Speyer Wochenchronik:

Kommt er oder kommt er nicht? Das ist hier die Frage. Es geht um den S-Bahn-Haltepunkt Süd. Die Debatte nimmt richtig Fahrt auf. Befürworter und Gegner sind frontal auf Konfrontationskurs. Eine Einigung scheint nicht in Sicht, wie der gut besuchte Visualisierungstermin am Mittwoch gezeigt hat. Durchaus eindrucksvoll die Idee der Gegner mit den hoch über den Köpfen schwebenden Männlein und einer dicken Unterschriftenliste. Die Befürworter argumentieren mit der Zukunft, wonach der Zug zu mehr ÖPNV ohnehin nicht aufzuhalten ist. Plötzlich ist sogar das Geld für das Projekt da, versichert der OB. Der Wettbewerb ist voll entbrannt. Beide Seiten halten Kurs. Das Thema spaltet die Bürgerschaft, es wird zur Nagelprobe für die große Koalition im Rat. Ob die Mehrheit hinter dem Grundsatzbeschluss pro Haltepunkt steht, erscheint nicht mehr sicher. Am Ziel ist dieser Zug noch lange nicht. Er ist ja noch nicht einmal aufs Gleis gesetzt. Den bevorstehenden Landtagswahlkampf dürfte er auf jeden Fall beflügeln. Nicht ausgeschlossen, dass er nicht einmal vor dem nächsten OB-Wahlkampf schon einläuft. Dass Züge Verspätung haben, ist nichts Neues. Alles zum Wohl des Kunden? Das ist jedenfalls das erklärte Ziel des „Vinzenz“, wenn es eine neue Endoprothetik-Abteilung für Knie- und Hüftgelenk eröffnet und entsprechend personell ausstattet. Der unbeteiligte Beobachter hofft, dass er das neue Angebot nicht braucht und wundert sich. Gibt es das Modell – die Kombi aus ambulant und stationär in genau diesem Bereich – nicht schon in in der zweiten Klinik in Speyer? Sind es inzwischen nicht noch mehr solcher Fälle? Ausnahme: frau will ein Kind zur Welt bringen. So schön und wichtig die Wahlmöglichkeit für Patienten ist: Angesichts stetig steigender Gesundheitskosten muss doch auch mal die Frage erlaubt sein, ob nicht Konzentration der Kräfte und Aufteilung der Kompetenzen und Zuständigkeiten zweckmäßiger wäre als ein Wettrüsten mit dem Skalpell nach dem Motto „Was Du kannst, kann ich schon lange und natürlich besser.“ Nur mal so eine Überlegung, die einem bei einer solchen Mitteilung durch den Kopf geht. Praktische Erfahrung ist oft überzeugend. In Sachen E-Mobilität hat das Uwe Geske, das Speyerer Vorstandsmitglied der Sparkasse Vorderpfalz, mal wieder aus eigenem Erleben erfahren. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht im (Dienst-)Wagen, sondern auf dem privaten Fahrrad. Wie er in dieser Woche am Rande des IHK-Stammtisches E-Mobilität im Autohaus Neubeck verriet, ist der Chefbänker seit einem halben Jahr stolzer Besitzer eines E-Bikes. Und er genießt gnadenlos die Vorzüge der Technik. „Seitdem bin ich endlich mal wieder vor meiner Frau da, und vor allem den Berg hoch bin ich immer schneller“, schwärmte er von der neu gewonnenen Bewegungsfreiheit. „Eines ist klar“, betonte er in seinem Schlusswort der Veranstaltung, die einen Überblick über den E-Auto-Sachstand unter anderem mit weiteren Erfahrungsberichten lieferte. „Die Diskussion um E-Mobilität ist mit dem heutigen Abend noch nicht beendet.