Speyer „Wir sitzen am längeren Hebel“
Mit Warnstreik, Demonstration und Kundgebung haben Speyerer, Schifferstadter und Ludwigshafener Beschäftigte gestern auf die ergebnislose dritte Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie reagiert (wir berichteten). Nach Angaben der IG Metall waren rund 1500 Arbeitnehmer auf dem Geschirrplätzel versammelt. Sollte der für heute angesetzte Einigungsversuch zwischen Arbeitnehmern und Gewerkschaft erneut scheitern, kündigte IG-Metall-Geschäftsführer Günter Hoetzl die nächste Veranstaltung am 15. Februar in Frankenthal an.
„Wir werden uns durchsetzen“, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger den Versammelten. Unterstützt wurden sie vom DGB-Stadtverband. Mit sechs Fingern, Brezeln in Form der Ziffer sechs und Transparenten wiesen die Beschäftigten auf ihre Forderungen hin: Sechs Prozent mehr Lohn, Arbeitszeit-Reduzierung bis zu 28 Wochenstunden und einen freien Vorbereitungstag vor Prüfungen für Auszubildende. Dazu liege bisher kein fairer Vorschlag auf dem Verhandlungstisch. Köhlinger nannte die aktuellen Angebote für die Gewerkschaft „inakzeptabel“. „Betriebe sind keine Sozialämter“, sei eine Antwort der Arbeitgeber auf die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen gewesen. „Das ist empörend“, betonte Köhlinger. „Wir gehen nicht nach Hause, bevor alles erfüllt ist.“ Sollte es weiterhin keine Bewegung der Arbeitgeber geben, seien 24-Stunden-Warnstreiks, Urabstimmung und Arbeitskampf nicht ausgeschlossen. „Spielt nicht mit dem Feuer“, empfahl der Sprecher den Arbeitgebern ein Einlenken. „Wir sitzen am längeren Hebel.“ PFW-Vertrauensmann Markus Rummel kündigte Streiks an, „die wirtschaftlich weh tun“. Im Speyerer Messtechnik-Unternehmen Bopp + Reuther stehe die Produktion still, verwies Betriebsratschef Peter Bischer auf die vollzählige Belegschaft auf dem Platz. „Für uns ist gut zu wissen: Wir sind nicht alleine“, sagte er. Die Bus-Kapazitäten hätten für die zum Warnstreik bereiten Kollegen nicht ausgereicht, berichtete Andreas Rennig, Betriebsrat der Ludwigshafener Vögele AG. Bei „Mann+Hummel“ stehe die Produktion nicht, räumte Betriebsrat Gerhard Weis ein. Nicht alle Kollegen hätten sich am Warnstreik beteiligt. Für ihn seien die bisherigen Angebote der Arbeitgeber „ein Witz“, empörte sich Weis.