Speyer Warten auf die ruhigen Jahre

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Von einer Katastrophe hatten die Kleingärtner gesprochen, als vor drei Jahren weite Teile des Kugelfangs überschwemmt waren. Davon ist man derzeit weit entfernt, aber für Krisensymptome sorgt das Druckwasser im Speyerer Süden an vielen Stellen. Bauern fürchten große Ausfälle, die Stadt erarbeitet einen Maßnahmenkatalog.

„Vor allem in Dammnähe ist es übel“, sagt Wolfgang Sohn vom Marienhof. Der Vorsitzende des Speyerer Bauernvereins ist nach eigener Aussage auf 15 bis 20 Hektar betroffen, und auch bei seinen Berufskollegen sei es vielerorts dasselbe Bild: Felder stehen unter Wasser, zum ohnehin hohen Grundwasserstand in der Vorderpfalz kommen ein hoher Rheinpegel, Niederschläge und begrenzte Abflusspotenziale: Es staut zurück. Und das seit 14 Tagen. „Beim Mais sieht man es bereits jetzt, am Weizen gibt es auch schon Stellen, die vergilben. In einer Woche wird das Ausmaß des Schadens richtig zu sehen sein“, sagt Sohn. Sein Appell wie eh und je: eine bessere Pflege der Entwässerungsgräben – wogegen teils der Naturschutz spreche. Weniger betroffen sind diesmal die Kleingärtner. „In einem Teil der Gärten steht das Wasser“, so Andreas Weiß aus dem Vorstand des Reviers in der Rheinhäuser Straße. In seiner eigenen Parzelle habe er einen sehr schlammigen Boden und die Befürchtung, „dass die Pflanzen verfaulen“. Im vor genau drei Jahren mit 190 überschwemmten Gärten am schlimmsten betroffenen Revier Kugelfang ist die Lage einigermaßen ruhig, auch wenn Landwirt Sohn in der vergangenen Woche nach eigener Aussage mit einem Pächter aneinandergeraten ist, „der Wasser auf meinen Acker abgepumpt hat“. Mit einer gehörigen Portion Fatalismus nehmen viele Anwohner im Neuland die Probleme hin. Sie kennen die Situation: „Die Häuser stehen alle im Wasser, sie sind zu nah am Altrhein“, sagt Angela Sachweh, die in der Alten Rheinhäuser Straße wohnt. Bei ihr laufen zwei Pumpen, „damit das Wasser im Keller nicht zu hoch steht“. Sie berichtet: „Ein Nachbar sagt, es sei immer mal drei Jahre doll, dann kämen zehn ruhige Jahre. Auf die warten wir jetzt.“ Weniger entspannt gibt sich Luise Ball, Anwohnerin der Industriestraße: Der Fischergraben, in den sie das Oberflächenwasser von ihrem Anwesen leiten müsse, sei so stark zugewachsen, dass er seiner Funktion nicht mehr gerecht werde. Die Stadt reinigt ihn – wie berichtet – nur im Winterhalbjahr, da ein Artenschutzgutachten beachtet werden müsse: „Man darf den Graben nicht als Biotop betrachten, wenn er seine Funktion nicht erfüllen kann“, so die Position der Anliegerin. Folge für sie ist, dass die private Entwässerungsanlage, die sie für 20.000 Euro habe einbauen lassen, seit zwei Wochen auf Hochtouren laufen müsse. Auch das Schöpfwerk im südlichen Domgarten, das das Grabensystem entlasten soll, weil es bei hohem Pegel zu Rückstaus vom Rhein und Speyerbach her kommt, sei im Dauerbetrieb, so Barbara Fresenius von der Pressestelle der Stadtverwaltung. Sie weiß von viel Zusatzarbeit des Betriebshofs, aufgeweichtem Erdreich und „Pfützen in den Gärten“. „Inhaber“ einer Groß-Pfütze ist unter anderem Roland Kern, Chef der Flugplatz-Betreibergesellschaft FSL: „Der Flugbetrieb ist nicht eingeschränkt, aber einige Parkplätze und auch einer unserer Zurollwege sind betroffen“, berichtet er. „Pumpen bringt nichts, wir müssen abwarten“, lautet seine Strategie. Auch Michael Hopp bleibt mit dem Hintergrund eines Jahrzehnts als Stadtfeuerwehrinspekteur entspannt: „Größere Probleme gab es nur kurzzeitig nach einem Starkregen in Römerberg, die Schöpfwerke haben die Sache in den Griff bekommen.“ Es habe wenig abzupumpen gegeben, auch Straßensperrungen seien noch unnötig. Er weiß: Alles hat auch mit dem Rheinpegel zu tun. Bei 6,45 Meter war der gestern, sieben Meter drohen. Hopp: „Ab 7,20 Meter fangen wir an uns Gedanken zu machen, ab acht Meter bekommen wir einen feuchten Rücken.“

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