Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie stark ist der Frust an der CDU-Basis?

Lässt sich vom Wahlausgang die Laune nicht vermiesen: Frank Hoffmann.
Lässt sich vom Wahlausgang die Laune nicht vermiesen: Frank Hoffmann.

Die CDU hat die Bundestagswahl krachend verloren. In den Führungsetagen rumort es ebenso wie an der Basis. Und jetzt sind auch noch all die Plakate abzuhängen. Ein Speyerer Christdemokrat macht das ohne Frust. Die RHEINPFALZ hat ihn bei seinem Ehrenamt begleitet.

„Ich habe gar keine Zeit für Frustration“, sagt Frank Hoffmann. Der 49-Jährige ist stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Speyer und einer der eifrigsten Ehrenamtler der Partei. Er zückt ein scharfes Messer und kappt die Kabelbinder, die das Plakat mit Direktkandidat Johannes Steiniger an einem Laternenmast in der Boschstraße festhalten. „Es gibt viel zu tun. Wir müssen die CDU neu organisieren.“ Er bringt sich auf verschiedenen Ebenen ein, organisiert für den Bezirksvorstand etwa einen Prozess zur künftigen Parteiarbeit und will sich darin auch vom Wahlergebnis nicht bremsen lassen.

Er nehme wohl eine schlechte Stimmung unter den Mitgliedern wahr, gesteht Hoffmann. Er als Naturwissenschaftler gehe mit dem Thema aber eher rational als emotional um. „Ich habe einen Befund, muss daraus Konsequenzen ziehen und an die Arbeit gehen.“ Die Aufgabenliste ist aus seiner Sicht lang. Die gesamte Partei müsse neu darüber nachdenken, „wie sie mit den Menschen redet und mit welchen Themen sie sie anspricht“. Teamarbeit müsse im Vordergrund stehen.

Ein Fan von Norbert Röttgen

Aus dem Mund des nüchternen Biologen ist auch keine große Kritik an Kanzlerkandidat Armin Laschet zu vernehmen. Ja, er sei einst bei der Abstimmung über den Parteivorsitzenden für dessen Rivalen Norbert Röttgen gewesen, und ja, „es war sicher nicht der beste Wahlkampf, den ich in 30 Jahren in der CDU erlebt habe“. Aber bei einer „riesengroßen Gemeinschaft von 400.000 Mitgliedern“ komme es nicht auf eine Person an. Ebenjene Mitglieder hätten zur Kandidatenkür befragt werden müssen – diese konkrete Kritik wird Hoffmann doch los.

Das Mitglied des CDU-Ortsverbands Speyer-Ost sagt auch klipp und klar, dass seine Partei die Wahl verloren habe: „Da darf es kein Rumgeeiere und kein Schönreden geben.“ Er habe den Ausgang kommen sehen, sagt er. Hoffmann geht davon aus, dass es in Berlin eine Ampel-Koalition geben wird. Auch damit müsse die CDU dann nach seinem naturwissenschaftlichen Prinzip umgehen: Befund, Konsequenz, Arbeit. Von der Basis in Speyer vernimmt er kein lautes Rumoren, geht aber davon aus, dass in der Kreisvorstandssitzung kommenden Montag sehr kritisch diskutiert wird.

Zwei Lichtblicke erkannt

„Heute Morgen habe ich die E-Mail eines 18-Jährigen erhalten, der dem Kreisverband beitritt“, erzählt Hoffmann. „Wir bekommen die junge Generation wieder in die CDU“, ist er überzeugt. Ein anderer Lichtblick sei der Sieg des Direktkandidaten im Wahlkreis. Hoffmann blickt anerkennend zum letzten Steiniger-Plakat im Gewerbegebiet West. Mit dem alten und neuen Abgeordneten habe er zweimal vor dem Bahnhof um Stimmen geworben, habe Infostände organisiert, Prospekte verteilt und Plakate auf- und eben wieder abgehängt. Dabei sei er nie allein gewesen, viele der 230 CDU-Mitglieder in der Domstadt hätten sich beteiligt. „Teamarbeit“, betont Hoffmann und trägt den Papp-Steiniger zum Kofferraum seines Autos.

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