Speyer Wochenchronik:

Es ist eine alte Weisheit: Ohne Geld geht ganz wenig. Mit einer gewissen Finanzausstattung manches dagegen zumindest ein bisschen leichter. Nach einem Blick in ihre Kasse haben die katholischen Kirchenchefs gemerkt, dass für das Gotteshaus St. Ludwig gar nichts mehr geht. Der Ofen aus, weil der Beutel leer ist. Sagen sie. Stattdessen soll verkauft werden. Mindestens 1000 ihrer Schäfchen sehen das dezidiert anders und haben dafür unterschrieben. Sie haben konkrete Vorschläge gemacht, um dem Sakralbau dieses Schicksal zu ersparen und das Stückchen unwiederbringliches Paradies zu erhalten. Denn sie sorgen sich um den drohenden Verlust eines Stücks kultureller Vielfalt, eines Teils großer Stadt- und Kirchengeschichte. Der Boßweiler Altar, der Teppich als letztes Stück des früheren Klosters, der Raum an sich. Sie sind auch willens, zu helfen bei der Betreuung, Pflege des Gärtchens, bei Besetzung der Öffnungszeiten. Und sie haben ein Beispiel, das ihnen Mut macht: die Villa Ecarius. „Wir müssen es probieren.“ Und die interessierten Bürger müssen mitdiskutieren. Am 12. Februar gibt es Neues bei der Aussprache im Ägidienhaus. So oder so – einfach aufgeben wollen die Unterzeichner nicht. Die Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Fabienne Mittmann, hat sich nach dem Auftrag aus dem Verkehrsausschuss im Oktober auftragsgemäß hingesetzt und sich ein „Gesamtkonzept zur Förderung des Fahrradverkehrs in Speyer“ überlegt. Natürlich stehen ganz ganz wichtige Sachen drin. Die Gründung einer Arbeitsgruppe für Radverkehrsfragen zum Beispiel. Aber ihr sind auch richtig gute Sachen eingefallen. Das Jobrad oder Dienstfahrrad für die Verwaltung auf Leasingbasis. „Ein Großteil der Dienstgänge der städtischen Verwaltungsmitarbeiter findet innerstädtisch statt und das jeweils nur über wenige Kilometer“, argumentiert sie. Das Nutzen von Fahrrädern könne langfristig nicht nur die Autos ersetzen, „sondern auch das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter fördern“, steht da. Dienstliches Wohlbefinden in der Wohlfühlstadt! Großartig. Dienstgänge würden zum Dienstradeln. „Jo, mir san mim Radel do“ hieße die neue Hymne der Städtischen. Diese laut vor sich hin pfeifend oder singend radeln sie durch das klimapolitisch voll korrekte Paradies. Keine Sorge: Für die eingesetzte Arbeitsgruppe bliebe immer noch was zu tun. Eine Satzung entwerfen über die richtige Benutzung der Luftpumpe, den passenden Reifendruck oder das korrekte Anbringen eines Fahrradkorbes zum Beispiel. „Jetzt trink ma noch a Flascherl Wein.“ Dem uralten Stimmungskracher aus Wien kann im Frühjahr 2015 in der alten Weinhandelsstadt Speyer wieder ein großes Comeback gelingen. Denn auf Freunde des guten Tropfens wartet in den nächsten Wochen das Paradies in der Hauptstadt der Pfalz. Es gibt nämlich etliche Möglichkeiten, die Liedzeile in die Tat umzusetzen. Es stehen folgende Termine im Kalender: Abschluss des ersten Wettbewerbs um den Domwein und Präsentation desselben am 9. April, Weißwein-Hopping durch sechs Lokalitäten am 17. April, die Messe „Wein am Dom“ am 18./19. April, die Weinprobe der LG „Das Herz Speyers“ am 2/3. Mai auf der Hauptstraße. So viel organisiertes öffentliches Weintrinken war selten in so kurzer