Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wegen Verstoßes gegen das Waffelgesetz gesperrt bis 2924 – Unsere Tippfehler des Jahres

„Dieser Sekt geht keinem Champagner aus dem Weg.“ Na, dann Prost.
»Dieser Sekt geht keinem Champagner aus dem Weg.« Na, dann Prost.

Der Mensch macht Fehler. Das ist nicht schlimm und kann sogar positive Effekte haben – zum Beispiel wenn es um die Stilblüten geht, die im zu Ende gehenden Jahr für Erheiterung in der Redaktion gesorgt haben. Hier unser Rückblick, was 2024 fast in der Zeitung erschienen wäre, aber in den meisten Fällen gerade noch rechtzeitig entdeckt wurde.

Freud’sche Versprecher sind ein bekanntes Phänomen: Man verplappert sich und bringt dabei aus Versehen zum Ausdruck, was man zwar nicht sagen wollte, aber eigentlich tatsächlich denkt. Wäre also nur logisch, wenn sowas auch in schriftlicher Form, sozusagen als Freud’sche Verschreiber, existiert. Offenbar haben viele Autoren beim Verfassen ihrer Texte ans Essen gedacht – zum Beispiel wenn von einem „Verstoß gegen das Waffelgesetz“ die Rede war und nicht vom Verstoß gegen das Waffengesetz. Nach einem leckeren Spiegelei hat sich möglicherweise die Autorin gesehnt, die der Waldseer Bürgermeisterin bescheinigte, „bei ihr muss alles klar definiert und struktureiert“ sein – oder hatte sie eigentlich „rumeiern“ gemeint, was so ziemlich das Gegenteil von „strukturiert“ ist? In der Speyerer Stadtverwaltung war es offenbar kurz vor der Mittagspause, als anstelle des Worts „Stakeholder“ der „Steakholder“ in eine Beschlussvorlage rutschte. Nach einem guten Longdrink sehnte sich wohl der Schreiber, der verkündete, dass durch das Pyramidendach des Erweiterungsbaus des Historischen Museums „Wasser ins Gebäude eindrinkt“. Und das „Grabmahl für zwei Separatisten-Attentäter auf dem Friedhof“ kommt als Leichenschmaus ungefähr 100 Jahre zu spät.

Dürfen es ein paar Instagramm mehr sein?

Einen gesegneten Appetit zu haben, ist dabei keine Erscheinung, die sich auf die Gegenwart beschränkt. Wie anders ist zu erklären, was in einem Texte über St.-Martins-Kirchen stand – nämlich dass diese „dem so beleibten Heiligen geweiht sind“. Zum Glück gab’s damals noch kein „Instagramm“, wie das soziale Netzwerk Instagram in einer anderen Geschichte vom Autor genannt wurde. Für St. Martin wäre wahrscheinlich Insta-Zentner die bessere Wahl gewesen. Vielleicht hätte der Heilige nicht so über die Stränge geschlagen, wenn es damals schon eine Erfindung gegeben hätte, die möglicherweise mit schmerzhaften Mitteln vom Konsum klimaschädlicher Lebensmittel abhält: „Mehrwehverpackungen seien ein nachhaltiger Beitrag für die Klimaschutzstrategie“ hieß es in einem Text. Aber Kirche und Genuss, das ging ja schon immer gut zusammen. Oder wie es der Dombauverein bei der Vorstellung seines Domsekts formulierte: „Dieser Sekt geht keinem Champagner aus dem Weg.“ Wen das noch nicht überzeugt, der kann natürlich zuerst auch einen „Gottestdienst“ besuchen, bevor er der katholischen Kirche beitritt. Mit der Fastenzeit muss man es ja nicht so genau nehmen: „Genossen wird am Samstag, 23. März“, hieß es in der Ankündigung zum Ostereierschießen der Sportschützen Otterstadt. Ob jeder Sportschütze Mitglied der Kirche ist, wissen wir nicht. Bei der KFD Harthausen ist hingegen davon auszugehen, ebenso wie davon, dass es sich dabei vor allem um Frauen handelt – der Verweis auf 198 „Mitgliederinnen“ ist deshalb ebenso unnötig wie sprachlich falsch.

Auf dem Rehweg darf auch geradelt werden

Die Infrastruktur war ein weiterer Schwerpunkt bei den Stilblüten, welche die Redaktion im zu Ende gehenden Jahr gepflückt hat. Tierschutz in allen Ehren, aber ob es angesichts von zwei Verletzten infolge eines Zusammenstoßes eine gute Idee war, in der Landwehrstraße einen „geteilten Reh- und Radweg“ auszuweisen? Und lange Sperrungen wegen Baustellen sind die Speyerer zwar gewöhnt, aber dass die Wormser Landstraße von Montag, 6. Mai, „bis voraussichtlich Sonntag, 26. Mai 2924 für den Verkehr gesperrt“ sein sollte, ist dann doch eine neue Dimension. Gut, manchmal liegen solche Verzögerungen an langen Lieferzeiten. Einen „Bangfallzaun“, wie er für den Spielplatz im Sanddornweg angeschafft werden sollte, muss man schließlich erst mal finden. Die Sanierung der A61-Rheinbrücke klappte hingegen im Text unseres Reporters in Rekordzeit: „Nach zweimal 55 Minuten pausenloser Arbeit sind beide Fahrtrichtungen wieder frei“, hieß es darin. Allerdings waren es tatsächlich dann doch zweimal 55 Stunden.

Kinder zufrieden: Eltern durchgehend betreut

In Dudenhofen sind sichere Schulwege immer wieder mal Thema im Ortsgemeinderat. Die Kommunalpolitiker mögen noch nicht allzu viel in der Richtung erreicht haben, aber sie sind eigentlich ganz nett. Jedenfalls kein Grund für die Bedenken, die es offenbar von Müttern und Vätern gibt: „Vielen Eltern ist es zu gefährlich, ihre Kinder alleine zur Schule gehen oder mit dem Rat fahren zu lassen.“ In Waldsee sind es nicht die Kinder, sondern Mama und Papa, die behütet werden müssen. Also Achtung, liebe Kinder: „Für 65 Euro im Monat erhalten Eltern in Waldsee eine durchgehende Betreuung von 7 bis 16 Uhr.“

Sie sehen also, liebe Leserinnen und Leser: Fehler machen kann sogar lustig sein. Sollten sie Jahresend-Trübsal blasen, dann hoffen wir – um es mit einer schön-schrägen Formulierung aus einer Pressemitteilung der Deutschen Glasfaser auszudrücken – Ihr „Stimmungstief wieder auf Kurs gebracht“ zu haben.

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