Speyer Wochenchronik:

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Flüchtlinge auf der Maximilianstraße? Das muss doch eine Fata Morgana sein – kein Wunder bei der flirrenden Luft in dieser Sommerhitze! Es gebe Speyerer, die so denken, hat Oberbürgermeister Hansjörg Eger in dieser Woche bei der Vorstellung der neuen Flüchtlingsunterkunft im „Tor zur Pfalz“ gesagt. So sei ihm gegenüber erklärt worden, es sei gut, dass die künftigen Bewohner den Hintereingang nutzen werden, berichtete der Stadtchef. Dann seien sie nämlich auf der Prachtstraße nicht zu sehen. Eger erklärte schnell und glaubwürdig, dass er sich solche Positionen nicht zu Eigen mache und die Flüchtlinge ohne Einschränkungen „mittendrin“ leben sollten – in jeder Hinsicht. Das „Tor zur Pfalz“ hat Vor- und Nachteile als Flüchtlingsdomizil. Es liegt gut und ist in gutem Zustand, ist aber so zentral und so sehr in der öffentlichen Debatte, dass es ein ganz ungestörtes Wohnen in nächster Zeit kaum erlauben wird. Zumal die CDU diese Woche in den Clinch mit dem Land wegen der Kosten für das gescheiterte Hotel-Gastro-Konzept im „Tor“ gegangen ist. Bei der benachbarten Polizei hört man denn auch, sie wünsche vor allem keinen „Flüchtlings-Tourismus“ nach dem Motto: Asylbewerber als Sehenswürdigkeit. So oder so: Hoffentlich kehrt möglichst schnell möglich viel Ruhe ein. Vom „Tor zur Pfalz“ sollte noch für Jahrzehnte keine Rede sein, da gab es wenige Schritte entfernt schon das „Narrenstübchen“. Das „Tor“ ist kaum auf vier Jahre gekommen, das „Narrenstübchen“ hat diese Woche 60-Jähriges gefeiert. Kurzzeit- und Langzeit-Gastronomie sozusagen. Wirtin Inge Fleischmann hat das Jubiläum mit Stammgästen begangen, und es gab natürlich viele berechtigte Lobeshymnen auf die 78-Jährige und ihr Lokal. Alt-OB Werner Schineller stellte in seiner launigen Rede etwa die Frage, ob der mit vielen Erinnerungen ausgestatteten Stube nicht der Status eines Welt-Dokumenten-Erbes zuzuerkennen sei. Dann müsste Speyer nicht die Entscheidung der Unesco in Sachen Schum-Städte abwarten, sondern hätte schon sein zweites Welterbe neben dem Dom. Für die Bekanntheit von Weinstube und Wirtin steht der legendäre Beginn einer Rede, den an der Verwaltungshochschule einst Jutta Limbach, eine der prominentesten Frauen der Republik und acht Jahre lang Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, gewählt hatte: „Gibt’s die Fleischmanns Inge noch?“ Asylbewerber in der Hauptstraße, die Inge im Narrenstübchen – einiges ändert sich, einiges bleibt gleich. Und Speyer bleibt Speyer. Ist doch auch gut so. Genau hinschauen und genau hinhören ist unerlässlich. Gerade in diesem Sommer mit der flirrenden Luft und den surrenden Ventilatoren. Ob es den Polizeieinsatz am Dienstag in der Bahnhofstraße verhindert hätte, ist jedoch unklar. In einem abgeschlossenen Wohnmobil auf dem Parkplatz eines Lokals kläffte ein Hund. Unablässig. Und das bei dieser Hitze! Die Kommissare ermittelten und stellten fest, dass das Geräusch gar nicht von einem echten Tier kam, sondern von einer Attrappe, die sich immer wieder meldete, wenn man an einer bestimmten Stelle neben dem Gefährt stand. „Wohl um mögliche Einbrecher abzuhalten“, so die Beamten. Im nahen Burgfeld gab’s tags darauf aber einen ernsten Fall, wo ein Hund nach Stunden aus einem Glutofen-Auto gerettet werden musste. Hinschauen und hinhören ist wichtig. Wie gesagt. Nein, das war keine Attrappe. Und auch kein Hund. Dafür aber eine Rettung, die ein besonderes Lob verdient hat. Ein Autofahrer hat sie beobachtet: Mitten auf dem Bahnübergang Mühlturmstraße sei am Mittwochmorgen eine junge Frau gestanden. Erst spät habe er erkannt, dass diese einen kleinen Igel über die gefährlichen Gleise geleitete. Und als die Schranken geschlossen werden sollten, habe sie das stachelige Tier beherzt in die Hände genommen und ins nahe Gebüsch getragen. „Den Regionalzug hätte der Igel wahrscheinlich nicht überlebt“, so der Beobachter anerkennend. Igel und Personennahverkehr? Ja, doch: „Mist, jetzt haben wir den Zug verpasst“, soll doch der eine Zahnstocher zum anderen gesagt haben, als sie eines der stacheligen Säugetiere passieren sahen … Zum Abschluss noch ein bisschen Statistik. Einige Male klicken muss man, um in einer Liste der „Top-100-Sehenswürdigkeiten“ den Speyerer Dom zu finden. Die vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Internetseite www.germany.travel/de stellt die vor – und nennt die Kathedrale auf Rang 63. Ganz vorne liegen der Europa-Park (!) und Schloss Neuschwanstein, auf gleicher Ebene wie das Speyerer Romanik-Wunder bewegen sich Dinkelsbühl, der Berliner Dom und die Altstadt von Düsseldorf. Knapp dahinter folgt das Münchener Hofbräuhaus, gerade noch in die 100er-Liste geschafft haben es die Dome von Erfurt und Augsburg. Gewählt haben Deutschland-Reisende aus 40 Ländern. Na ja. Auch bei Statistiken muss man eben genau hinsehen. Bei der hier kann irgendetwas nicht stimmen: Das „Narrenstübchen“ taucht in der Liste nämlich gar nicht auf …

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