“ Nein, auch im Hause Geske mit Sicherheit nicht. Voller „German Mut“ stecken die Protagonisten der FDP in Stadt und Land. Das wurde jüngst beim traditionellen liberalen Spargelessen in Dudenhofen und mit der Neuwahl des Vorstands des FDP-Stadverbandes in lange nicht erlebter Harmonie deutlich in die Öffentlichkeit kommuniziert. Die Spitzenleute Volker Wissing (Land) und Christian Linder (Bund) sind so mutig, nicht nur vom Einzug ins Landesparlament im Frühjahr 2016 zu träumen, sondern sogar von einem Politikwechsel im Land, also einer Regierungsbeteiligung. Träume kann, Ziele muss ein Politiker sogar haben. Beide sehen Chancen für ihre Partei im anstehenden Rennen. Ein Traum der beiden liberalen Frontmänner ist allerdings am „Spargelsonntag“ schnell geplatzt, wie Jürgen Creutzmann, der lange letzte wackere liberale Kämpfer auf EU-Parlaments-Ebene und Gastgeber des Spargelessens, in dieser Woche verriet. Wissing und Lindner hatten nämlich geträumt, nach dem Essen den Flieger nach Berlin zu erreichen. Es wurde zum Albtraum. Sie schafften es natürlich nicht. Aber wer weiß?. Wenn ausreichend viele Wähler auch der German Mut packt, landet im nächsten Jahr vielleicht schon ein liberaler Landesminister mit dem Regierungshubschrauber nahe am Spargelteller. Der Abzug der Bundeswehr verändert viele Verhältnisse in und um Speyer. Nicht nur die Immobilien stehen zunächst leer, auch die Auftragsbücher des zuliefernden Gewerbes werden nicht mehr wie bis dato gefüllt sein. Immerhin gibt das Unternehmen Bundeswehr vom Standort Kurpfalzkaserne aus jährlich im Schnitt rund 500.000 Euro für Instandsetzung von Kraftfahrzeugen bei Firmen der Region aus, kauft jedes Jahr für mindestens etwa 50.000 Euro Werkzeuge, Büromaterialien und anderes im örtlichen Handel. Außerdem lieferte eine Großbäckerei mit Sitz in Ludwigshafen zuletzt täglich noch 400 Brötchen hinter das Kasernentor. Der Ausmarsch der Soldaten in der kommenden Woche zwingt die Politik in einen neuen Wettbewerb: Sie muss möglichst rasch und klug dafür sorgen, dass auf dem Gelände im Norden der Stadt blühende Landschaften entstehen, auf denen Autos fahren, gearbeitet und konsumiert wird, dass täglich mindestens 400 Brötchen gebraucht werden. Möglichst mehr. Hartmut Jossé ist ein überzeugter Vermarkter der reizvollen Speyerer Möglichkeiten, den für viele immer noch schönsten Tag des Lebens stilvoll zu begehen. Oft kann er sich Werbung sparen, weil Brautpaare dem Standesamtschef ohnehin die Bude einrennen. Im Fall des frisch vermählten Paares Toni Kroos und Jennifer Faber war das erstaunlicherweise nicht so. Obwohl die junge Frau und ehemalige Speyerer Bürgerin die vielfältigen Möglichkeiten der Domstadt ganz bestimmt gekannt haben dürfte, hat sie ihrem Mann außerhalb das Ja-Wort gegeben. So etwas fuchst Jossé und stachelt ihn gleichzeitig an. Er hofft jetzt darauf, dass das junge Paar im Zuge seiner Hochzeitsreise oder auf dem Weg zur Arbeit von Greifswald – dort ist der Ehemann geboren – an seine Arbeitsstelle Madrid, doch noch nach Speyer kommt, wo die Ehefrau immerhin einmal wohnte. Anlässe dazu gäbe es genügend. Das Brezelfest beginnt in Kürze, der Bauernmarkt ist schön und bis zum Weihnachtsmarkt ist es auch nicht mehr allzu lange hin. „Das Goldene Buch der Stadt liegt beim OB jedenfalls bereit zum Weltmeister-Eintrag“, verrät Jossé. Und Gelegenheit für eine Trainingseinheit bestünde auch: Bantz-Stadion statt Estadio Bernabeu. Die Stadt ist bereit, das passende Erlebnis-Paket zu schnüren.