Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Zweite Weltkrieg in Speyer zu Ende ging

Der französische General und spätere Staatspräsident Charles de Gaulle überquerte den Rhein bei Speyer.
Der französische General und spätere Staatspräsident Charles de Gaulle überquerte den Rhein bei Speyer.

Sechs Wochen bevor Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, war in Speyer der Zweite Weltkrieg vorbei. Am 24. März kamen die Amerikaner. Eine Chronik der Ereignisse.

22. März 1945: Der elektrische Strom blieb aus. Um die Mittagszeit heulte die Behelfssirene zum letzten Mal Vollalarm. Gleichzeitig setzte Gewehrfeuer an der Wormser Landstraße ein. In der Stadt richtete man sich auf längere Kelleraufenthalte ein. Die nationalsozialistischen Schilder und Aufschriften wurden entfernt.

23. März 1945: Gegen 10.30 Uhr wurde die Rheinbrücke gesprengt. Die aus Richtung Ludwigshafen und Neustadt vorstoßenden Amerikaner begannen von der Wormser Landstraße aus, auf deutsche Truppen, darunter Soldaten, Arbeitsdienstler und Volkssturm, zu schießen. Gegen 15.30 Uhr flohen NSDAP-Kreisleiter Schmitt, Oberbürgermeister Trampler und Bürgermeister Bechtel über den Rhein. Um 17 Uhr explodierte auf dem Festplatz ein voll beladener Munitionslastwagen.

24. März 1945: Panzer der Amerikaner drangen am Rheintor, in der Bahnhofstraße und am St.-Guido-Stifts-Platz in die Stadt ein und erreichten kurz nach 7 Uhr die Hauptstraße. Gegen 8 Uhr tauchten erste Infanteriestreifen auf. Um 8 Uhr übergab Amtmann Karpp die Stadt auf dem Marktplatz an einen US-Obersten und wurde anschließend mit der Verwaltung der Stadt beauftragt. Im Lauf des Vormittags kamen immer mehr Panzer und Fußtruppen in die Stadt.

25. März 1945: Am Sonntag wurden Plakattafeln errichtet und Verordnungen angeschlagen. Die Bevölkerung durfte nur von 9 bis 11 Uhr und von 15 bis 17 Uhr auf die Straße. Die Geschäfte waren geschlossen, die Telefone blieben bis Juni gesperrt. Fotoapparate, Ferngläser und Waffen wurden beschlagnahmt. In der Nacht zum Montag schoss deutsche Artillerie in die Stadt.

29. März 1945: Am Gründonnerstag wurde um Mannheim gekämpft. Die bei Speyer in Stellung gegangene amerikanische Batterie feuerte ins Badische hinüber. Das Hotel Luxhof wurde schwer getroffen. Ebenfalls am Gründonnerstag tauchten die ersten Franzosen in Speyer auf. Auf der Hauptstraße begrüßten französische Fremdarbeiter ihre Landsleute.

30./31. März 1945: Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle war am Karfreitag und Karsamstag in Speyer, am 30. März nahm er vor dem Dom eine Parade ab. Aus Sicherheitsgründen musste der Hasenpfuhl vollständig geräumt werden. Nach drei Tagen durften die Leute wieder einziehen.

Die Stadtretter

Eine auf dem Altpörtel von dem als Stadtoberhaupt eingesetzten Stadtamtsmann Adam Karpp aus Hanhofen gehisste weiße Flagge zeigte die Kapitulation. Darum gebeten hatte ihn der Polizeiinspektor Richard Seither. Beide riskierten damit ihr Leben. Zwar hatten sich in der Nacht zum 24. März die letzten deutschen Kampfeinheiten über den Rhein abgesetzt, doch es war nicht sicher, ob sich nicht noch ein 45-Mann-Trupp des „Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS“ in Speyer aufhielt.

Das Hochziehen der weißen Fahne wurde durch eine ähnlich mutige Tat ausgelöst: Am 23. März waren 40 Frauen vors Rathaus gezogen und hatten die kampflose Übergabe der Stadt verlangt. „Ich habe den Frauen gesagt, dass der Oberbürgermeister nicht mehr da war und dass hierfür nur der Kampfkommandant zuständig sei“ berichtete Seither. „Daraufhin wollten sie zur Kaserne ziehen, worauf ich ihnen sagte, sie sollten das unterlassen, denn der Kampfkommandant ließe vielleicht auf sie schießen. Daraufhin begaben sich die Frauen nach Hause.“ Kampfkommandant Timpel hatte noch am 22. März angeordnet, die Stadt sei „bis zuletzt zu verteidigen“.

Unabhängig von Seither und Karpp bewahrte ein weiterer Speyerer am 24. März 1945 die Stadt vor amerikanischem Beschuss: Der Offizier Alfons Kaufmann, den ein Blinddarmdurchbruch vor dem Russland-Einsatz bewahrt hatte, war mit einigen Soldaten zur Sicherung einer Panzersperre am St. Guido-Stifts-Platz befohlen worden. Als die GIs kamen, ließ er nicht auf sie feuern.

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