Zeit. Akute Gefahr, sich eine rote Nase zu holen. Dass das größte Weinfass der Welt aus Bad Dürkheim neben den Dom umgesetzt werden soll, ist nur ein billiger Fasnachtskalauer. Speyer muss der Kurstadt nix wegnehmen. Jeder Umbau hat seine Tücken. Das weiß jeder Häuslebesitzer. Jetzt hat es auch der Inhaber eines großen Schuhhauses in der Innenstadt wieder neu erfahren müssen. Nicht nur die Türen und Scheiben sind raus aus dem Geschäftshaus, auch alle Schuhe und plötzlich auch noch die (alte und nicht mehr die Anforderungen erfüllende) Brandschutzdecke in der ersten Etage. Dem Brandschutzsachverständigen der Stadt sei Dank für diese rechtzeitige Erkenntnis. Überraschung gelungen. Raus aus dem Spiel ist auch der Architekt aus Düsseldorf. Es hat wohl nicht mehr richtig harmoniert zwischen Auftraggeber und „Raumkünstler“. Ganz neu reingekommen ist dafür ein Wachmann. Tag und Nacht beobachtet er die leere Hülle mit nackten Säulen und Wänden, Eine Folie verdeckt sie inzwischen vor neugierigen Blicken von außen. Sein Auftrag: Aufpassen, dass kein ungebetener Besuch kommt. Die Schließ- und Überwachungsanlage kann keine Türen mehr schließen und überwachen, wo gar keine Türen mehr vorhanden sind. Da könnte nämlich plötzlich die ganz falsche Kundengruppe „paradiesische Zustände“ wittern. Lebt denn der alte Holzmichl noch? Ja, er lebt noch. Das wissen wir, seit die „Randfichten“ aus Thüringen das 2004 der Welt ins Ohr geblasen haben. Aber lebt denn die alte FDP noch? Tatsächlich, sie lebt auch noch und sendet Lebenszeichen. Sie ist sogar ihrer Zeit schon wieder voraus: Andere geben noch Neujahrsempfänge, da rufen die Liberalen für den 27. Februar schon den 1. Speyerer FDP-Frühling aus. Dort soll wohl – symbolisch gesprochen – das Tor zurück ins Paradies der politischen Bedeutung – aufgestoßen werden. Auf Genscher-Pulli-gelbem Papier flatterte die Einladung auf den Schreibtisch. Damit hinken die Liberalen jedoch leider schon wieder ihrer Zeit hinterher. Gelb war einmal. Magenta ist bei der Partei jetzt angesagt. Die Speyerer Liberalen brauchen aber wohl noch schnell ihre letzten Briefbögen auf. Das war die bisher größte Herausforderung für Walter Feiniler in seinem noch jungen Leben als Landtagsabgeordneter. Der Rote musste gestern Abend in die Katakomben des Musems hinabsteigen, um sich die „Schwarze“ Messe des Humors lesen zu lassen. „Angst habe ich keine“, bekannte er im Vorfeld mutig. Er erinnerte daran, dass die SKG-Herrensitzung nicht immer so Genossen-frei über die Bühne gegangen sei wie in den vergangenen Jahren üblich. Aber das Paradies sah für einen SPD-Mann dennoch bisher anders aus. Politisch motiviert sei die rote Abstinenz übrigens nie gewesen, versuchte Feiniler glauben zu machen. Das Niveau in der Sitzung – teilweise weit unter der Gürtellinie – habe seine politischen Freunde bisher absehen lassen von einem Besuch. Zuletzt unter dem Präsidenten (und nicht nur Senioren-Unions-Mann) Daoud Hattab sei das besser geworden – habe er gehört. Deswegen – und nur deswegen – wolle er es jetzt natürlich wagen. Was eine große Koalition doch alles zustande bringt. Er habe auch überhaupt kein Problem damit, in das Pflichtkostüm für den „herr-lichen“ Abend zu schlüpfen: schwarzer Anzug. Ahoi! Uiuiuiuiui, auauauauauaua.