Speyer „Wir müssen nicht alle gleich sein“
Das sind Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Nachbarn. Manchmal kommen auch Mitarbeiter verschiedener Institutionen und Vereine. Was ist Ihr Hauptanliegen in der Arbeit mit den Flüchtlingen? Ganz wichtig für mich ist, neu angekommenen Menschen beizubringen, was zu tun ist, um lösungsorientiert zu arbeiten. Ich möchte ihnen nicht die Arbeit abnehmen, sondern sie pädagogisch begleiten. Mein Hauptziel ist, dass die Menschen eine Teilhabe spüren und partizipieren. Sie sagten einmal, es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. Gilt das nach wie vor? Ja, das tut es. Wir haben Herausforderungen, weil verschiedene Kulturen zusammenkommen. Missverständnisse sind da natürlich, aber Lösungen sind immer da. Wie können die aussehen? Wir ermöglichen Begegnungen, bei Festen oder in Vereinen. Die Ganztagsschule ist ein ganz großer Vorteil, weil die Kinder sich dort kennenlernen und dadurch der Austausch unter den Erwachsenen automatisch folgt. Die Begegnung ist der einzige positive Weg zur Integration. Wie gut gelingt die in der Verbandsgemeinde? Ich persönlich sehe hier keine Probleme. Meine Aufgabe ist es in dem Zusammenhang zu vermitteln, dass anders nicht gleichzeitig schlecht bedeutet. Hier kann ich durch meine eigene Herkunft Vorbild sein und aufzeigen, wir müssen nicht alle gleich sein, aber wir müssen den anderen verstehen. Es gibt viele Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge in der Gemeinde, die gut mitmachen. Im Umkehrschluss sind gerade ältere Menschen sehr froh, wenn sie jemanden haben, der ihnen bei täglichen Arbeiten hilft. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Aber wenn jemand den Weg nicht mitgehen will, gibt es Konsequenzen. Welcher Art? Wenn jemand beispielsweise nicht zum Sprachkurs geht, wird das Geld gekürzt. Aber das ist nicht die Regel. Von 270 Personen, die ich betreue, hat es vielleicht in drei Fällen mehrere Krisengespräche gegeben. Sie haben ihr Büro in Dudenhofen. Wie oft sind Sie aber draußen unterwegs? Sehr oft. Ich bin häufig bei Institutionen, in Kindertagesstätten, bei Verwaltungen, der Ausländerbehörde oder bei der Polizei – das heißt nicht, dass jemand böse war, sondern es wird viel Präventionsarbeit gemacht. Beispielsweise werden die Menschen auf Großveranstaltungen wie Straßenfasnacht vorbereitet. Wie sehr werden Sie unterstützt? Ich habe ein sehr gutes Team im Sozialamt, in dem die Arbeit stets reflektiert wird. Außerdem haben wir vorbildlich arbeitende Arbeitskreise Asyl, in denen sich die Ehrenamtlichen mit Tatkraft und Herz einbringen und uns dadurch viel Arbeit abnehmen. Wie schwierig ist es, Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen? Grundsätzlich hat jeder Flüchtling nach drei Monaten die Möglichkeit, eine Genehmigung zum Arbeiten zu bekommen. In 99 Prozent der Fälle klappt das auch. Hier stehe ich zur Seite und kläre die Menschen beispielsweise auf, was eine Bewerbung ist. Wir konnten Personen in Kfz-Werkstätten in Dudenhofen und Hanhofen unterbringen, im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer, in einem Getränkemarkt, in den Bauhöfen der Gemeinden, in Kitas und Schulen. Sie sind sehr positiv gestimmt. Welche Wünsche haben Sie noch im Zuge Ihrer Arbeit? Die gelten allgemein für Deutschland: Ich wünsche mir, dass die Medien mehr über die schönen Dinge in der Flüchtlingsarbeit berichten, über Erfolgsgeschichten. Aufgezeigt werden meistens nur Negativbeispiele. Sprechstunden Nizar Trabelsi, montags, Rathaus Römerberg, 13 bis 15 Uhr und donnerstags, Rathaus Dudenhofen, 9 bis 11 Uhr.