Speyer
Wohn-Wunder gibt es immer wieder
Das Statistische Landesamt bietet jede Menge Zahlenreihen für seine Städte und Landkreise. Und es gibt dabei unerfreulichere Spitzenplätze als in der Statistik für Wohnungsfertigstellungen. Für Rheinland-Pfalz wies Speyer im Jahr 2024 mit 36,6 neuen Wohnungen pro 10.000 Einwohnern den höchsten Wert auf. Zum Vergleich: Schlusslicht Koblenz kam nur auf einen Wert von 2,9. Kann die pfälzische Domstadt jetzt durchatmen? Wenn es nach den großen Wohnungsbaugesellschaften Gewo, GBS und GSW geht, die bei einer zu vergebenden Wohnung teils dreistellige Bewerberzahlen verzeichnen, eher nicht …
„Aus meiner Sicht kann die für Speyer genannte Zahl nicht ausreichen, um den Bedarf an Wohnraum zu decken“, betont etwa Christian Rohatyn, Geschäftsführer des GSW: Das Siedlungswerk des Bistums hat in den vergangenen Jahren am Priesterseminar und im Seppelskasten kräftig investiert. Die 33 neuen Einheiten im früheren Bistumshaus St. Josef in der Bahnhofstraße sind tatsächlich 2024 bezogen worden und somit auch in die genannte Statistik eingegangen. Für die nächste Zeit berichtet Rohatyn von „verschiedensten Überlegungen“ für Bauvorhaben in der Domstadt, spruchreif sei aber noch nichts.
Großes steht bevor
Anders sieht es bei den auf Speyer beschränkten Firmen Gewo und GBS auf, die zugleich die größten Wohnungseigentümer vor Ort sind: Beide hatten 2024 gar keine Fertigstellungen zu verzeichnen, bereiten aber Großes vor: 42 Gewo-Einheiten bei St. Otto und 49 Wohnungen der GBS am Rabensteinerweg werden wohl 2026 bezogen. Beides sind die bislang teuersten Projekte der Firmen. Die GBS hat außerdem 2025 ein 13-Parteien-Haus am Langensteinweg in Betrieb genommen. Zu guten Zahlen wird auch die Firma Ostermayer (Altrip) beitragen, die auf einer weiteren Großbaustelle noch dieses Jahr 85 Appartements in der Waldstraße freigeben will.
Die Stadt sieht in den Projekten Ergebnisse ihres Wohnungsmarktskonzepts aus dem Jahr 2017. Auch wenn Corona und die Baukosten-Krise vieles verzögert hätten: Es sei gelungen, „die angespannte Situation und die herausfordernden Entwicklungen auf dem Speyerer Wohnungsmarkt abzumildern“. Trotz der laut Statistischem Landesamt 188 Fertigstellungen bleibe der Wohnungsmarkt angespannt, so Sprecherin Janine Friedmann. Deshalb werde die Baulandstrategie aktuell neu ausgerichtet. Ob auf dem Normand-Gelände, im Industriehof oder neben der Kaserne im Norden der Stadt: Es soll sich noch einiges tun in den kommenden Jahren – was sich dann auch beim Statistischen Landesamt zeigen dürfte.
„Luft nach oben“
Das passt zu einer Mitteilung der Bau-Gewerkschaft IG Bau, die mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes sogar von 224 Wohnungsfertigstellungen in Speyer 2024 spricht. Das sei aber nicht genug: „Es gibt auf jeden Fall ,Luft nach oben’: Auch Speyer braucht eine Neubau-Offensive.“
Keine Aktien an den Zahlen der nahen Zukunft wird voraussichtlich der private Investor haben, der den größten Anteil an den Wohnungsfertigstellungen 2024 hat: die Firma Deutsche Wohnwerte (Heidelberg) mit ihrem Projekt „Am Fluss“ auf dem alten Ziegelei-Gelände. Sie hat in drei Quartieren 300 Wohnungen geschaffen, davon knapp 60 mit Fertigstellung Ende 2024 im letzten Block „Q 5“. Ein Dutzend davon sei noch zu haben, berichtet Projektleiter Steffen Rink. Der Absatz sei bislang in Ordnung; wenn bis September der Park zum Rhein hin fertig sei, werde er nochmals deutlich gestiegen sein, ist er überzeugt: „Dann sehen Interessenten, wie schön es hier ist.“ Das hat freilich seinen Preis, viele Wohnungen kosten mehr als eine halbe Million Euro und sind somit nicht für alle erschwinglich …