Speyer Wenn die Gesundheit nur als Vorwand dient
DUDENHOFEN. Auf die gesundheitlichen Gefahren der Auswirkungen des Leistungs- und Breitensports verweist der dem Sport seit seiner Jugend zugetane Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin Dr. Helmut Ofer. Der Dudenhofener spielte viele Jahre Fußball und ist seit langem Ringarzt beim Boxen, gelegentlich auch ärztlicher Betreuer bei den Radsport-Veranstaltungen in der „Badewanne“.
Seit langem gebe es in fast allen Sportdisziplinen „eine sich ständig steigernde Rekordsucht und im Breitensport eine Überbetonung der Gesundheitspflege“, hat Ofer beobachtet. Das habe die Anzahl von Zusammenbrüchen gesteigert, die nicht durch Verletzungen entstanden seien. Er frage sich, „ob im Sport schicksalhaft generell mit derartigen Zwischenfällen gerechnet werden muss oder Möglichkeiten bestehen, die Anzahl solcher Zusammenbrüche durch Vorsorgemaßnahmen möglichst gering zu halten“. Das höchste Gebot der Medizin, die auf Hippokrates zurückgeführte Erkenntnis des „primum nihil nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) sollte auch im sportmedizinischen Bereich gelten. Bei jedem Zusammenbruch, der nicht durch Einwirkung von außen zu Stande gekommen sei, sei zu hinterfragen, inwieweit körperliche Belastung dafür verantwortlich gewesen sei. Eine allgemein geltende Vorsorge zu treffen, sei allerdings schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Der Grund: Jeder Sportler und jede Sportdisziplin werde von eigenen, speziellen Problemen betroffen. Zudem würden bestehende Schmerzen mitunter aus Ehrgeiz, Angst und auch Schamgefühl verschwiegen. Sportler sollten auf die Gefahren der Dissimulation (Verschweigen oder Verbergen von Krankheitsanzeichen) hingewiesen werden. Systematische Untersuchungen könnten dazu beitragen, „Gewohnheiten und falsche Verhaltensweisen zu korrigieren“, so Ofer. (wk)