Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die TG Waldsee seit 14 Monaten ohne Spiel ist

Niklas Eckrich (Mitte) von der TG Waldsee stammt aus einer handballverrückten Familie.
Niklas Eckrich (Mitte) von der TG Waldsee stammt aus einer handballverrückten Familie.

Die Pfalzliga-Handballer der TG Waldsee sind von der Corona-Pandemie kräftig gebeutelt worden. In ihrer vorerst letzten Partie verlor das Team von Trainer Benny Wingerter vor über einem Jahr am 8. März 2020 gegen den TV 03 Wörth mit 28:29. Dann verpassten sie auch noch den Rundenstart. Eines fehlt dem Team besonders.

Nach 18 Spieltagen war die Saison 2019/20 für das Team der TG Waldsee beendet. Es war eine Saison ohne Wert. Es gab nämlich keine Auf- und Absteiger. Waldsee landete auf dem neunten Rang bei sieben Siegen und elf Niederlagen.

Es wurde nicht besser. Denn auch die ersten beiden Spieltage der Saison 2020/21, die im Oktober letzten Jahres startete, gingen kampflos an der TG-Mannschaft vorbei. „Wir hatten zwei unbestätigte Corona-Verdachtsfälle im Kader und sagten deshalb aus Sicherheitsgründen die beiden Begegnungen ab“, erzählt Niklas Eckrich, linker Rückraum-Spieler des Pfalzligisten.

Eckrich kommt aus einer Handballer-Familie. Dem 20-Jährigen sei der Handballsport in die Wiege gelegt worden. „Meine gesamte Familie, also Opa, Papa Fred und die Geschwister sind positiv handballverrückt. Also kam auch ich schon im frühkindlichen Alter zwangsläufig zu diesem tollen Sport“, schildert Eckrich.

In Südamerika mit A-Jugend

Bereut hat der junge Mann diese Entscheidung noch nie, denn er durfte schöne Erfolge erleben: Pfalzmeister mit der A-Jugend, die in der Oberliga auflief, dreimalige Teilnahme am Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin mit dem Paul-von-Denis-Gymnasium Schifferstadt. Als nach wie vor sehr eindrucksvolles Erlebnis bezeichnet der Student der Betriebswirtschaftslehre die tolle Südamerikareise mit der A-Jugend.

Wie immer, sei auch in der Saison 2019/20 ein Mittelfeldplatz mit Blick nach oben das Ziel gewesen. „Dass wir uns ausgerechnet in der vorerst letzten Partie mit einer überflüssigen Niederlage in die lange Pause verabschiedeten, war einfach nur ärgerlich und bitter, zumal wir dicht vor dem Sieg standen“, hadert der gebürtige Speyerer noch heute. Die Mannschaft habe den Start total verschlafen und sei in der ersten Hälfte einem ständigen Rückstand hinterher gelaufen. „Im zweiten Abschnitt erwachte unser Kampfgeist. Das Umschaltspiel funktionierte wesentlich besser und die sich bietenden Chancen nutzten wir mit einer guten Mannschaftsleistung weitaus konsequenter. Zehn Minuten vor Schluss lagen wir schließlich mit vier Toren vorne und schienen einem sicheren Sieg entgegenzusteuern. Dann kassierten wir allerdings eine Rote Karte und ließen Wörth nach einigen technischen Fehlern mit nur noch zwei Treffern zum Ausgleich kommen“, erinnert sich Eckrich. Kurz vor Schluss erzielten die Gäste den für Waldsee bitteren Siegtreffer. Diese Niederlage hatte aber keine gravierenden Auswirkungen auf die Tabellensituation.

Dass es nach dem berechtigten Abbruch so lange dauern würde, bis das Team wieder Gelegenheit bekommt, an Punktspielen teilzunehmen, sei nicht vorhersehbar gewesen, meint Eckrich. Doch schon bald habe er bei steigenden Corona-Zahlen erkennen müssen, dass mit einer längeren Pause zu rechnen sei. Beim Handball als Kontaktsport halte er die behördlichen Einschränkungen für angemessen, wenngleich viele Vereine, wie auch der Breitensport kräftig darunter litten.

Motivation sinkt etwas

Auch seinen Mitspielern fehle der soziale Kontakt. „Wir fühlen uns im Team wie eine große Familie, sitzen nach dem Training und den Spielen gerne noch zu einem Plausch zusammen, was derzeit alles nicht möglich ist. Das vermissen wir alle natürlich sehr“, erzählt Rückraumspieler Eckrich. Mit wöchentlich von Trainer Benny Wingerter herausgegebenen Trainingsplänen halte sich die Mannschaft „so einigermaßen“ fit.

Je länger die Unterbrechung wegen der Pandemie allerdings dauere, desto mehr sinke die anfängliche Bereitschaft zur Teilnahme am eigenverantwortlichen Training ebenso wie an den Online-Meetings über Zoom. Ohne konkrete Aussicht auf den Wiederbeginn flache die Bereitschaft immer mehr ab, stelle Eckrich bedauernd fest. Und bislang steht nicht fest, wann die kommende Saison starten wird.

Die Serie

In unserer Serie „Das letzte Mal“ berichten Sportler von ihrem letzten Wettkampf, bevor Corona alles unmöglich machte, von Hand- über Fußball bis Hockey, Schwimmen. Und da gibt es einige, bei denen seit über einem Jahr nichts mehr geht.

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