Speyer Wochenchronik:

Entsetzt, verärgert und sprachlos hat Axel Wilke, Abgeordneter der CDU im Landtag, den Telefonhörer aufgelegt, als das Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Dr. Sigrid Ultes-Kaiser, beendet war. Er hatte versucht, einen Termin für das ihm zugesagte Gespräch über die Causa in Speyer zu vereinbaren. Dabei sollte probiert werden, die Chancen für den Erhalt der Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) in Speyer im bisherigen Umfang auszuloten, Argumente pro und contra persönlich auszutauschen, Zahlen zu liefern, Patienten anzuhören, was die von der seit 1. April gültigen Teilverlagerung der BDZ nach Germersheim halten. Schnell war ihm klar, dass die resolute KV-Chefin keinen Bock mehr darauf hat. Das Thema ist für sie durch – Proteste, Resolutionen, Aufregungen hin oder her. Sie hat einen Auftrag aus ihren Gremien, das Konzept durchzusetzen, den erfüllt sie. Anderswo müssten die Patienten noch weiter fahren, sie spricht von „Luxusversorgung“ in Speyer, verwahrt sich gegen Druck, den niedergelassene Ärzte in Speyer ihrer Meinung nach auf das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus machen, den Kooperationsvertrag nicht zu unterzeichnen. Sie beschäftige sich seit Jahren intensiv mit diesen Fragen, die Widerstände gegen Veränderungen kenne sie von überall, die BDZ müssten wirtschaftlich arbeiten und so organisiert sein, dass rund um die Uhr flächendeckend eine Versorgung gewährleistet sei. Rheinland-Pfalz sei da Spitze. Außerdem sei eine klare Zeit-Regelung der Bereitschaftsdienste im Land Voraussetzung für eine Niederlassung junger Ärzte auf dem Land. Das alles hat die Fachärztin für Anästhesiologie mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie aus Ramstein-Miesenbach dem Juristen und Politiker aus Speyer „eindrucksvoll“ verklickert. Basta-Politik am Telefon. Verfolgt fühlt sich die Beigeordnete Stefanie Seiler spätestens seit Ostern – von Müllsäcken. Hier lässt sie welche wegräumen, tags darauf liegen neue dort. Sie habe schon den Eindruck, dass da Bürger ihren Müll „billig“ entsorgen – auf Kosten der Allgemeinheit. Dass es eine gegen sie persönlich gerichtete Kampagne ist, will sie nicht annehmen. Noch nicht, betonte die Genossin am Rande eines Gesprächs mit unserer Zeitung. „Ich habe angenommen, der Verkehr werde das große Thema für mich, aber der Müll hat den Verkehr überrollt“, sagte sie in einer Zwischenbilanz ihrer – kurzen – Amtszeit seit September. Sie wisse, dass der OB ihr den Auftrag gegeben habe, die Stadt sauberer zu machen. Dafür arbeite sie – durchaus mit Erfolg. Aber so etwas wie Müllsäcke über Ostern und in den Tagen danach sei quasi ein Super-Gau für sie. Sisyphus lässt grüßen. Angenehmere Zeiten erlebe sie mit ihrer Partei. Das Landtagsergebnis für den Kandidaten Walter Feiniler in der Stadt stimme sie hoffnungsfroh, dass sie das Parteibüro weiter halten können, sei wichtig, nicht zuletzt für kommende Wahlkämpfe. Ehemals aktive Genossen würden sich verstärkt wieder melden, um mitzumachen. Klar, dass die Parteichefin das freut. Nur noch 400 Mitglieder zählt der SPD-Stadtverband. 1200 waren es einmal, erinnert sie. Da ist nachvollziehbar, dass es auf jeden Genossen ankommt. Nicht nur beim Wegräumen von Müllsäcken an Dreck-weg-Tagen. Aber das ist jeder Tag für sie derzeit. Der Start in die Saison der Messen und Märkte liegt schon hinter uns. Die Schausteller haben dafür geklotzt, nicht gekleckert. Auf dem Platz, und in der Werbung auch nicht. Zum zweiten Mal hat der Schaustellerbund Speyer unter anderem eine halbseitige Anzeige in der Bild-Zeitung geschaltet zum Start der Frühjahrsmesse. „Man muss alles probieren“, rechtfertigte sich der neue Vorsitzende der Speyerer Messebeschicker, Andreas Barth. Rechtfertigen müsse er sich auch vor seinen Kollegen dafür, dass der Etat für Werbung in den vergangenen Jahren kräftig erhöht wurde. Von zuletzt 15.000 auf inzwischen 25.000 Euro. Da tut es natürlich weh, dass das Wetter – trotz des Aufwands – bisher nicht richtig mitspielt. „Es war bisher eine Frühjahrsmesse der Extreme“, bilanzierte Barth. Extrem gute Tage wie der Auftakt am Samstag vor Ostern wechselten mit extrem schlechten an Ostern selbst