Speyer
Wann rollen die E-Scooter an?
Neustadt an der Weinstraße, vergangene Woche. In der Stadt, die beim Leihfahrradsystem Nextbike erst lange nach Speyer an den Start gegangen ist, stehen plötzlich Leihroller der Firma Zeus bereit: vor dem Bahnhof, am Straßenrand, anderswo in der Stadt. 25 insgesamt. Tags zuvor hatte die Stadtverwaltung noch abstrakt von Verhandlungen mit möglichen Anbietern berichtet. „Weil die Unternehmen aber nicht bei uns vorsprechen müssen, ist das in Ordnung“, ordnete die dortige Verkehrsplanerin ein.
Auch in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg gibt es schon E-Roller zum Leihen, zudem in einigen weiteren nordbadischen Städten. In Speyer nicht. Noch nicht. „Der Stadtverwaltung Speyer liegen auch entsprechende Angebote von Anbietern aus dem Bereich E-Leihroller/E-Scooter vor. Sie befindet sich mit den Anbietern im Gespräch und prüft derzeitige Kooperationsmöglichkeiten“, teilt Annika Siebert, Sprecherin der Verwaltung, auf Anfrage mit. Details gibt’s dazu keine: Es liefen noch Abstimmungen – intern und mit den Interessenten, die sollten nicht gefährdet werden.
„Rechtsfreier Raum“
Fakt ist: Wenn ein Anbieter auf Kooperation mit der Stadt setzt, ist das sicher nicht zu seinem Nachteil. Er muss es aber (noch) nicht, wie Christian Thiemann, Sprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar in Mannheim, erläutert: „Das ist noch ein Stück weit rechtsfreier Raum. Rechtliche Möglichkeiten bestehen in erster Linie nicht, da es kein Vertragsverhältnis zwischen den jeweiligen Städten und den E-Roller-Anbietern gibt.“ Die Gefährte sind erst seit Mitte 2019 in Deutschland zugelassen und es fehle schlicht an Regelungen, wo sie auf öffentlichen Verkehrsflächen „parken“ dürften.
Der VRN hat stattdessen für die Kommunen im Verbund eine Selbstverpflichtungserklärung formuliert, die Verleihfirmen wie Zeus Scooters unterschreiben sollen. Damit sollen für alle betreffenden Städte möglichst einheitliche Verhältnisse geschaffen werden. Die Erklärung enthält gewisse Spielregeln. So dürfen die fahrbaren Untersätze zum Beispiel nicht in Fußgängerzonen, öffentlichen Grünanlagen und anderen Verbots- und Sperrbereichen abgestellt werden.
Gute Zusammenarbeit
Thiemann teilt mit, dass die Zusammenarbeit mit den bisher vier Scooter-Anbietern in der Region gut läuft. Dabei sei die Nachfrage wegen Corona zuletzt gesunken. Die Anbieter Tier, Bird und Lime sind jeweils in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg am Start, Tier auch in Kaiserslautern. Zeus steht für Heidelberg, Walldorf, Wiesloch, Sandhausen, Leimen, Nußloch und jetzt eben Neustadt in der VRN-Liste.
Dieses Unternehmen habe zuletzt seine Kapazitäten teils von Heidelberg, wo es viel Konkurrenz gebe, in kleinere Städte verlagert. In Limburgerhof hat es ein Depot, in dem es Roller lagert und wartet. Ob es der erste Anbieter in Speyer sein wird? Die Zentrale im irischen Dublin will das auf Anfrage noch nicht bestätigen. Die Prüfung läuft ...
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Kein Wildwuchs
Jedes zusätzliche Mobilitätsangebot ohne Verbrennungsmotor für die Speyerer ist gut. Bei den E-Rollern wäre es dem Stadtbild dienlich, wenn es keinen „Wildwuchs“ gibt, denn die Roller dürfen nach Nutzung überall abgestellt werden, nicht nur an festen Stationen. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Stadt groß genug ist, um mehrere Anbieter glücklich machen zu können.
Zur Sache: Stand bei den Leihfahrrädern
Ein Verleihsystem für Fahrräder gibt es in Speyer schon seit 2015: VRN-Nextbike. Es hat laut Stadt im Corona-Jahr 2020 „deutliche Einbußen“ bei der Nutzung hinnehmen müssen. 2021 seien mehrere Verbesserungen geplant: Der Umbau der Stationen in digitale Standorte gehe weiter. Fertig sind die Stationen Dom, Festplatz, Uni und S-Bahn-Halt Nord/West. An Standorten mit Gefälle oder unebenem Boden (Festplatz, Salzgasse, Bahnhof) bleibe es hingegen bei Abstellpfosten, damit die Räder weiterhin sicher abgestellt werden können „und kein Domino-Effekt entsteht“. Die Station am Rheinufer werde in Zukunft nur noch im Sommerhalbjahr bespielt. Beim Berliner Platz sei langfristig eine Verlegung innerhalb des Platzes geplant. Drei zusätzliche Stationen würden in der Lessingstraße, beim Weißdornweg und am Platz der Stadt Gniezno eingerichtet.