Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Warum nur noch eine Buslinie am Altpörtel halten könnte

Busknoten Postplatz: Soll bald der Vergangenheit angehören.
Busknoten Postplatz: Soll bald der Vergangenheit angehören.

Fragen & Antworten: Seit Monaten wird politisch um das neue Stadtbussystem gerungen, das ab 2023 gelten soll. Ziel: Die Nutzerzahlen sollen deutlich steigen. Jetzt wurden erste Vorentscheidungen getroffen. Um die „Gretchenfrage“ der Busgrößen wurde aber noch ein Bogen gemacht.

Sollen weiterhin Busse auf der Maximilianstraße fahren?
Das ist der erste der fünf „Eckpunkte“, die die Stadtverwaltung nach der bisherigen Diskussion formuliert hat. Die einstimmige Empfehlung am Dienstagabend in einer gemeinsamen Sitzung von Verkehrs- und Bauausschuss, über die nach den Sommerferien noch der Stadtrat befinden soll: Nur die Shuttlelinie soll noch durch die Fußgängerzone fahren. Regionale Linien – wie derzeit die nach Mechtersheim – sollen es nicht mehr. So lautete auch die Empfehlung der Verwaltung, die Fahrten über die „Maxi“ als „alternativlos“ bezeichnet. Der Umweg durch die Ludwigstraße wäre nachteilig. Das decke sich mit der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung, betonte Rebecca Körnig-Pich von der Stadtberatung Dr. Fries, die die Bürgerbeteiligung begleitete. Die Resonanz darauf sei mit 1000 Rückmeldungen bei vielen Anlässen „überragend“ gewesen. Ergebnis zur Maximilianstraße in einer Onlineumfrage mit 640 Teilnehmern: 70 Prozent pro Befahrung, 30 Prozent dagegen.

Wie soll die geplante „Shuttle“-Linie mit kleineren Bussen und dichterer Taktung verlaufen?
Hier ist die Politik noch weit von Einigkeit entfernt. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) stellte diese Frage noch nicht zur Abstimmung. Es geht um zwei Varianten: Erstens eine Linie von PFW oder zumindest zeitweise sogar vom Bereich des Postfrachtzentrums bis nach Speyer-Nord. Zweitens ein Ende der aus dem Süden kommenden Linie schon am Bahnhof und der Verzicht auf die Speyer-Nord-Runde. Der nördliche Stadtteil würde stattdessen durch eine eigene Linie angebunden, die in den Vogelgesang führen könnte. Die Stadt und ihr Gutachter Mathias Schmechtig raten zu erstgenannter Variante, weil die Qualität sinken würde, wenn Passagiere aus Speyer-Nord umsteigen müssten. „Schlägt viele Fliegen mit einer Klappe“, so Schmechtig über diese Variante. Es gibt aber auch Befürworter von Variante zwei, weil bei einem für das Shuttle verdichteten Takt zu wenige Mitfahrer im Norden der Stadt befürchtet werden. Er sei jetzt für das verkürzte Shuttle, so Axel Wilke (CDU). So könnten auch die von ihm gewünschten Verbesserungen für den Vogelgesang erreicht werden.

Standard- oder Midibusse?
Diese Frage ist mit der Shuttle-Frage verknüpft und wurde ebenfalls zurückgestellt. Die Empfehlung der Stadt lautet, die Linie über Maximilianstraße mit Midibussen zu bedienen, die anderen mit längeren Standardlinienbussen. In der Bürger-Umfrage wünschen sich 85 Prozent einen – wie auch immer gearteten – City-Shuttle. Auch die Politik befürwortet die kleineren Busse. Das große Aber sind die Kosten, die Gutachter Schmechtig angab: Wenn trotz kleinerer Bussen eine Kapazitätssteigerung erreicht werden sollte, müsste die Taktung deutlich enger werden. Von 7,5 Minuten ist die Rede, und Schmechtig kalkulierte, was das bei der langen Linie nach Speyer-Nord bedeuten würde: Mehrkosten von 1,1 Millionen Euro für alleine zwei der neun Stadtbus-Linien, weil gegenüber heute mehr Fahrer und zehn zusätzliche Fahrzeuge benötigt würden. Derzeit beträgt der städtische Zuschussbedarf für alle neun Linien 625.000 Euro im Jahr. OB Seiler will nun mit Politik und Experten über Sommer weiterberaten. „Komplexes Thema, schwierige Entscheidungen“, betonte sie.