und in der Woche danach. Parallel zu Speyer war auch Saisonstart in Hamburg. Dort heißt der Rummel „Dom“, öffnet dreimal im Jahr für jeweils 30 Tage. Das Wetter dort war in derselben Zeit fantastisch – wie für Schausteller gemacht. Tagelang keine Wolke am Himmel. Dort liegt der jährliche Werbeetat bei einer Million Euro, weiß Barth von Kollegen und Verwandten im Norden. Das ändere aber nichts daran, dass in Speyer immer noch der „schönste und breitesten aufgestellte Frühjahrsmarkt in der Region“ stattgefunden hat. Nicht nur aus Sicht des Schausteller-Funktionärs. Wie viele Besucher die Groß-Anzeige im Boulevard-Blatt gebracht hat, ist nicht zu ermitteln. Die Frühjahrsmesse war nur der Auftakt der Out-door-Vergnügungen. Am kommenden Wochenende geht es schon weiter. Die Messe „Wein am Dom“ kommt. Da schlendert der Besucher mit dem Probierglas in der Hand durch die Innenstadt von Ausstellungshalle zu Ausstellungshalle. Und da ist es doch schön zu wissen, wie angesagt der Pfälzer Wein inzwischen ist. Neben dem Hamburger Dom ist auch Einkaufen in Hamburg nett und aufschlussreich. Das Alster-Haus – ein Edel-Einkaufstempel der Kaufhof-Kette direkt an der Binnenalster in der Freien und Hansestadt – verfügt noch über eine bestens ausgestattete Feinkost- und Gourmet-Abteilung. Die Weinregale sind dort gut gefüllt – mit Pfälzer Tropfen. Was hier am Rhein einen Namen hat, ist dort angesagt. Das Beste daran: Bis in den hohen Norden der Republik müssen wir glücklichen Pfälzer gar nicht fahren. Wir haben die besten Winzer und Weine vor der Haustür. 1500 Weinbaubetriebe produzieren in der Pfalz. Am kommenden Wochenende kommen 150 von ihnen sogar persönlich hierher in Stadt. Kein Wunder, dass sich anhand der Vorverkaufszahlen schon seit Tagen ein neuer Besucherrekord abzeichnet, wie die Veranstalter zwar nicht offen zugeben, aber natürlich erhoffen. Darauf sollte angestoßen werden. Mit einem Glas guten Weines. Aus der Pfalz natürlich. Mobil gemacht hat die Polizei Anfang der Woche auf der Maximilianstraße. Kontrolle der Fußgängerzone! Nicht erstaunlich war, dass sich der eine oder andere Auswärtige mit seinem Auto auf die Via triumphalis verirrt hatte. Vielmehr erstaunte immer wieder, wie viele Einheimische auf dem Pflaster auf- und abrollen. Sehen und gesehen werden. Jetzt wurden einige eben von der Polizei mal wieder gesehen. Da halfen selbst die Speyerer Ausreden nicht – „Ich müsst grad mal ...“; „Ich wollt doch nur ...“ Die Beamten kannten kein Pardon: „Du derfschd aber ned.“ Punkt, Aus, Schluss. Tatsache. Verzeihen dürfen sie auch in Zukunft nicht. Öfter kontrollieren schon. Die Maximilianstraße ist keine Autobahn. Dekan Markus Jäckle ist ein ganz Frühreifer. Das geht aus der Laudatio hervor, die Kirchenpräsident Christian Schad gestern auf seinen Mitarbeiter im Weinberg des Herrn gehalten hat. Anlass: Jäckle wurde gestern 50. Der gebürtige Schwabe hat damit das „Schwabenalter“ erreicht. Es ist definiert als Lebensabschnitt jenseits der 40, indem der Schwabe Reife und Verstand erlange, so Schad. Das bekannte Sprichwort heiße deshalb: „Mit 50 wird der Schwabe g’gscheit, der Andre nicht in Ewigkeit.“ Man kann die intellektuelle Frühreife aber auch schon viel einfacher an der Karriereleiter Jäckles erkennen. Er hat schon lange vor seinem 50. den Weg aus dem Schwabenland heraus gefunden, sogar nach Speyer gefunden. Das spricht nun wirklich für ihn, seine große Reife und seinen ausgeprägten Verstand. Ein schlaues Kerlchen, ein schwäbisches Cleverle eben. Der Polizei bleibt aber auch wirklich nicht viel erspart: Ein 67-Jähriger Mann hat am Dienstag den Diebstahl seines Fahrrades gemeldet, das er in der Maximilianstraße verschlossen abgestellt hatte. Streifenbeamten begleiteten ihn zum Tatort. Da stand das Rad, unversehrt – allerdings auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Der mutmaßlich Geschädigte konnte sich den Wechsel seines Rades auf die andere Straßenseite nicht erklären“, berichtet die Polizei. Noch schlimmer: Er wurde sogar leicht ungehalten, weil die Uniformierten es ihn auch nicht erklären konnten. Unerklärlich. Dass Sie sich immer alles erklären können an Ihrem hoffentlich in jeder Hinsicht tollen Wochenende, wünscht