dylan und Fleetwood Mac aufgetreten, haben mit BAP und Herbert Grönemeyer gesungen, sind 2001 fast beim Eurovision Song Contest aufgetreten, haben die Hauptrolle in der Rockoper „Das Lied von Schillers Glocke“ übernommen, in einer TV-Daily-Soap mitgespielt und treten jetzt in Speyer auf. Womit?
Wahrscheinlich mit meiner Gitarre. Haha... nee im Ernst, das wird spannend. Alle Beteiligten tasten sich ja erst mal wieder vorsichtig ran an so ein Konzerterlebnis, auch ich. Es gelten 3G und Abstandsregeln. Viele Stühle werden also leer sein. Des weiteren habe ich schon lange nicht mehr Solo gespielt. Es ist also absehbar, dass ich ein paar Textzeilen vergesse.
Folgt auf den Tschernobyl-Song jetzt ein Corona-Lied?
Seit eineinhalb Jahren hört man kaum was anderes als Corona. Und da soll ich jetzt noch einen Song zu schreiben?
Zur Person
Vor 66 Jahren wurde Wolf Maahn in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er in München, seit 40 Jahren lebt er in Köln und gehört zum festen Bestandteil der Kölner Rockmusikszene. Ehefrau Angelika ist auch seine Lichtdesignerin, Fotografin und Partnerin des Labels Libero Records.
Termin
Donnerstag, 7. Oktober, 20 Uhr, Alter Stadtsaal Speyer.