Speyer Wochenchronik:

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Neue Runde im Streikland Deutschland und damit in der Streikstadt Speyer. Seit Montag stehen die Züge still, seit gestern sind Kitas geschlossen. Das hat Folgen. Es senkt die Laune bei unangenehm Betroffenen. Nur die Stadt hatte etwas Spaß. Die Arbeiten der Schneckennudelbrücke – wegen des Zugverkehrs nur nachts geplant – konnten ohne Rücksicht auf Zugverkehr starten. Es fuhren fast gar keine. Das hat eine Speyererin schon am Montagabend schmerzlich erfahren. Sie lief zum Bahnhof, in einem Akt zivilen Ungehorsams am sperrenden Schild „Bauarbeiten“ vorbei über die Fußgängerbrücke, setzte sich auf den Bahnsteig, um auf den Zug nach Berghausen zu warten und zu warten und zu warten. Es kamen keine Passagiere, es kam kein Zug. Bis ihr einfiel, was los ist. Fast zu spät für den Termin in der Nachbargemeinde. Eine Bekannte musste sie retten. Mit dem Auto natürlich. Auch eine Streikfolge – negativ für die Umwelt. Am Dienstag wollen die Erzieher in Speyer aufmarschieren. Hoffentlich wird das wenigstens positiv für den Handel. Die Streikenden werden nicht nur protestieren, sondern auch konsumieren. Nur Eltern ohne Betreuung für die Kinder haben da immer noch nichts zu lachen. Vertrackte Situation. Dass sich die Stadt am Dienstagabend koordiniert auf den Weg in die Fahrradstadt machen würde, hat Luzian Czerny schon bezweifelt, als er die Einladung zur ersten Sitzung der Arbeitsgruppe (AG) Radverkehr aus seinem Briefkasten fischte. Immerhin nach über einem Jahr Warten darauf zufällig gerade noch rechtzeitig vor dem großen Fahrrad-Werbe-Tag der Stadt. Seine geringen Erwartungen wurden noch übertroffen. Herausgekommen ist noch weniger als nichts. Denn der Grünen-Fahrrad-Papst erlebte nach eigenen Schilderungen in der Sitzung nur unstrukturiertes Gerede, den Austausch von Unverbindlichkeiten und dazu wieder ein Déja-vu. CDU-Vertreter legten einen Antrag zur gegenläufigen Nutzung von Einbahnstraßen vor, wie ihn Czernys Partei schon – erfolglos – im Stadtrat hatte. Nichts Neues, nichts Ernstes, nichts Konstruktives also auf dem Weg zum großen Ziel. Nicht mal ein Termin für das nächste Treffen der AG wurde am Ende vereinbart. Der Auftakt wurde vergeigt. Es kommt keine Luft in den Schlauch. Gelungener Start, obwohl es offiziell gar keiner war: Der Neubeginn auf dem Postplatz am Weinproben-Wochenende der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ mit Marktstand und Weinstand zur Freude der Besucher. Das ist mal eine richtig gute Idee. Ausbaufähig. Eben mit Herz. Die passende Ergänzung zum Angebot in der Postgalerie, in der es kein frisches Obst und Gemüse gibt. Und wie urteilt die Stadt? „Die Erfahrungen dieses Wochenendes müssen jetzt ausgewertet werden und sollen in die Diskussion um die weitere Nutzung und Gestaltung des Postplatzes einfließen“, heißt es in spaßbremsendem, bedenkenträgerhaften Behördendeutsch. Schöner wäre gewesen zu hören: War toll, daraus kann was werden, war gelungen, gute Idee, neues Leben in und um die einst teuerste Brezelbude der Republik. Machen wir’s einfach weiter. Nicht nur die Kunden am ersten Test-Wochenende hätten sicher nichts dagegen. Einen Fehlstart in den 1. Mai wie aus dem Bilderbuch hat eine Gruppe feierlauniger junger Leute – darunter etliche Speyerer – in der Hexennacht in einer Kleingartenanlage in Mannheim hingelegt. Gartenparty mit allem Schnick und Schnack war am Vorabend des Tages der Arbeit angesagt. Doch April, April. Schon das Wetter machte, was es will. Und die Gruppe zunächst dennoch das Beste daraus. Dann kamen einige zu spät und das Wetter wollte partout nicht mehr mitfeiern. Als es endgültig schüttete wie aus Kübeln, weder von Veilchenduft in der Luft oder vom Flieder, der wieder blüht was zu spüren war, und die Gesellschaft ins Trockene flüchten wollte, war Ende Gelände. Die Maifeierer kamen nicht mehr raus. Die Anlage war abgeschlossen. Die Partypeople saßen in ihrer Parzelle hinter dem Zaun wie die Tiere im Zoo. Nur dass keine Besucher draußen standen. Was blieb, war der Weg über den Zaun. Ein Glück, dass sie keiner gesehen hat. Hoffentlich. Und dass der „Käfig“ oben offen war. Da wurden am Donnerstag im Stadtrat selbst harte Männer ganz weich und Frauen tief gerührt. Stanley war da. Der jüngste Sohn der Grünen- Stadträtin Anne Spiegel. 14 Wochen alt, schon mit Benimm und eigenem Kopf. Zwischenrufe machte er selten, und wenn, dann immer mit einem guten Argument: Hunger. Mit seinem bloßen Erscheinen hat er eine stabile All-Parteien-Koalition der Verzückung geschmiedet. „Er ist schon sitzungserfahren“, bestätigte die Mama. „Nach zwei Stunden reicht es ihm aber“, erläuterte sie draußen. Stanley war es jetzt echt zuviel geworden. Er quengelte das deutlich in die Runde. Jetzt sind die Argumente ausgetauscht, die Luft wird schlecht im Saal, weiß auch die Landtagsabgeordnete. Und drinnen hauchte eine langgediente Parlamentarierin verzückt. „Es ist das erste Mal, dass im Stadtrat ein Baby gestillt wurde.“

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