Speyer
Weihnachtsstück im Kinder- und Jugendtheater
Michael Endes „SatanarchäolügenialkohöIlischer Wunschpunsch“ hat Kinder und Erwachsene im ausverkauften Alten Stadtsaal 36 Jahre nach der Buchpremiere ausnahmslos begeistert.
15 Uhr läutet es vom Dom, als der Begrüßungsapplaus im Alten Stadtsaal einsetzt. Auf der Bühne ist es Silvesterabend 17 Uhr. Im Theatercafé duftet es nach Punsch, den das Speyerer Tee-Kontor speziell für die Premiere gebraut hat und der den Besuchern in der Pause serviert wird.
90 Minuten dauert es, bis alle „Abenteuer überstanden, alle Effekte präsentiert und alle Botschaften angekommen sind. Es gibt viel zu lachen im Zaubermärchen und noch mehr mitzufiebern. Zauberrat Professor Beelzebub Irrwitzer (Maximilian Wex) verbreitet Hektik in seiner Giftküche, die hervorragend ins wunderschöne Bühnenbild integriert ist. Seine Nervosität greift auf die Zuschauer über. Sieben Stunden bleiben ihm, vorgeschriebene Untaten zu begehen beziehungsweise in die Wege zu leiten. Wex spielt überaus authentisch, was ihm das Mitleid der jungen Zuschauer sichert. Der böse Wille des Zauberrats ist vorhanden, die Zeit reicht indes nicht. Besuch von Gerichtsvollzieher Made (Stefan Schmitt) macht die Sache für Irrwitzer nicht einfacher.
Zu erbringende Höllentaten
Gnadenlos pocht Made auf Einhaltung der vom Teufel vertraglich festgelegten jährlich zu erbringenden Höllentaten. Dabei hat der Professor so gar keine Lust, bereits nach 187 Lebensjahren zur Hölle zu fahren. Er tut, was er kann. Joachim Stehle schmeichelt dem Zauberrat, den er ausspionieren soll, als hingebungsvoller Kater. Großartig bewegt sich der Darsteller im entzückenden Katzen-Kostüm auf der Bühne, im Sessel oder unter dem Tisch, streckt sich, gähnt und schläft, wie es nur Kater so ausgiebig können. Stehle, der in einem kleinen Dorf im Allgäu lebt, spricht ausgezeichnetes Hochdeutsch. Wenn er seine Oma Mia zitiert, verfällt er so perfekt ins Schwäbische, dass das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.
Papst Silvester ist auch dabei
Mit verletztem Flügel und vom Pech verfolgt stolpert Paul Wellenhof im kreativen Raben-Federkleid durchs Fenster ins Geschehen und meldet den Besuch von Irrwitzers Tante Tyrannia (Elisabeth Sterzer) an. Diese Aussicht versetzt den Professor in Panik, die ihn grandios vom einen zum anderen Reagenzglas stürzen lässt. Alle lustigen Versuche des Raben, den Kater vor Irrwitzer zu warnen, scheitern. Kater und Rabe werden zu Interims-Freunden, die sogar dem von Schmitt köstlich dargestellten Papst Silvester ihre Aufwartung auf dem Heiligen Stuhl hoch oben auf der Baustelle am anderen Saalende machen. Am Ende sind sie die wahren Helden, die sich „In Nächten wie diesen“ dem umgedichteten Tote-Hosen-Klassiker wie Rockstars verabschieden. Zuvor legt Geldhexe Tyrannia mit ihrem Neffen einen gelungenen Tango aufs Bühnenparkett. Die 300-Jährige tänzelt gekonnt durch das Zaubermärchen, bis sich der Punsch als harmlos herausstellt.
Wunderbare Ausstattung
Die von Regisseur Matthias Folz genial ausgearbeitete Theater-Fassung vereint, was ein Stück für junge Zuschauer zur Weihnachtszeit braucht: Anspruch, Wohlfühlcharakter, Humor, Show, wunderbare Ausstattung und Spannung beim Warten aufs Christkind.
Info
Aufführungen Sonntag 7., Samstag 13. und Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr, Samstag 20., Freitag, 19., und Sonntag, 21. Dezember, 15 Uhr im Kinder- und Jugendtheater. Karten gibt es im Spei’rer Buchladen, Unverpackt-Kaufladen, Café Poco, oder bei Ars Ludi in der Tourist-Info und allen Reservix-Vorverkaufsstellen.