Speyer Warum der Bischofssitz vor 200 Jahren beinahe verschwunden wäre

Wollte den Bischofssitz von Speyer nach Aschaffenburg verlegen: Bischof Matthäus Georg von Chandelle.
Wollte den Bischofssitz von Speyer nach Aschaffenburg verlegen: Bischof Matthäus Georg von Chandelle.

Der 9. Dezember 1821 war für Speyer ein besonderer Tag: Während vor 200 Jahren der erste Speyerer Bischof nach der Napoleonischen Zeit in München seine Weihe empfing, nahm das Domkapitel in der Kirche des Klosters St. Magdalena in Speyer seine Arbeit auf. Doch der Neustart des Bistums war mit Schwierigkeiten verbunden: Denn dass die Domstadt ein Bischofssitz bleiben soll, war nicht selbstverständlich.

Das alte Fürstbistum Speyer war Anfang des 19. Jahrhunderts nach der Französischen Revolution untergegangen. Speyer erhielt aber im Gegensatz zu anderen traditionsreichen Diözesen wie Worms oder Konstanz die Chance für einen Neubeginn. Allerdings – nach dem Verlust der rechtsrheinischen Gebiete – mit wesentlich verkleinertem Gebiet, erinnert das Bistum Speyer.

Die Übernahme der später als Pfalz bezeichneten Region durch Bayern 1816 war entscheidend für die Wiedergründung des Bistums Speyer. Papst Pius VII. und König Max I. Joseph besiegelten das am 5. Juni 1817 im Bayerischen Konkordat.

Wer soll Bischof werden?

Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Bischof. Der bayerische König hatte zunächst den Würzburger Weihbischof Gregor von Zirkel vorgesehen, der jedoch Ende 1817 starb. Der Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar lehnte altersbedingt ab. Auf seine Empfehlung, seinen Generalvikar Johann Jakob Humann einzusetzen, ging der König nicht ein.

Am 5. Februar 1818 nominierte er schließlich Matthäus Georg von Chandelle, den 72-jährigen ehemaligen Direktor des erzbischöflichen Regensburger Vikariats in Aschaffenburg. Der Papst bestätigte den neuen Bischof im Mai 1818. Doch geweiht wurde Chandelle erst am 9. Dezember 1821 in München, wo er erkrankt angekommen war.

Zwei junge Domkapitulare

Am gleichen Tag installierte Humann in der Kirche des Klosters St. Magdalena in Speyer das neue Domkapitel. Die erste Sitzung des neuen Gremiums fand am 12. Dezember 1821 statt. Dompropst und Domdekan wurden mit Johann Valentin Metz und Franz Donat Werner zwei Über-70-Jährige. Die beiden jüngsten Kapitulare Johannes Geissel und Nikolaus Weis, die im August 1822 ernannt wurden, waren erst 26 Jahre alt. Beide bestiegen im Laufe des 19. Jahrhunderts selbst den Speyerer Bischofsstuhl.

Für die neue Diözese war es ein äußerst schwieriger Beginn: Der Dom konnte wegen Kriegsschäden nicht genutzt werden, es gab zu wenige Priester, und die finanziellen Verhältnisse waren schwierig. Da zudem keine geeigneten Wohnungen für den Bischof sowie das Domkapitel vorhanden waren und im mehrheitlich protestantischen Speyer eine kirchenfeindliche Stimmung befürchtet wurde, wollte Chandelle Aschaffenburg als Bischofssitz durchsetzen. Das gelang dem Bischof jedoch nicht.

Reise in die Westpfalz

Chandelle stand für seine Amtsführung in der Kritik. Mit dem Domkapitel und dem übrigen Klerus verkehrte er nur schriftlich. Ihm wurde außerdem vorgeworfen, keine Firmreisen und Pfarrvisitationen zu unternehmen. Um diese Kritik zu entkräften, trat Chandelle am 6. Juni 1826 eine Firmreise in die Westpfalz an.

Doch die Anstrengung war für den 80-Jährigen zu groß. Nach einigen Stationen musste Chandelle wieder nach Speyer zurückkehren. Dort starb er unmittelbar nach seiner Ankunft am 30. Juni 1826. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem damaligen städtischen Friedhof. Nach einer Station im Dom ist die Grabplatte heute auf dem Friedhof des Domkapitels bei St. Bernhard zu finden.

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