Speyer Werner Debold steht gerne auf
297 Bäckereien gibt es in der Pfalz. Die Zahl geht zurück. Wie die Handwerkskammer der Pfalz auf Anfrage mitteilte, waren es vor 15 Jahren noch 551. Werner Debold hat sich mit seinem Betrieb in Berghausen gehalten – und das schon seit 35 Jahren. Zum Jubiläum hat er ein neues Brot mit dem Namen „Opa Karl“ kreiert.
Bis Werner Debold ein neues Brot anbieten kann, kostet ihn das viele schlaflose Nächte. Kommt ihm eine Idee, backt der 64 Jahre alte Bäckermeister das Brot oder den Kuchen zur Probe. „Meine älteste Tochter ist die größte Kritikerin“, sagt Debold und fügt hinzu, dass er schon so manches Backwerk in den Müll geschmissen habe. Das Brot mit dem Namen „Opa Karl“, das es bald jeden Donnerstag zu kaufen gibt, haben ihn und seine Tochter jedoch überzeugt. Es hat mit 90 Prozent einen sehr hohen Roggenanteil und erinnert an Werner Debolds Vater Karl, der auch Bäckermeister war. Bei ihm ging Werner Debold mit 14 Jahren in die Lehre. Heute, 50 Jahre später, nennt Debold seinen Beruf immer noch eine Berufung. Dafür stehe er gerne auf. Sein Arbeitstag beginnt um 3 und endet um 10 Uhr. Dazwischen backt er Brötchen, Brot und Kuchen. Außerdem stellt er Nudeln, Marmelade und Pralinen her. Sein Handwerk ist in Zeiten von zahlreichen Bäckerei-Ketten nicht mehr selbstverständlich. 24 Lehrlinge hat Debold ausgebildet. Heute findet er keine jungen Leute mehr, die diesen Beruf erlernen möchten. Als Hauptgrund nennt der Bäckermeister den frühen Beginn des Arbeitstages. Für den 64-Jährigen ist es dennoch „der schönste Beruf“, für den er immer gerne aufstehe. Er schätzt vor allem die Freiheiten und die Kreativität beim Backen. 50 bis 60 Brote habe er in seiner Karriere bisher entwickelt. Dabei habe er auch immer mal wieder welche sterben lassen – entweder, wenn er den kalkulierten Preis nicht bekommen habe oder die Kunden etwas anderes gewollt hätten. In seinem Laden in der Eisenbahnstraße, in dem seine Frau Heidemarie (62) als Verkäuferin hinter dem Tresen steht, gehen Kunden ein und aus, die aus Speyer und der Umgebung kommen. Als Debold die Bäckerei vor 35 Jahren eröffnete hat, lud er Kinder in der Weihnachtszeit zum Plätzchenbacken ein. Diese Kinder seien jetzt erwachsen und kämen mit ihren Kindern in den Laden, erzählt Debold während er Bilder von der damaligen Backaktion zeigt. Am Wochenende entspannt sich der Mann, der mit seiner Frau aus Ludwigshafen nach Berghausen zog, mit einem Sprung aus 4000 Metern Höhe. „Beim Fallschirmspringen bekomme ich das Adrenalin für die ganze Woche“, sagt Debold. Er bedauert, dass mit dem Rückgang der Bäckereien nicht nur ein Handwerk, sondern eine ganze Kultur sterbe. Wenn es die Gesundheit zulässt, möchten er und seine Frau noch ein paar Jahre für ihre Kunden da sein. Einen Nachfolger hat Debold nicht. Seine beiden Töchter haben einen anderen Beruf erlernt. |nhe