Speyer „Wir wollen immer etwas anders machen“
Persönlich und nachdenklich: Das Kölner Duo Stereo Naked legt nach eigenen Angaben viel Wert auf Texte, amerikanischer Folk und Bluegrass begleiten den Gesang. Am Sonntag, 26. August, 11 Uhr, geben die Musiker Julia Zech und Pierce Black bei freiem Eintritt das letzte Speyerer Picknick-Konzert dieses Sommers am Platz der Französischen Garnison (Hans-Stempel-Straße). Unsere Mitarbeiterin Antonia Kurz hat mit beiden vorab gesprochen.
Der Bandname spielt auf unsere Besetzung an, ich spiele Kontrabass, Julia Banjo. Das ist eine minimalistische Besetzung. Julia Zech: Genau das bietet viel Platz, um unsere Texte dem Publikum vorzustellen. Wir können auch mehr Sachen ausprobieren und kreativer mit den Instrumenten umgehen. Stimmt es, dass Sie manchmal auch als Trio spielen? Zech: Wir werden von einem Geiger aus Frankreich begleitet, der auf sehr amerikanische Weise spielt. Wir haben uns in der Bluegrass-Szene kennengelernt. Viele Nachwuchsmusiker spielen Rock oder Pop. Wieso sind Sie eine Ausnahme? Black: Unsere Musik ist tatsächlich auch vom Pop beeinflusst. Aber ein Banjo klingt immer folkig. Wer unsere Musik hört, merkt, dass wir viel ausprobieren wollen. Zech: Wir wollen immer etwas anders machen. Also keine Standard-Rock-Band, keine Standard-Pop-Band und auch keine Standard-Bluegrass-Band. Bei Folk und Bluegrass würde man beispielsweise eher eine Gitarre statt eines Banjos erwarten. Frau Zech, Sie sind Deutsche, und Sie, Herr Black, sind Neuseeländer. Woher kommt denn die Leidenschaft für amerikanische Musik? Zech: Meine Begeisterung wurde nicht in erster Linie durch die Musik geweckt, sondern durch die Menschen, die sie spielen. In Köln, wo ich studiert habe, gibt es viele junge Musiker in der Bluegrass-Szene. Black: Mir gefällt vor allem, dass die Musik sehr offen ist und Anfänger und Fortgeschrittene schnell zusammen spielen können. Was genau ist Bluegrass? Zech: Bluegrass wurde in den 1950er Jahren von einem Violinenspieler namens Bill Monroe aus Oldtime Musik entwickelt. Bluegrass wurde vor allem viel in Südstaaten gespielt und zeigt Einflüsse von weißer und schwarzer Musik. Das Banjo beispielsweise wurde von Sklaven nach Amerika gebracht. Die Fiddle – eine Violine – zeigt den irischen Einfluss. Und Folk? Zech: Unter Folk verstehe ich die jeweilige traditionelle Musik eines Landes, die mündlich überliefert wurde. In Speyer wollen Sie Songs Ihres Debütalbums „Roadkill Highway“ spielen. Gibt es einen Song, den Sie besonders mögen? Black: „Polished“ , übersetzt: poliert, ist mein Lieblingslied. Es erzählt von einer Beziehung und der Unsicherheit, ob man sie noch retten kann. Und, konnten Sie? Black: In meinem Fall nicht, aber es geht sicherlich. Der Song erzählt von dem gemeinsamen Entschluss, es noch ein letztes Mal zu versuchen. „Let’s hold hands like we used to“ ist eine Zeile. Zech: Wir freuen uns wirklich auf das Picknick-Konzert und werden wohl alle Stücke unseres Albums spielen. Ein Song, den ich besonders mag, ist „Yodel My Name“. Ich habe während des Studiums zwei Jahre in Paris gelebt und wurde oft gefragt, ob man als Deutsche auch jodeln kann. Sind Sie hauptberuflich Musiker? Zech: Stereo Naked ist unser Hauptprojekt, mit dem wir auch im Ausland auf Tournee gehen. Aber wir spielen auch in anderen Bands und unterrichten auch. Black: Ich spiele auch im Orchester. Aber wie Julia schon sagte, sind wir vor allem mit Stereo Naked unterwegs. Es läuft auch richtig gut, und wir haben viele CDs verkauft.