Umstieg- und Haltestellen am Postplatz?
Haltestellen für die Maximilianstraßen-Linie ja, da sind sich alle einig. Beim Umstieg soll es aber der Postgraben vor der VR-Bank werden – die Politiker außer Luzian Czerny (Grüne) folgten dabei der städtischen Empfehlung. Hintergrund ist, dass der Postplatz umgestaltet und mehr Aufenthaltsqualität enthalten soll, was weniger Platz für Busse bedeuten würde. Die Politiker votierten hier anders als die Teilnehmer an der Bürgerumfrage, die sich zu 66 Prozent weiterhin ein Umsteigen am Postplatz wünschen würde.

Antriebsart der Busse?
Hier gab es eine einstimmige Entscheidung. Die Stadt hatte zunächst für Elektrobusse über die Maximilianstraße und gasbetriebene Gefährte auf den sonstigen Linien plädiert. Gutachter Christoph Zimmer riet jedoch dazu, komplett auf Elektrobusse zu setzen – und überzeugte. Hintergrund: Für die Anschaffung batterieelektrischer Busse gebe es kräftige Fördermittel, für Busse mit Gasantrieb nicht. Folge: Wenn die Zuschüsse fließen, sind Elektrobusse günstiger als Dieselbusse. Die Auswahl sei groß genug. Die Besonderheiten des Antriebs seien akzeptabel. „Im Lauf des Tages geht dem Bus die Puste aus“, so Zimmer. In den Fahrer-Pausen werde aufgeladen.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Ob die breite öffentliche Diskussion der künftigen Stadtbuslinien zu besseren Ergebnissen führt, ist nach derzeitigem Stand fraglich.

Die Planung eines Verkehrssystems ist komplex. Laien fehlt dabei teilweise der Einblick in Zusammenhänge. Wenn jetzt einzelne Pflöcke eingeschlagen werden, es jedoch erst im Herbst in einer weiteren Beteiligungsrunde um die Anbindung anderer Stadtteile geht, besteht die Gefahr, dass die Ergebnisse nicht zueinander passen. Und die Kosten: Wie werden die begrenzten Mittel aufgeteilt, wie wirkt sich das auf die Nutzerzahlen aus? Eine Chance wäre gewesen, ein Stimmungsbild einzuholen und dann ein Fachbüro ein Bussystem aus einem Guss schaffen zu lassen.

Zur Sache: Busfahrer streiken weiter

Die politische Debatte über die Stadtbusse fällt in eine Phase, in der in Speyer der Großteil der von der DB-Regiobus-Tochter bedienten Linien bestreikt wird. Seit Tagen sind keine Einstiege möglich. Vielen potenziellen Fahrgästen geht es wie dem 89-Jährigen aus der Kurt-Schumacher-Straße, der berichtet, er habe alle Arzttermine absagen müssen und komme auch nicht mehr zum Einkaufen. „Kein Zustand“, beklagt er sich. Die Speyerer Busfahrer informieren mit privaten Aushängen, der Streik sei nötig, aber „wir kommen bald zurück“. Jürgen Knoll, Bezirksgeschäftsführer der beteiligten Gewerkschaft Verdi, sagt: „Das kann noch dauern.“ Aus seiner Sicht liegt der Ball bei den Arbeitgebern, die auf einen Kompromissvorschlag von Verdi noch nicht eingegangen seien. Er könne „im Moment keine verlässliche Aussage“ zur Streikdauer machen, sagt Knoll. Die Beteiligung der Fahrer sei „überwältigend“.

Am Bahnhof: Busfahrer-Plakat erklärt den aktuellen Streik.
Am Bahnhof: Busfahrer-Plakat erklärt den aktuellen Streik.
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