Speyer Wer wird Millionär?

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Lingenfeld. Freitagmorgen, die Sonne scheint, drei Seniorinnen stehen an den Einkaufswagen vor dem Rewe-Markt in Lingenfeld und rauchen Zigaretten. Was sie mit einer Million Euro machen würden? „Ich würde mir ein schönes Haus bauen“, sagt Gerda Messingfeld. „Ach was“, sagt Marga Pätz, „das lohnt sich doch in unserem Alter gar nicht mehr.“ „Das können doch die Kinder dann nehmen“, erwidert Karin Keller, die dritte im Bunde. Einig sind sich die drei Damen bei einer Sache: „Wenn ich Lotto spiele, dann gucke ich doch auch, ob ich gewonnen habe“, sagt Keller. Genau das hat ein Lotto-Spieler aus dem Kreis nicht gemacht. Er gab seinen Schein laut Lotto Rheinland-Pfalz am 17. September 2015 um 9.53 Uhr in einer Lotto-Annahmestelle im Landkreis Germersheim ab, gewann dann bei den getippten Zahlen nichts, dafür aber bei einer Sonderauslosung (Die Nummer des Gewinner-Scheins ist: 066 468 153 000 5961). „Der Gewinner hat noch bis zum 19. März Zeit, um seinen Millionengewinn bei uns geltend zu machen“, sagt Lotto-Geschäftsführer Jürgen Häfner. Danach fällt die Summe in den Topf der nicht anbringbaren Gewinne, aus dem Sonderauslosungen finanziert werden. Die drei Seniorinnen, die sich am Freitagmorgen vor dem Rewe-Markt in Lingenfeld unterhalten, haben selbst schon ihre Erfahrungen im Lotto-Spielen gemacht. „Einmal habe ich zusammen mit meiner Tante gespielt“, erzählt Marga Pätz. „Wir hatten alle Zahlen richtig, haben uns schon total gefreut, als meine Tante plötzlich ein ganz versteinertes Gesicht bekommen hat.“ Was denn los sei, habe sie ihre Tante gefragt. „Ich habe vergessen, den Schein abzugeben, hat sie geantwortet. Danach habe ich mir gesagt: Ich spiele nie wieder Lotto.“ Gerda Messingfeld konnte sich dagegen schon mal über einen richtigen Gewinn freuen. Zusammen mit ihrer Schwägerin hatte sie gespielt, als sie erfuhren, dass sie fünf Richtige hatten, sahen sie schon den großen Reichtum auf sich zukommen. „Dann gab es aber nur 200 Euro“, sagt Messingfeld und lacht. Zu den drei Damen gesellt sich nach einer Weile eine vierte dazu, Gisela Bengel packt eine Tüte vom Bäcker in ihren Fahrradkorb und steigt vergnügt in die Diskussion ein: „Ich würde mir von dem Gewinn ein winziges Häuschen kaufen mit einer schönen Küche, dann würde ich mir noch jemanden einstellen und mich verwöhnen lassen“, sagt Bengel. „Das kannst du doch jetzt schon machen, du hast es doch schön“, ruft Keller. Bengel fährt unbeirrt fort: „Außerdem würde ich etwas stiften für alte Leute, denen es dreckig geht.“ Sie selbst habe früher für sechs Mark die Stunde auf dem Feld geschuftet, bei der Rente bekomme sie das nicht angerechnet. „Viele Frauen sind da benachteiligt“, sagt Bengel. „Als hätten wir nicht genauso hart gearbeitet wie die Männer, auch wenn es Zuhause war.“ Einig wird sie sich dann aber doch noch mit den drei anderen Damen, dass man es eigentlich ziemlich gut habe. „Wir wohnen schön, haben es warm, bekommen jeden Tag etwas zu essen auf den Tisch“, sagt Bengel. „Wir sind zufrieden.“ Schließlich habe man noch den Krieg mitgemacht, ergänzt Messingfeld: „Wir wissen noch, wie es ohne Essen ist.“ Allgemeines Nicken, ein gutes Schlusswort, langsam nehmen die Damen ihre Tüten und machen sich auf den Heimweg. Kurz darauf läuft Annemarie Hähnel über den Parkplatz, die 58-Jährige kommt gerade vom Lotto-Spielen. Was sie mit einem Millionengewinn machen würde? „Erstmal ein Fest feiern“, sagt sie. „Dann kümmere ich mich um den Hauskredit.“ Dasselbe würde auch Kurt Squarr (54) tun. Und was noch? „Eine Reise mit dem Traumschiff.“ Squarr geht in den Einkaufsmarkt, drei Mädchen verlassen gerade den Laden. Wofür sie eine Million Euro ausgeben würden? „Für Schminke“, sagt eines der Mädchen. Für Schminke? Die ganze Million? „Und noch für andere Kosmetik-Sachen. Und Kleidung. Und einen Audi.“ Kurz darauf kommt die einzige Frau angelaufen, die sich an diesem Morgen nicht über einen Millionengewinn freuen würde. „Wenn das jeder wüsste, wäre es vorbei mit dem ruhigen Leben“, sagt Ursula Jochem (77). Vielleicht denkt sich das ja auch der echte Lotto-Gewinner, und genießt gerade Zuhause in seinem Garten die Wintersonne – und die Ruhe.

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