Speyer
Website ist nicht gleich Website: Was eine Agentur ihren Kunden rät
„Man braucht ein wandelbares Team“, sagt Tobias Klein. Der 37-Jährige ist Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Firma Sunconcept. Er kennt die Herausforderungen seiner Branche. Sie sei ständig in Bewegung, wobei Klein ganz grob alle zwei bis drei Jahre einen neuen Megatrend wahrnimmt. Sei die Agenturarbeit bei der Gründung vor einem Vierteljahrhundert noch sehr „print- und messelastig“ gewesen, so habe die Digitalisierung vieles verändert. Websites rückten in den Mittelpunkt und wurden ständig weiterentwickelt. Mobiles Webdesign wurde wichtiger, dann die responsive Variante, die sich automatisch an die Bildschirmgröße anpasst. Inzwischen ist die Künstliche Intelligenz (KI) ein immer größer werdendes Thema für Klein und Kollegen. „Wir wollen sie nutzen, ohne Angst zu haben, dass sie uns ersetzt.“
Der heutige Geschäftsführer kam vor 18 Jahren zu der im September 2000 in Mannheim gegründeten Agentur. Zunächst war er Praktikant, dann durfte er nach dem Fachabitur bleiben und baute den Web- und Digitalbereich auf, mit dem er sich schon privat beschäftigt hatte. Der damalige Gesellschafter Thomas Gast setzte auf ein dreiköpfiges Team. Als klar war, dass mehr möglich ist und ohnehin der Generationswechsel nahte, rückte Klein in die Geschäftsführung auf. Vier Jahre führte er Sunconcept zusammen mit dem heute noch als Senior Consultant einbezogenen Gast, seit zwei Jahren ist er alleine verantwortlich. Denis Paul ist als Art Director seine rechte Hand. In Speyer hatte die Agentur schon mehrere Standorte, zuletzt länger am Hirschgraben, bevor 2023 Wachstum im Industriehof möglich wurde. „War genau die richtige Entscheidung“, sagt Klein.
Sehr junges Team
Sieben Köpfe zählt das wandelbare Team. Es ist mit einer Spanne von 25 bis 38 Jahren sehr jung und hat eine starke Speyer-Komponente: Fünf Mitarbeiter kommen wie Gast aus der Domstadt. Zum Kundenkreis gehörten treue Unternehmen aus dem Mannheimer Bereich, aber wiederum viele Speyerer. Klein zeigt stolz die Referenzen aus einem breiten Portfolio von der Gewo bis zum stark expandierenden Ingenieurdienstleister Spiratec. Hauptzielgruppe sei der technische Mittelstand – da gebe es in der Region Unternehmen, die richtig stark seien in ihren Nischen. Klein ist begeistert, wenn er von deren Zuarbeit für Formel-1-Cockpits, U-Boot-Dichtungen oder Bewässerungsanlagen erzählt. Und eben von den Anteilen am Hersteller-Erfolg, die Sunconcept habe.
„Wir wollen verstehen, was sie machen“, sagt der Werbeexperte über seine Kunden. Deshalb seien gemeinsame Workshops entscheidend für die Arbeitsweise der Agentur. Man nehme sich viel Zeit für konzeptionelles, individuell auf die Kunden zugeschnittenes Marketing. Daraus entstünden langfristige Partnerschaften. Sunconcept zählt mehr als 150 Kunden aus 30 Branchen, für die mehr als 120 Websites online und weitere in der Vorbereitung seien.
Verkaufspsychologie zählt
„Was nutzt eine schöne Website, wenn niemand versteht, worum es geht“, fragt Klein. In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen dürfe nicht um den heißen Brei herumgeredet werden: Websites seien längst kein reiner Informationskanal mehr, sondern müssten verkaufspsychologisch aufgebaut werden, um einerseits Kunden und andererseits Mitarbeiter zu gewinnen. Dann amortisierten sich die Kosten schnell. „Es gibt immer noch Firmen, die glauben, sie hätten schon eine gute Website, aber gar nichts über ihre spannenden Projekte erzählen“, benennt er einen Kardinalfehler.
Das sogenannte Social Recruiting ist in Zeiten des Fachkräftemangels zum wichtigen Zweig der Full-Service-Agentur geworden. Eine Mitarbeiterin sei nur damit befasst, berichtet Klein. „Viele Kunden wollen alles aus einer Hand.“ Die Website bleibe meist der Dreh- und Angelpunkt im digitalen Auftritt: Wer dabei keinen gut gemachten Karrierebereich biete, gebe eine Chance aus der Hand, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Klein ist überzeugt, dass auch Sunconcept zu dieser Kategorie zählt. „Mein Team hält mir den Rücken frei“, verweist er auf seine eigene Rolle als junger Vater, die neue Anforderungen an seine Work-Life-Balance stelle. Das Jubiläum begehe Sunconcept zunächst mit einem Besuch der städtischen Wirtschaftsförderung sowie der Industrie- und Handelskammer. Im kommenden Jahr sei eine große Feier mit Kunden und Wegbegleitern geplant.