Speyer
Warum Georg Johann Dasch in den USA Sabotage-Pläne der Nazi gestand
Georg Johann Dasch reiste 1922 illegal in die USA ein, wo er anschließend vorwiegend als Kellner arbeitete. 1941 kam er zurück nach Speyer. Sein Vater soll ihn mit den Worten empfangen haben: „Ich hab’ 13 Kinner und immer gemäänt, du wärscht de Gscheitscht devuu. Nää, du bischt de Dümmscht. Wie kann mer blooß in äner Zeit wie heitzudaach noch Deitschland zurick kumme?“
Den Nationalsozialisten kamen USA-Rückkehrer wie Dasch gerade recht. Der zuvor in der NSDAP-Auslandsorganisation tätige Abwehroffizier Walter Kappe rekrutierte die mit Sprache und Lebensgewohnheiten der USA vertrauten Männer. Sie sollten nach einer Ausbildung zu Saboteuren wieder in Nordamerika eingeschleust werden, dort Industrie-Einrichtungen, Staudämme und Eisenbahn-Verbindungen sprengen.
In Manhatten einquartiert
Zusammen mit Ernst Peter Burger, Heinrich Harm Heinck und Richard Quirin wurde Dasch also am 14. Juni 1942 mit einem U-Boot an die Westküste der USA zurückgebracht. Sein Weg führte nach Amagansett in der Stadt East Hampton in Long Island im US-Bundesstaat New York.
Dasch scheiterte gleich nach dem Anlegen. Eine Küstenwache entdeckte die mit einem Schlauchboot angelandeten Männer. Dasch steckte dem Wachmann Geld zu und riet ihm, den Vorfall zu vergessen. Der junge Amerikaner aber lief davon, um Kollegen zu holen. Als sie zurückkamen, war das Quartett verschwunden. Die Deutschen hatten einen Pendlerzug nach New York City genommen und sich in zwei Hotels im Bezirk Manhattan einquartiert. Ein zweites Sabotagekommando mit Edward Kerling, Werner Thiel, Herbert Hans Haupt und Hermann Neubauer war zunächst mit dem Bus nach Jacksonville im US-Bundesstaat Florida gefahren, von dort mit dem Zug nach Cincinnati in Ohio und schließlich in Chicago in Illinois angekommen.
Dasch hatte wegen der geplanten Sabotage im Auftrag der Nazis Bedenken. Prahlereien eines Sabotage-Ausbilders über Juden-Morde der SS in Polen sollen der Anlass gewesen sein. Der Speyerer hatte in seiner Heimatstadt und wohl auch in den USA mehrere jüdische Bekannte. Er wandte sich deshalb ans FBI in New York City, doch dort wurde die Sache nicht ernst genommen. Dasch fuhr nach Washington ins FBI-Hauptquartier und machte eine Aussage, die zur Festnahme aller anderen eingeschleusten U-Boot-Agenten führte.
Von Präsident begnadigt
Am 8. August 1942 verurteilte ein Militärgericht Dasch zu 30 Jahren Zuchthaus. Burger bekam eine lebenslange Haftstrafe, die anderen wurden zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Dasch beteuerte: „Das habe ich nicht gewollt.“
US-Präsident Harry S. Truman begnadigte Johann Georg Dasch und Ernst Peter Burger im April 1948. Sie wurden in die amerikanische Zone von Deutschland abgeschoben. Der Speyerer konnte nicht in die von Franzosen besetzte Heimatstadt zurückkehren. In Frankfurt fand er eine Stelle bei einer Fluggesellschaft, später soll er Kellner in Saarbrücken und Mitarbeiter in einem Kaiserslauterer US-Motel gewesen sein. Im Alter zog er zu seiner Schwester in die Kaiser-Wilhelm-Straße nach Ludwigshafen.