Speyer „Wir müssen einen Zacken zulegen“

Müssen wegen des steigenden Meeresspiegels umgesiedelt werden: Menschen und ihre Häuser im Dorf Narikoso auf der Fidschi-Insel O
Müssen wegen des steigenden Meeresspiegels umgesiedelt werden: Menschen und ihre Häuser im Dorf Narikoso auf der Fidschi-Insel Ono. Deutschland unterstützt die Umsiedlung mit Entwicklungshilfe.

«Römerberg/Dudenhofen.»Bei einer dauerhaften Erderwärmung um 1,5 Grad warnen Klimaexperten davor, dass Inselstaaten im Meer versinken; bei zwei Grad zusätzlich, so die Experten, schmelzen Gletscher in Grönland ab, und der Golfstrom versiegt. Die Fidschi-Inseln im Pazifik sind vom Klimawandel besonders betroffen. Der vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Inselstaat hat Kuschnik mit seiner Präsentation auf der Klimakonferenz besonders beeindruckt. Fidschi sei so winzig und auch die Möglichkeiten, die die Bewohner haben, seien begrenzt und trotzdem machen sie etwas, sagt die 30-Jährige. Sie bezieht sich damit nicht auf ein konkretes Projekt für den Klimaschutz, sondern auf die Standhaftigkeit der Inselbewohner, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Um die Folgen des Klimawandels zu erleben, muss man jedoch nicht um die ganze Welt reisen. In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen sei zum Beispiel der Hochwasserschutz ein wichtiges Thema, weil Starkregenereignisse häufiger auftreten, sagt die Klimaschutzbeauftragte. Generell sei das Wetter nicht mehr so abschätzbar wie früher, Landwirte klagen jetzt schon über zu warme Sommer, erzählt Kuschnik. Die 30-Jährige war einen Tag auf der Weltklimakonferenz, die vom 6. bis 17. November in Bonn stattgefunden hat. Nach der Kontrolle am Eingang des Messegeländes schaute sie sich die Stände der Länder in einer riesigen Messehalle an und besuchte einen Vortrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit dem Titel „School for Earth“ – wie Schulen zum Klimaschutz beitragen können – einem Thema, dem sich Kuschnik als Klimaschutzbeauftragte auch in der Verbandsgemeinde widmet. Mitdiskutiert hat sie bei einer Veranstaltung, bei der es darum ging, was Akteure auf kommunaler Ebene bereits für den Kampf gegen den Klimawandel tun. Bei der Diskussion waren unter anderem auch Ulrike Höfken und Priska Hinz (beide Grüne) dabei, die Umweltministerinnen aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Kuschnik ist zufrieden mit der Unterstützung, die sie vom Land und vom Bund für ihre Arbeit als Klimaschutzbeauftragte bei der Verbandsgemeinde bekommt. Eine Schülervertreterin und ein Jugendvertreter des Naturschutzbunds aus Hessen hätten bei der Diskussion vorgeschlagen, dass das Thema Klimaschutz in die Lehrpläne aufgenommen werden sollte, dass es nicht mehr nur nebenher laufe, sondern präsenter sei, erzählt Kuschnik. Sie selbst stellt für die Schulen und Kindertagesstätten in der Verbandsgemeinde Boxen mit Bildungsmaterialien der Ministerien zur Verfügung. Mit diesen Boxen, die sich einem Thema widmen, entwickeln Schüler oder Kindergartenkinder Projekte, die mit Sach- und Geldpreisen belohnt werden. Sinn der Aktion sei, dass sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema beschäftigen, sagt Kuschnik. Für das diesjährige Motto „Nachhaltigkeit“ mit Blick auf regionale Ernährung wünscht sich die 30-Jährige noch weitere Schulen und Kitas, die an der Aktion teilnehmen. Die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ist laut Kuschnik sehr aktiv in Sachen Klimaschutz. Sie bezieht sich dabei auf eine Aussage der Energieagentur Rheinland-Pfalz. So wurde in allen vier Ortsgemeinden die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Außerdem sei das Quartierskonzept zur energetischen Ortskernsanierung in Dudenhofen in der Endphase. Bürger sollen dort zur Sanierung ihrer Immobilie motiviert werden, im Januar soll es laut Kuschnik dazu noch einmal eine Bürgerversammlung geben. Des Weiteren wurde das Klimaschutzteilkonzept für die eigenen Liegenschaften der Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde abgeschlossen, nun geht es laut Kuschnik an die Umsetzung der Vorschläge, wie zum Beispiel den Austausch von Fenstern und die Verbesserung der Dämmung an gemeindeeigenen Gebäuden. Ein weiteres Projekt zum Klimaschutz ist die Erstellung eines Energieberichts für die Verbandsgemeinde. Die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, darauf haben sich alle Staaten geeinigt – einzige Ausnahme sind die USA, deren Präsident Donald Trump in diesem Jahr ankündigte, aus dem Pariser Klimaabkommen austreten zu wollen. Dass das Ziel erreicht werde, sehe im Moment nicht so gut aus, sagt Kuschnik deshalb. Schwierig sei es auch, weil die Industrie bisher eine so große Lobby habe. Allerdings müsse man trotzdem daran glauben, dass es gelinge. „Dafür müssen wir einen Zacken zulegen. Das fängt im Kleinen an, wenn jeder ein bisschen macht“, sagt Kuschnik. Sie selbst habe in ihrer Wohnung in Harthausen alle Lampen durch LED-Lichter ersetzt. Außerdem versucht sie, nicht zu viel zu heizen, sondern lieber eine Decke zum Wärmen zu benutzen. Stoßlüften und die Wäsche an der Luft trocknen zu lassen und keinen Trockner zu benutzen, sind weitere Kleinigkeiten, an die sich die gelernte Bauzeichnerin laut eigener Aussage hält. Diese Möglichkeiten habe jeder ohne viel Geld zu investieren. Um die Erderwärmung zu begrenzen brauche es jedoch noch mehr, sagt Kuschnik und nennt als Beispiel das Smart-City-Projekt, bei dem ein energieautarkes Neubaugebiet in Harthausen entstehen soll. Dabei müssten Bauherren zugunsten des Klimaschutzes auch ein bisschen zurückstecken, weil das Haus vielleicht nicht ganz so aussehe wie man es sich wünscht, sagt Kuschnik. Bei den Angeboten in der Verbandsgemeinde hat die Klimaschutzbeauftragte die Erfahrung gemacht, dass sich Bürger aus allen Altersklassen beteiligen, „weil es sein muss und weil das Thema Klimaschutz präsenter ist als vor Jahren“, glaubt die 30-Jährige.

Hat beim Klimagipfel in Bonn mitdiskutiert: Anne Kuschnik von der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen (Dritte von rechts).
Hat beim Klimagipfel in Bonn mitdiskutiert: Anne Kuschnik von der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen (Dritte von rechts).
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