Speyer Wie bei einem Freund

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Marcel Adam ist Liedermacher und Chansonnier – richtig, beides, denn er ist sowohl der französischen als auch der deutschen Kultur verhaftet. Unterstützt von seinen famosen Mitmusikern, dem Gitarristen Christian Conrad und dem Akkordeonisten Christian di Fantauzzi, hat der Lothringer am Mittwoch für einen begeisternden Abend im Alten Stadtsaal in Speyer gesorgt.

Adam

singt auf Französisch, Lothringisch und Deutsch. Er spricht, wenn er nicht gerade für „offiziellere“ Sachverhalte das Hochdeutsche wählt, gerne in einem abgeschwächten lothringischen Dialekt. Und der wird in der Pfalz bestens verstanden, was nicht nur daran festzumachen ist, dass die Kartoffeln hier wie dort „Grumbeere“ heißen. Für Vorderpfälzerinnen etwas befremdlicher, aber für diejenigen, die in der Westpfalz aufgewachsen sind, durchaus vertraut, wenn in seinem Heimatidiom Frauen sächlichen Geschlechts sind und mit „es“ bezeichnet werden (mit langgezogenem „e“). Man versteht sich bestens, und wenn Adam erzählt, wie er zu seinen Liedern gekommen ist, den eigenen und den fremden, und dabei ins Plaudern gerät über Begebenheiten aus der Vergangenheit oder über seine Befindlichkeiten, fühlt man sich im voll besetzten Saal wie beim Besuch eines lieben alten Freundes im eigenen Wohnzimmer. Der immer noch jugendlich wirkende Mann, der seit Jahrzehnten auf der Bühne steht, hat eine große Ausstrahlung und kommt unwiderstehlich sympathisch rüber. Anders als die meisten Liedermacher singt Adam nicht nur eigene Titel, sondern auch die von Kollegen – französische und deutsche, engagierte Chansons und auch bessere Schlager. Seine eigenen Chansons, fast ausschließlich in Lothringisch, sind durchaus kritisch engagiert, ohne dabei aber in Penetranz zu zerfließen. Oft sind es auch ironisch-augenzwinkernd geprägte Beschreibungen privater Zustände oder Erlebnisse. „Ich hab mich gern“ heißt es beispielsweise selbstbewusst. Und obwohl das Verhältnis von Lothringern und Elsässern in etwa so rivalisierend ist wie das zwischen Pfälzern und Saarländern, bringt er es fertig, eine Huldigung auf das kulinarische Leibgericht der westlichen Nachbarn zu singen – wohl darauf hinweisend, dass das „Sürkrüt“, das Sauerkraut, schwer im Magen liegt. Natürlich hat Adam auch französische Chansons im Programm, die er höchst kompetent vorträgt: die großen Klassiker wie Georges Moustakis „Le Méteque“ oder Edith Piafs „Mon manège à moi“, aber auch Neueres. Und auch den deutschen Schlager beobachtet Adam genau, und er hat sich ein paar besonders schöne und gelungene herausgepickt; fehlen darf dabei auch nicht Heinz Rühmanns „Der Clown“ und jedesmal als Schlusslied „Von guten Mächten“ mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer. Großartig unterstützt wurde Marcel Adam von seinen wunderbaren, mit schönen Soli glänzenden Begleitmusikern.

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