Speyer
Wie Abiturienten sich auf Prüfungen unter Pandemie-Bedingungen vorbereiten
Eva Ittensohn ist Schülerin am Edith-Stein-Gymnasium und schreibt im Januar ihr Abitur. Die schriftlichen Prüfungen fangen am 7. Januar mit Deutsch an. Später folgen noch Biologie und Musik. Das ist auch die erste Prüfung der 19-Jährigen. Schon die Vorbereitungen waren anders als üblich, sagt sie im RHEINPFALZ-Gespräch: „Teilweise musste man in Quarantäne und der ganze Stoff wurde nach hinten geschoben. Dadurch hatten wir am Ende weniger Zeit für die Wiederholungen.“ Aber sie berichtet auch Positives. Die Lehrer der Leistungskurse motivieren die Schüler und geben ihnen Sicherheit: „Sie glauben an uns und nehmen uns dadurch viel Druck weg.“ Beim Lernen sei es doch schwer, abzuschalten, so Ittensohn: „Man hat nur noch das Lernen im Kopf, weil man nichts anderes mehr machen kann.“
Ausgleich zum Lernen fehlt
Auch Tom Ruhnke geht es so. Der 19-Jährige besucht das Nikolaus-von-Weis-Gymnasium und hat sein erstes schriftliches Abitur ebenfalls in Deutsch. Daneben noch in Mathe und Geschichte. Ruhnke fehlt auch der Ausgleich zum Lernen. Vor allem sein Fußballtraining vermisst er sehr: „Mit den Jungs vom FV Berghausen konnte ich immer abschalten, aber das geht jetzt leider nicht. Wenn man jetzt nicht lernt und einfach nichts macht, bekommt man fast ein schlechtes Gewissen.“ Sein Jahrgang mit 61 Abiturienten hatte keinen Unterrichtsausfall, das Vorbereiten macht ihm keine Probleme: „Wir müssen viel selbst erarbeiten. Das ist nicht für jeden leicht, mir hat es nichts ausgemacht.“ In den besonderen Hygienemaßnahmen sieht er keinen Nachteil gegenüber früheren Jahrgängen.
Online-Gelerntes schwerer
Darüber macht sich Lilli Geisler, 19, mehr Sorgen. Das ständige Lüften bereitet der Schülerin vom Hans-Purmann-Gymnasium Unbehagen: „Es wird kalt werden und die Lehrer haben uns schon empfohlen, Decken mitzunehmen. Ich hoffe, dass meine Konzentration darunter nicht leiden wird.“ Geisler hat die drei Leistungskurse Englisch, Biologie und Erdkunde. Dabei wird am 12. Januar ihre erste Prüfung Englisch sein. Die Vorbereitungen empfindet sie als deutlich stressiger: „Unser ganzer Jahrgang war im November für zwei Wochen in Quarantäne und dadurch haben wir viel Zeit verloren. Danach haben wir noch viele Tests in Nebenfächern geschrieben und mussten die Inhalte der Fächer schneller wiederholen. Das sehe ich als Nachteil für unseren Jahrgang.“
Vor allem die Themen, die während dem Homeschooling behandelt wurden, sorgen Geisler: „Ich bin mir bei diesen Themen eher unsicher, ob ich alles kann.“ Eine große Hilfe sei der Zugang zum Omega-Server, den die Schüler für Biologie erhalten haben. Auf diesem können sich die Schüler zu den verschiedenen Themen Erklärvideos anschauen: „Diese helfen mir bei der Vorbereitung sehr. “
„Hinter mich bringen“
Der 18-Jährige Tom Löffler ist ebenfalls im Jahrgang von Lilli Geisler. Er hat die Leistungskurse Mathe, Biologie und Erdkunde. Seine erste schriftliche Prüfung am 14. Januar ist Mathe. Er empfindet die Situation aktuell als normal, da man sich schon an die Umstellungen gewöhnt habe. Außerdem sei ein Vorteil, dass er in den Ferien kaum etwas anderes machen könne als Lernen: „Daheim habe ich dann meine Ruhe und werde durch nichts abgelenkt.“ Laut Löffler haben das digitale Lernen und das Konferenzsystem „Big Blue Button“ oft nicht gut funktioniert. Mitschüler konnten ihre Abgaben teilweise nicht hochladen: „Bei mir hat es glücklicherweise immer funktioniert.“ Löffler ist sehr froh, dass er und seine knapp 90 Mitschüler das Abitur an den geplanten Terminen schreiben können. „Ich will es hinter mich bringen und bin froh, dass es nicht verschoben wurde.“
Auch Julien Louis Eisermann ist froh, wenn das schriftliche Abitur vorbei ist. Der 19-jährige Schüler am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium hat seine schriftlichen Prüfungen in Mathe, Biologie und Sozialkunde. „Wir konnten beim ersten Lockdown weniger Stoff als geplant durchnehmen und mussten das in den letzten Wochen ausgleichen.“ Für Eisermann hat das digitale Lernen meistens funktioniert. Das komme aber auch auf die Lehrer und die Fächer an: „Biologie fiel mir im Homeschooling leichter als Mathe.“ Gerade bei Verständnisproblemen in Mathe sei es schwieriger, die Aufgaben selbstständig zu erledigen.
Umstellung auch für Lehrer
Nicht nur die Schüler machen sich Sorgen über Ansteckung, Konzentration oder den Ablauf des schriftlichen Abiturs. Auch für die Lehrer wird es in diesem Schuljahr komplizierter.
Zwei Lehrer vom Nikolaus-von-Weis-Gymnasium schildern die besondere Situation. Thomas Weiter (63) hat aktuell einen Abiturienten-Jahrgang in Mathe. Während des ersten Lockdowns wurden auch seine Schüler digital unterrichtet: „Über unsere Lernplattform Moodle hat das ganz gut funktioniert. Schlechter vorbereitet sind sie auf jeden Fall nicht.“ Ein großer Vorteil war es, dass der Abiturjahrgang, sobald es möglich war, Präsenzunterricht haben konnte: „Durch die kleinen Kurse war das auch möglich, als nur 15 Schüler in einem Raum sein durften.“
Für die schriftlichen Prüfungen ändert sich nichts am Ablauf, aber es müssen viele Hygienemaßnahmen umgesetzt werden, erklärt Weiter: „Die Schüler werden einen größeren Abstand halten, große Kurse und Parallelkurse müssen in verschiedene Räume und es muss regelmäßig gelüftet werden.“ Gerade durch das Nutzen mehrerer Räume sind bei den Prüfungen auch mehr Lehrer im Einsatz. Eine von ihnen ist Dana Groß (44). Sie hat in diesem Jahrgang keinen Leistungskurs, muss aber dann bei den Prüfungen auch Aufsicht führen.
Pläne für Zeugnisvergabe
Die größte Angst sei, dass in diesem Schuljahr mehr Schüler krankheitsbedingt ausfallen, da der Aufwand für eine neue Konzeption des Abiturs sehr hoch sei. „Dieses Jahr ist das Risiko für einen Ausfall natürlich viel höher als sonst“, so Groß. Sie sieht auch für die Schüler noch viel Verlust: „Alles neben dem Unterricht konnte nicht stattfinden. Jahrgangskonzerte, Kursfahrten und auch das Musical sind weggefallen. Auch im Hinblick auf die Zeugnisverleihung wollen wir uns überlegen, wie wir das möglichst schön gestalten können.“
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