Speyer Wie eine große Familie

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Römerberg. Die Pflegeheime in Speyer und Umland haben große soziale, medizinische und auch wirtschaftliche Bedeutung. Menschen kümmern sich um Menschen – und die werden in dieser Serie vorgestellt. Die RHEINPFALZ besucht in den Einrichtungen tragende Säulen aus verschiedenen Bereichen. Heute im evangelischen Seniorenzentrum Römerberg Amalie-Sieveking-Haus.

Simone Dejon

(50), Wohnbereichsleiterin: 14 Jahre arbeite ich jetzt schon hier. Als gelernte Krankenschwester wollte ich mich nach der Familienzeit neu orientieren. So bin ich von der Klinik-Gynäkologie ins Amalie-Sieveking-Haus geraten. Und ich muss sagen: Das war für mich die richtige Entscheidung. Der ständige Patientenwechsel im Krankenhaus hat Beziehungen unmöglich gemacht. Das ist im Seniorenheim ganz anders. Unsere Bewohner leben oft jahrelang hier. Vom ersten Tag an habe ich mich wohl gefühlt. Am liebsten würden wir Kollegen alle zusammen in Rente gehen und später auch hier einziehen. Die Zimmer haben wir schon unter uns verteilt. Ob das klappt, werden wir sehen. Die Warteliste ist lang. Elisabeth Brech (104), Bewohnerin: Ich bin eine waschechte Berghäuserin. Geboren, aufgewachsen und gelebt. Vor drei Jahren bin ich ins Heim gezogen. Bis dahin habe ich mich, Haus und Garten noch alleine versorgt. Meine Dampfnudeln waren legendär. Natürlich wäre ich lieber zu Hause geblieben. Aber eine auswärtige Pflegerin wollte ich nicht. Die kochen mir zu scharf. Bei den lieben Mädels und Buben hier fühle ich mich wunderbar aufgehoben. Ich bin ja auch so gut wie daheim, mit meinen eigenen Möbeln in meinem eigenen Ein-Zimmer-Appartement. Selber machen muss ich nichts mehr außer essen, trinken und schlafen. Meine liebste Gesellschaft sind meine drei Kinder. Sie kommen jeden Tag. Ewa Zürker (42), Küchenhilfe: Derzeit versorge ich 66 Bewohner mit Frühstück und Abendessen. Das Mittagessen wird in Ludwigshafen frisch gekocht. Zwei Essen stehen zur Auswahl. Ich bin meiner Freundin so dankbar, dass sie mir vor sechs Jahren von dem Jobangebot in Berghausen erzählt hat. Hier ist meine zweite Familie. In der Küche wird gelacht, gesungen und getanzt. Die Bewohner und Kollegen sehe ich öfter als meinen Mann. Auch privat. Mit den Chefs können wir über alles reden. Die Bewohner glücklich und zufrieden zu sehen, liegt mir am Herzen. Jedem, der stirbt, weine ich nach. Gabriele Detzner (60), Sozialbetreuerin: Am 1. Januar 2001 habe ich hier als Pflegekraft im Nachtdienst angefangen. Acht Jahre später bin ich zum sozialen Dienst gewechselt. In beiden Bereichen habe ich festgestellt: Die Bewohner geben unendlich viel zurück. Ihnen eine Freude zu machen, ist einfach schön. Mit zwei Kolleginnen biete ich Gedächtnistraining, Sturzprophylaxe, die bei Frauen und Männern sehr beliebte Backgruppe, Spielen, Basteln, Kegeln oder Ausflüge mit und ohne Picknick an. Beziehungen zu den Kollegen, Bewohnern und Angehörigen sind gewachsen. Auch meinen Vater habe ich hier untergebracht. Mit vielen Kollegen bin ich privat befreundet. Das ist ein Vorteil eines kleinen Hauses. Vitali Hildebrandt (46), Altenpfleger: Ich arbeite erst seit Jahresanfang hier, bin aber schon jetzt von der Größe und dem Geist der Einrichtung begeistert. Es ist gut, in einem christlichen Haus zu arbeiten. Die Einstellung zu Leben und Tod ist anders als in den Heimen, in denen ich bisher gearbeitet habe. Auch faszinieren mich die vielen Möglichkeiten, die die Bewohner hier haben. Sie sind nicht weit weg von zu Hause, haben ihre Lieblingsstücke mitgebracht. Jeder hat in seinem Zimmer seinen Rückzugsort. Ihre Kompetenzen zu fördern, ist ein großes Anliegen, das ich mit den Kollegen teile. An diesem Arbeitsplatz bin ich froh, dass ich mein Medizinstudium abgebrochen habe. Die Familiengründung ist dazwischen gekommen. Aber hier kann ich nah bei den Menschen sein, ihre Lebensgeschichten erfahren und sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten. Ich hoffe, dass ich auch möglichst bald Teil der eingeschworenen Gemeinschaft im Amalie-Sieveking-Haus bin. Sabine Werner (55), Bankkauffrau: Ich bin auf den Tag genau so lange hier, wie es das Haus gibt. Seitdem kümmere ich mich um Heimverwaltung und Belegungsmanagement, organisiere Feste und bin erste Ansprechpartnerin für Neuzugänge. Bis zum Einzug kenne ich alle Beteiligten, Verwandtschaft und Freunde. Am schönsten sind für mich die Kontakte mit den Bewohnern. Eine Seniorin begleite ich beispielsweise jeden Tag im Aufzug. Alleine hat sie Angst. Die Bewohner lassen mich an ihrem Leben teilhaben, schenken mir ihr Vertrauen und geben jede Zuwendung tausendfach zurück. Ich bin selbst auch Römerbergerin. Für manche hier bin ich noch immer das kleine Sabinchen von früher. Käthe Maier (69), Heimfürsprecherin: Als Ortsbeigeordnete komme ich oft zum Gratulieren, als Berghausenerin besuche ich alte Verwandte und Bekannte. Vor neun Jahren wurde ich zur Heimfürsprecherin mit monatlicher Sprechstunde. An Angeboten, Instandhaltung und Gestaltung bin ich beteiligt. Bisher bin ich von Bewohnern so gut wie nie eingeschaltet worden. Offenbar sind die meisten rundum zufrieden. Wenn es doch einmal Probleme gibt, werden sie direkt angesprochen. In einem so kleinen Haus kommt alles sofort an die Oberfläche. Einen Platz für mich habe ich hier schon reserviert. Gabriele Fritsch (50), Pflegedienstleiterin: Acht Monate nach der Eröffnung habe ich hier meinen Dienst angetreten und das keinen Tag bereut. Wir sind die Gäste der Bewohner. Nach diesem Motto arbeite ich hier. Unsere Bewohner sollen so behandelt werden wie Gäste zu Hause. Dazu gehört Anklopfen, Respekt vor dem Eigentum der Bewohner, die Wahrung ihrer Würde. Hier kann ich wieder das tun, was ich vor 30 Jahren gelernt habe. Das ist wie eine Erfüllung. Allen soll es gut gehen: Mitarbeitern und Bewohnern. Auch wenn wir Privates und Dienstliches trennen, fließt das eine oft ins andere. Neun von uns verbringen ihren Urlaub im Sommer gemeinsam. Auch meine Familie hilft ehrenamtlich mit. Zum Beispiel verbringen wir alle den Heiligen Abend mit den Bewohnern und ihren Angehörigen im Amalie-Sieveking-Haus.

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