Speyer „Wir müssen den Weltraum erkunden“

Zweimal Fred Haise: als Astronaut (links) und als Gast und Gesprächspartner gestern in Speyer.
Zweimal Fred Haise: als Astronaut (links) und als Gast und Gesprächspartner gestern in Speyer.

Am Wochenende hat Fred Haise (84) als 50. Astronaut das Technik-Museum Speyer besucht, sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen und gestern Abend einen Vortrag zu seiner Apollo-13-Mission sowie seinen Space-Shuttle-Testflügen gehalten. Im Gespräch mit Christian Berger plädiert Haise während des Aktionstags zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Raumfahrtausstellung „Apollo and Beyond“ für mehr Forschung im All.

Herr Haise, wir stehen in der größten Ausstellung für die bemannte Raumfahrt in Europa. Was ist das Besondere an „Apollo and Beyond“ für Sie?

Die Exponate aus Russland habe ich nie zuvor gesehen. Besonders interessant ist für mich die Buran mit ihren Strahltriebwerken. Nach Apollo 13 bin ich fünfmal mit dem Space Shuttle Enterprise geflogen (Prototyp der Raumfähre zur Erprobung ihrer Flugeigenschaften in der Atmosphäre; Anm. d. Red.). Sie ist das amerikanische Gegenstück zur Buran. Wir sind mit unserem Shuttle nicht wie die Buran vom Boden aus gestartet, sondern im Flug vom Rücken einer Boeing 747. Wenn Sie als junger Mann die Wahl zwischen einer Raumfähre und einer Raumkapsel wie die hier ausgestellte Sojus-TM 19 für einen Weltraumflug hätten, was würden Sie vorziehen? Das hängt von der Mission ab. Wollte ich wieder zum Mond fliegen, um meinen Traum einer Landung zu verwirklichen, was mir bei Apollo 13 verwehrt blieb, dann müsste ich wohl eine Kapsel nehmen. Ginge es darum, in eine Erdumlaufbahn zu gelangen, dann würde ich definitiv eine Fähre wählen. Mit ihr könnte ich wie mit einem Flugzeug landen und würde nicht wie mit der Apollo-Kapsel ins Meer platschen. Was haben Sie gedacht, als ein Sauerstofftank des Servicemoduls bei Ihrer Apollo-13-Mission explodiert ist? Innerhalb einer Minute wusste ich, dass wir Tank Nummer zwei verloren hatten und das den Abbruch der Mission bedeutete. Ich bekam Magenschmerzen vor Enttäuschung. Ich dachte aber nicht, dass die Situation bedrohlich für uns ist, weil wir noch einen zweiten Sauerstofftank hatten. Dann bemerkten wir, dass er ein Leck hatte. Ungefähr eine Stunde lang versuchten wir, es zu schließen. Als sich herausstellte, dass das nicht möglich war, beeilten wir uns, die Mondlandefähre zu aktivieren. Sie sollte für die nächsten vier Tage unser Heim sein. Es gibt derzeit verschiedene Pläne für erneute Flüge zum Mond, fast 50 Jahre nach dem Apollo-Programm. Was halten Sie von diesen Überlegungen? Erkundung ist eine Angelegenheit, der sich die Menschheit widmen sollte. Wir leben auf nur einem Planeten in unserem Sonnensystem, der für unsere Spezies perfekt ist. Doch die Erde ist fragil. Zum einen wegen der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten, möglicherweise. Zum anderen ist sie Ereignissen ausgesetzt, wie es sie schon mehrfach gab, dem Aussterben von Arten. Die meisten Menschen wissen über die Dinosaurier Bescheid. Aber das größere Artensterben gab es einige Hundert Millionen Jahre vor den Dinosauriern. Damals starben sogar die meisten Wasserorganismen aus. Es gab mindestens vier solcher Ereignisse. Was denken Sie, wann Menschen wieder zum Mond fliegen werden? Das kommt auf die Finanzierung an. Ich denke, anfangs wird das gemeinsame Engagement mehrerer Staaten bei einem solchen Programm nötig sein. Dann könnten sich auch private Unternehmen für den Weltraum interessieren, wenn es dort Rohstoffe, zum Beispiel durch Bergbau, zu gewinnen gibt und sich damit Profit machen lässt. Die USA und Europa bauen zusammen am Raumschiff Orion für Flüge zum Mond und darüber hinaus. Sind die Partner auf dem richtigen Weg? Aus meiner Sicht geht es nicht schnell genug voran.

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