Speyer Was machen die Waldseer, wenn sie nicht feiern?

Haben den Heimatfilm produziert: (von links) Marcus Franck, Einar Magnus Görgen und Klaus Günter Hört.
Haben den Heimatfilm produziert: (von links) Marcus Franck, Einar Magnus Görgen und Klaus Günter Hört.

Das ganze Jahr 2017 war Klaus Günter Hört in Waldsee mit der Kamera unterwegs, auf allen Festen, durch die Straßen fahrend, die Kamera oben aus dem offenen Autoverdeck haltend – keine Angst, dann fuhr seine Frau –, oder gar auf dem Fahrrad durch den Wald. Am Freitag- und Samstagabend hat er den fertigen Waldsee-Film mit dem „technischen Leiter“ Einar Görgen, der für den Schnitt verantwortlich war, in der Kulturhalle vorgeführt. Die Einnahmen kommen dem Seniorenbeirat für soziale Zwecke zugute.

Die Zuschauer staunten über den Film und sagten „wunnerschää“ und „Gott, wie idyllisch“. Sollte ihn außerhalb Waldsees jemand sehen, gäbe es ein Problem: Woher die Hotelzimmer nehmen, die durch den schönen Film über die Rheinauengemeinde sicher nachgefragt werden? Nicht, das am Ende noch Otterstadt einspringen müsste. Klaus Günter Hört sprach selber mit sonorer Stimme den Kommentar im Film – nicht umsonst ist er Sohn des letzten Gemeindedieners, der noch bis Anfang der 1960er-Jahre mit der „Schelle“ ankündigend auf den Straßen laut und weithin verständlich die amtlichen Vermeldungen verlas. Ein „Ort mit Tradition und Lebensfreude“ sei Waldsee, die „Heimat ganz besonderer Menschen“, „mehr als ein Wohnort, eine Heimat“, und „wer einmal Waldseer Wasser getrunken hat, der bleibt“. Der Film, der als DVD bei Hört vorbestellt werden kann, zeigt den Jahreslauf von Januar bis Dezember. Beginnend mit wunderschönen Aufnahmen von mit Raureif überzogenen Bäumen im Wald und am Altrhein, wo das Federvieh auf dem Wasser nach Nahrung suchte. Gleich darauf folgte die Fastnachtskampagne des Waldseer Karnevalsvereins UNO, der in der Umgebung wohl die meisten Prunksitzungen abhält – alle mit eigenen Kräften, alle ausverkauft –, und noch dazu Bilder vom Fastnachtsumzug. Danach beginnt im Waldseer Festkalender der Frühling, mit blühenden Bäumen, dem – vorerst letzten – vom Obst- und Gartenbauverein geschmückten Osterbrunnen auf dem Partnerschaftsplatz und Ostereiersuchen im katholischen Kindergarten, gleich gefolgt vom alljährlichen Flohmarkt dieses Kindergartens vor der Sommerfesthalle. Die Hermann-Gmeiner-Grundschule feierte Schulfest, der MGV Eintracht sein Vatertagstreffen in der Sommerfesthalle mit einem großen Treffen von Oldtimern und Newtimern – Autos und Motorrädern. Mit hochgetunten Motoren fuhren die Biker zu ihrem mehrtägigen Ausflug, unter den Helmen der nach „Easy Rider“-Aussehenden die doch meist recht braven Sänger von MGV Eintracht und Concordia. Jazz-Frühschoppen der CDU, Bürgerfrühstück, Feuerwehrfest, Mittelaltermarkt, das Fest des Pfälzerwaldvereins mit den Oldtimer-Traktoren, Fischerfest mit den ältesten Bürgern – die ältesten Bürgerinnen haben ihren Kaffeenachmittag auf der Kerwe. Die Kette der Feste riss nicht ab. Eine hübsche Idee war, das Traubentreten als schwarz-weißen Stummfilm zu inszenieren. Die Verbindungen zwischen den Festen waren die Naturaufnahmen durch alle Jahreszeiten – vom Frühlingswald über ein sommerliches Mohnfeld, das Maler hätte erblassen lassen, bis zu Herbst- und Winterbildern, alte Fachwerkhäuser, die beiden Kirchen, Kriegerdenkmal, Flurkapelle und Heimatmuseum. Für Aufnahmen von oben war Marcus Franck aus Otterstadt mit seiner Drohne zuständig. Der Film ist weniger ein Dokumentarfilm über das Dorf als eine Liebeserklärung eines Waldseers. Nur eine Sache gibt zu denken: Was machen die Waldseer, wenn sie nicht feiern?

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