Speyer Warum nicht Bergsteinheim?
«RÖMERBERG.» Als die Dinge nach dem Zweiten Weltkrieg ins Rollen kommen, gibt es noch einen Landkreis Speyer – heute der südliche Teil des Rhein-Pfalz-Kreises. Überlegungen für die Zukunft der Verwaltungseinheiten kursieren damals viele, manche davon betreffen auch die Gemeinden westlich und südlich von Speyer direkt. So lehnt der Kreistag 1964 einen Vorschlag der Landesregierung ab, Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen, Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim dem Kreis Germersheim zuzuschlagen. Doch Veränderung liegt in der Luft: Das rheinland-pfälzische Innenministerium fordert die Landräte im Jahr 1965 dazu auf sich zu überlegen, wie die „Verwaltungskraft der Gemeinden gestärkt“ werden könnte. Ins Blickfeld werden dabei zwei Organisationsformen gerückt: die neue Verwaltungseinheit der Verbandsgemeinde und die Groß- oder Einheitsgemeinde. Je nach Sichtweise sollen die neuen Gebilde mindestens zwischen 5000 und 7500 Einwohner haben. Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim zählen Ende der 1960er Jahre zusammen gut 6800 Einwohner. Anschluss an Speyer war Option Ab 1967 steht das Thema Fusion dann immer wieder auf der Tagesordnung der Ratssitzungen in den Räten der drei Orte, die heute Römerberg bilden. In Berghausen stellt beispielsweise im November 1968 der Beigeordnete Josef Dreier für die CDU den Antrag, der Zusammenlegung der drei Gemeinden zuzustimmen. Sieben Ratsmitglieder sagen Ja, sechs lehnen ab, eine Stimme ist ungültig. Die Entscheidung über einen Namen für die neue Einheit wird zurückgestellt: „Bergsteinheim oder Römerberg“ stellt Dreier als Vorschläge in den Raum. Der Name „Römerberg“ taucht auch im Januar 1969 wieder auf. Der Hintergrund: Römerberg ist der Name einer Gewanne in Heiligenstein, die den geografischen Mittelpunkt der neuen Großgemeinde bilden würde. Auch „Marnheim“ wird ins Spiel gebracht – der Name einer weiteren Gewanne in der Mitte der drei Gemeinden. Die SPD-Fraktion ist in Berghausen ein Gegner der Fusion zur Großgemeinde. Sie hätte eine Verbandsgemeinde oder sogar einen Anschluss an die Stadt Speyer bevorzugt. Wie verbissen über das Thema diskutiert wird, zeigt sich daran, dass zur Abstimmung die SPD-Ratsmitglieder ebenso wie jene der Wählergruppe Jester den Raum verlassen. Die verbliebenen sechs Ratsmitglieder stimmen für den Namen Römerberg. Der Name Berghausen soll als Ortsteilbezeichnung erhalten bleiben. Heiligenstein mit eigener Idee Weniger gespalten ist der Heiligensteiner Rat. 1968 spricht er sich bei acht Ja-Stimmen und vier Enthaltungen für eine Zusammenlegung aus. Bei der Namensgebung zeigen sich die Ratsmitglieder selbstbewusst: Die neue Großgemeinde soll den Namen Heiligenstein tragen. Im folgenden Jahr besinnt sich der Rat, dass ein gänzlich neuer Name doch zweckmäßiger sei und spricht sich für Römerberg aus – allerdings mit folgendem Zusatz: „Sollten die Gemeinden Berghausen und Mechtersheim ihren eigenen Namen als neuen Ortsnamen vorschlagen, so hält der Gemeinderat seinen Vorschlag (...) ,Heiligenstein’ aufrecht.“ In Mechtersheim spricht sich die CDU für die Großgemeinde aus, weil sie glaubt, dass diese im neu gebildeten Landkreis Ludwigshafen ein größeres Gewicht haben wird. Die SPD ist dagegen und plädiert für ein Bürgerbegehren. Ein – wohl nicht ganz ernst gemeinter – Vorschlag eines CDU-Ratsmitglieds, welchen Namen das neue Gebilde tragen soll: „Kleinhoffmannskögel“ – benannt nach den drei Bürgermeistern Theodor Kögel (Berghausen), Alfons Hoffmann (Heiligenstein) und Alois Klein (Mechtersheim). Termin Römerberg feiert am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen: am Samstag, 11. Mai, ab 19 Uhr, gibt es einen Festabend in der Rhein-Pfalz-Halle. Am Sonntag ab 10 Uhr präsentieren sich in und vor der Halle Römerberger Vereine.