Speyer Wildkatze überfällt Ziegenbock
«Westheim.» Ein Löwe wird im Wald bei Westheim gesichtet. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass das Tier zwar dreidimensional ist, aber aus einem speziellen Schaumstoff besteht. Außerdem ist es mit Pfeilen gespickt, und weder brüllt es noch läuft es weg.
Die Bogenschützen vom BSC Lingenfeld haben den Löwen und viele weitere Tiere im Westheimer Wald platziert. Denn der Verein richtete am vergangenen Wochenende sein alljährliches Turnier aus. Dazu kamen letzten Samstag 163 Schützen mit Sportgerät und Pfeilen ausgestattet zusammen und feuerten die schlanken Geschosse auf die 3D-Ziele. Die Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Winkeln angereist. „Wir haben sogar welche aus Frankreich und der Schweiz“, berichtet Organisator Gerd Stilgenbauer der RHEINPFALZ. Schon am Freitag traf er sich mit Kollege Jürgen Hirsch, verantwortlich für den Parcours. Die Tiere ließen sie dann über Nacht stehen. Einmal vor Jahren, erzählt Stilgenbauer, sei dabei eines abhandengekommen, wohl von Menschen gestohlen. In einige Bereiche des Waldes dürfen sie nicht – Naturschutz hat Vorrang. Die Strecke fordert von den Teilnehmern einiges ab. Nicht nur, dass sie es mit Löwen und Wildsäuen zu tun bekommen, sie müssen auch noch über vier Kilometer laufen. Der Wettkampf macht den Schützen sichtlich Spaß. Dreimal dürfen sie pro Station anlegen. Ein Treffer in den eingezeichneten Herz-Lungen-Bereich bringt beim ersten Pfeil 20 Punkte. Sitzt erst der zweite Pfeil, gibt es nur noch 16 Zähler. Für den restlichen Körper erhalten sie ebenfalls weniger Punkte. Nach den drei Versuchen zählt der beste Schuss. Die meisten Schützen hören deshalb schon nach dem ersten gelungenen Versuch auf. Stilgenbauer: „Nachschießen bringt meistens nichts. Da ist die Konzentration weg.“ Das weiteste Ziel, ein Bison, steht über 50 Meter entfernt. „Für die Kinder ist das hier auch noch ein bisschen Tierkunde“, erklärt Stilgenbauer. Von ihnen sind auch einige da. Der jüngste Teilnehmer ist acht. Es ist ein familienfreundliches Turnier. Die Kids dürfen etwas näher an das Ziel dran als die Erwachsenen. Sicherheit geht beim Turnier vor. In einem Winkel von 30 Grad dürfen links und rechts des Objekts keine Rad- und Wanderwege verlaufen. Die Bogenschützen von den Rülzheimer Schnoogejächern kommen gerade von einer Sonderstation. Hier hat eine Wildkatze einen Ziegenbock überfallen. Punkte winken nur für Treffer auf das Raubtier, gar nicht so leicht. Aber neben Schnaken treffen sie auch Wildkatzen besonders gut. Die beliebteste Bogenklasse ist der Bowhunter Recurve. Dieser geschwungene Bogen hat vereinfacht gesagt mehr Power. Heute stehen vier Klassen zur Auswahl. Bei offiziellen Turnieren gibt es noch weit mehr. Die Kinder bekommen am Ende alle einen Preis. Bei den Erwachsenen gewinnen jeweils die drei besten Männer und Frauen etwas. Zuvor durchliefen sie sonntags jedoch denselben Parcours ein zweites Mal, diesmal im sogenannten Hunter-Modus, heißt: Nur ein Schuss und der muss sitzen. An Stand 30 hat es gerade eine junge Frau auf einen künstlichen Fuchs abgesehen. Kurz gezielt, sie lässt die Sehne los – Treffer.