Speyer
Wenn die falsche Polizei nicht locker lässt
Als ihre Mutter am Dienstag plötzlich begann, „wirre Nachrichten“ in die Familien-Gruppe auf Whatsapp zu senden, wurde Christine L. stutzig. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, denn ihre Mutter wurde an diesem Tag in Speyer Opfer von Betrügern. Beinahe hätten sie mit ihrer Masche auch Erfolg gehabt. Aber der Reihe nach.
Den ersten Anruf der Betrüger habe ihre Mutter am Dienstagnachmittag erhalten, berichtet L. Sie hätten sich als Polizisten ausgegeben und ihr mitgeteilt, dass ihre Tochter einen schweren Unfall verursacht habe. Eine Kaution von 150.000 Euro müsse gezahlt werden. „Meiner Mutter kam das komisch vor“, berichtet L. Zunächst habe die Seniorin den falschen Polizisten nicht geglaubt. Sie habe ihnen sogar gesagt, dass die wohl eingespielte Stimme einer aufgelösten Frau nicht die ihrer Tochter sei. Aber: Nicht nur hätten sie dafür eine Ausrede parat gehabt, die Betrüger hätten an diesem Tag immer wieder angerufen und so den Druck auf die Dame erhöht.
Wie landete der Notruf bei den Kriminellen?
Doch auch dann sei die Speyererin nicht auf die Unbekannten hereingefallen und habe die 110 gewählt. Doch am anderen Ende des vermeintlichen Notrufs habe sich einer der Betrüger gemeldet. Wie kann das sein? Haben die Kriminellen etwa eine Fangschaltung geschaltet? Schließlich habe die Mutter von Christine L. den Notruf selbst gewählt und nicht einfach nur den eingehenden Anruf zurückgerufen.
Die echte Polizei teilt auf RHEINPFALZ-Nachfrage über die Pressestelle des Präsidiums Rheinpfalz mit, dass eine Fangschaltung in einem solchen Fall eher unwahrscheinlich sei. So etwas werde normalerweise von Telekommunikationsanbietern eingerichtet, etwa um anonyme Drohanrufer zu identifizieren.
In der Aufregung vergessen aufzulegen
Bei vergangenen Betrugsversuchen hätten die Kriminellen ihr Opfer aufgefordert, sich über die 110 abzusichern. Dies geschehe dann, wenn die Echtheit des Anrufs angezweifelt werde. In der Aufregung vergäßen die Opfer aufzulegen und tippen die drei Ziffern im noch laufenden Gespräch über die Tastatur ein. Die Wahltöne hören die Betrüger und gaukeln den Betroffenen dann die Notrufzentrale der Polizei vor.
„Die verpassen einem regelrecht eine Gehirnwäsche“, klagt Christine L. Sie lebt in Nordrhein-Westfalen, konnte vor Ort also nicht eingreifen. Dass etwas nicht stimmen könnte, habe sie erst durch die Whatsapp-Nachrichten ihrer Mutter bemerkt. Diese seien „kryptisch“ gewesen. „Wie wenn man sich vertippt“, sagt L. im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Doch das nicht nur einmal, „das kommt ja mal vor“, sondern mehrfach. Anrufe seien nicht durchgekommen – besetzt. Sie habe dann ihre Schwester informiert, die habe Kontakt mit der Nachbarin aufgenommen. L. berichtet, dass die Schwestern so erfuhren, dass die Mutter zu Hause sei – und die Polizei sei da. Das habe die Mutter der Nachbarin an der Tür erzählt.
Sofort Streifenwagen losgeschickt
Bei L. schrillten die Alarmglocken. Sie habe daraufhin auf der Speyerer Wache angerufen. Die Beamten dort seien sofort hellhörig geworden. „Von uns ist niemand bei Ihrer Mutter“, hätten sie gesagt. Sofort sei ein Streifenwagen auf den Weg geschickt worden, und „binnen Minuten“ bei der Mutter eingetroffen.
Gerade noch rechtzeitig, berichtet die Polizei. Die falschen Beamten hätten von der Seniorin die Herausgabe von Wertsachen gefordert. Als die echten Ordnungshüter vor Ort eintrafen, sei aber noch nichts übergeben worden.
Irgendwann war die Dame überzeugt
Vor Ort seien die Beamten auf einen 40-jährigen Mann getroffen. Als dieser die Uniformierten erblickte, habe er die Flucht ergriffen, teilt die Polizei mit. Nach kurzer Verfolgung hätten die Ordnungshüter ihn kontrollieren und festnehmen können. Inzwischen sei er aber wieder auf freiem Fuß. Es werde noch ermittelt, ob und wie er in den Betrugsversuch involviert ist.
Die RHEINPFALZ hatte am Donnerstag in der Speyerer Lokalausgabe über den Vorfall berichtet. In der Meldung hieß es, dass die Seniorin die Betrüger durchschaut und nach dem Anruf ihre Tochter kontaktiert, welche die Polizei informiert habe. „Das war leider nicht so“, berichtet Christine L. Ihre Mutter habe von der Masche schon gelesen und sei sich sicher gewesen, nicht darauf hereinzufallen. Aufgrund des nicht nachlassenden Drucks habe sie den Fremden aber irgendwann geglaubt.
Info
Die Polizei bietet Beratungen unter anderem zu Betrugsmaschen an. Eine Beratungshotline zu Telefonbetrug erreichen Sie unter der Telefonnummer 0621 9631515. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Polizei in Rheinland-Pfalz.
