Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Speyerer US-Amerikanerin auf die Brände in Kalifornien blickt

Nach den Bränden: Ein rotes Auto fährt an zerstörten Häusern und Fahrzeugen in Los Angeles vorbei.
Nach den Bränden: Ein rotes Auto fährt an zerstörten Häusern und Fahrzeugen in Los Angeles vorbei.

Rund um Los Angeles tobten in den vergangenen Tagen verheerende Feuer. Brenda Bohne lebte mehr als 20 Jahre dort und beobachtet aus ihrer Speyerer Wahlheimat die katastrophale Lage an der Westküste der USA. Sie ist geschockt. Auch weitere Speyerer blicken in die Region.

Los Angeles burns“. Brenda Bohne, in Speyer unter anderem als frühere Vorsitzende des Migrationsbeirats bekannt, fasst in drei Worten zusammen, wie es derzeit um den Großraum in Kalifornien bestellt ist. Vor mehr als einer Woche waren rund um die Millionenmetropole die ersten Feuer ausgebrochen. 27 Menschen sind nach Angaben der Gerichtsmedizin in Los Angeles bisher zu Tode gekommen. Tausende haben ihre Häuser und ihr Hab und Gut verloren. Bohne verfolgt die verheerende Entwicklung aus Speyer geschockt.

Ihre erste Reaktion sei ähnlich gewesen wie damals bei den schrecklichen Terroranschlägen am 11. September 2001 in New York: „Das kann nicht wahr sein“, habe sie gedacht. Die gebürtige US-Amerikanerin hat Kontakt zu einer guten Freundin, die eine Hälfte des Jahres in der Nähe von Los Angeles und die andere Hälfte in Deutschland verbringt. „Sie kann aus dem Fenster ihrer Wohnung den Rauch sehen.“ Allerdings sage ihre Bekannte, sie sei weit genug von den Flammen entfernt und in Sicherheit.

22 Jahrein Los Angeles

22 Jahre lebte Bohne in Los Angeles. Sie ist dort geboren und aufgewachsen. Beverly Hills, der glamouröse Stadtteil, sei damals unerreichbar gewesen. In Kalifornien, dem Sunshine State, habe lange die Vorstellung geherrscht: „Dort will jeder hin. Dort wird Innovation gefördert. All das ist jetzt in Flammen.“ Solch eine Katastrophe wie die Brände habe sie noch nicht erlebt. „Nicht einmal in meiner Vorstellung“, sagt Bohne. „Die Realität ist aber sogar noch schlimmer als das, was wir uns vorstellen konnten. Das sind Szenen wie aus einem Film.“ In den vergangenen Jahren habe die Region immer mehr Tendenzen hin zu extremen Wetterereignissen gezeigt. „Anfang 2024 gab es extreme Regenfälle“, weiß sie. Im zweiten Halbjahr 2024 fiel dagegen kaum Niederschlag. Es sei seit einiger Zeit deutlich erkennbar, dass der Großraum immer trockener werde. Aus dem „was wäre wenn“ einer möglichen Katastrophe sei nun Realität geworden. „Keiner hat eine Vorstellung, in welcher Reihenfolge man dieses Problem lösen könnte“, beschreibt sie ihren Eindruck. „Die Leute sind sehr verunsichert.“

Auch weitere Speyerer blicken in diesen Tagen nach Los Angeles. Volker Ziesling etwa hat kürzlich mit seinen Verwandten vor Ort sprechen können. „Sie haben sich gemeldet“, erzählt der pensionierte Forstwirt und frühere Stadtrat. Die Feuer seien rund 1,5 Kilometer vor dem Haus seines Cousin zum Stillstand gekommen. Die Familie habe Glück gehabt, sei allerdings evakuiert worden. Zieslings Eindruck nach dem Gespräch mit der Verwandtschaft: „Sie waren relativ gelassen.“ Er kenne die Gegend dort, besonders gegen extrem hohe Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde in den engen Tälern sei nicht anzukommen.

Noch kein Wiederaufbau

Mehr als eine Woche nach Ausbruch der Feuer vermelden die Einsatzkräfte erste Erfolge und der Wind flaut langsam ab. „Von Wiederaufbau kann man noch lange nicht sprechen“, sagt Bohne. „Ich glaube auch, es ist sehr fraglich, dass es wieder so aufgebaut wird wie vorher.“ Häuser direkt am Strand – der Inbegriff des Reichtums – passten nicht mehr in eine Zeit der Klimaveränderungen. Viele Menschen in Kalifornien glaubten daran, in ihre Häuser, so wie sie vorher waren, zurückkehren zu können. „Es wird Jahrzehnte dauern“, lautet ihre Einschätzung – „aus der Distanz“, wie die 75-Jährige betont.

Auch von der zukünftigen US-Regierung wird also abhängen, wie die Situation in der Westküstenmetropole weitergeht. „Viele Demokraten zweifeln, ob Präsident Trump die Gelder für langfristigen Aufbau zur Verfügung stellen wird“, sagt Bohne. Die Demokratin findet es in der aktuellen Situation schäbig, dass Republikaner der kalifornischen Regierung schon kurz nach Ausbruch des Feuers Missmanagement vorwarfen. „Dafür gibt es noch genug Zeit. Das verstärkt die Ängste zusätzlich“, sagt sie. Doch auch politisch könnten die Brände langfristig Auswirkungen haben, denkt die promovierte Politikwissenschaftlerin. „Kalifornien war immer demokratisch. Vielleicht verschiebt sich das in Zukunft.“

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